Kieler Landgericht : Prozess um Millionenbetrug – Freispruch für Angeklagten

Millionenbetrug
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Von dem Geld fehlt jede Spur.

Eine Täuschung sei dem 56-Jährigen nicht nachzuweisen, befindet das Gericht. Möglicherweise ist er selbst Opfer.

shz.de von
08. Februar 2018, 13:30 Uhr

Kiel | Der Angeklagte wirkte erleichtert, die Investoren bleiben auf ihrem Schaden sitzen: Das Kieler Landgericht sprach am Donnerstag einen 56-jährigen Norderstedter im Prozess um eine angeblichen Millionenerbschaft vom Vorwurf des Betrugs frei. Eine Täuschung sei dem Mann nicht nachzuweisen, sagte der Vorsitzende Richter Michael Scheck in der Urteilsbegründung. Möglicherweise sei der Angeklagte selbst Opfer eines Betrugs geworden. Für die mehrmonatige Untersuchungshaft erhält der Angeklagte Entschädigung.

Die Investoren haben den Schaden: In der Hoffnung auf das angebliche Millionenerbe und eine hohe Rendite zahlten sie von 2011 bis 2015 rund 3,6 Millionen Euro. Das Geld floss auf ausländische Konten. Wo es geblieben ist, konnte in dem Prozess nicht geklärt werden. Der Vorsitzende Richter betonte aber, dass es keine Anhaltspunkte dafür gebe, dass der Angeklagte davon auch nur einen Cent erhalten haben könnte.

Nach Feststellungen des Gerichts konnte dem Angeklagten nicht widerlegt werden, dass er an das Erbe eines Mannes glaubte, den er in den 1990er Jahren in London kennengelernt hatte und der ihm 2005 angeblich 12,5 Millionen Dollar vermacht habe. 2010 soll ihn dann dessen Frau weitere 6,5 Millionen Euro vererbt haben. Um an das Geld zu kommen, seien dann aber immer neue Gebühren und Steuerzahlungen gefordert worden, schilderte Scheck. 50.000 Euro zahlte der Angeklagte laut Urteil selbst. Der Rest kam von mehreren Investoren, die laut Anklage Einzelbeträge von etlichen hunderttausend Euro ins Ausland überwiesen. Erst dann wurde es einem der Geschädigten zu viel: er stellte Strafanzeige. Im Prozess räumten die Geschädigten –  darunter eine ehemalige Bilanzbuchhalterin, Rechtsanwälte und eine Zahnärztin – ein, sie seien „blind vor Geldsucht gewesen“. Bis zu 400 Prozent Rendite soll der Angeklagte demnach versprochen haben.

Von der Anklage blieb nach der Beweisaufnahme nicht viel übrig. Der Staatsanwalt ließ die meisten Vorwürfe fallen und forderte nur wegen 110.000 Euro eine Bewährungsstrafe. Er will Revision prüfen. Der Verteidiger dagegen wollte für seinen Mandanten Freispruch und erhielt ihn. Der nicht vorbestrafte Angeklagte selbst betonte im Schlusswort, er habe stets an die Richtigkeit der ihm angebotenen Erbschaften geglaubt und sei selbst betrogen worden. „Ich hatte nie die Absicht, Investoren zu hintergehen oder an deren Gelder zu kommen.“

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