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Überfall auf Juwelier in Kiel : Prozess gegen Räuberbande: SEK im Gerichtssaal

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Eine Räuberbande schlug in Auktions- und Pfandhäusern zu - unter anderem in Kiel und Düsseldorf. Zwölf Männer stehen in Schleswig vor Gericht.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2015 | 12:13 Uhr

Schleswig | Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und mit rund zweieinhalb Stunden Verspätung hat am Freitag in Schleswig der Prozess gegen zwölf mutmaßliche Mitglieder einer osteuropäischen Räuberbande begonnen. Den Männern wird vorgeworfen, in wechselnder Zusammensetzung und Verantwortung mehrere Überfälle begangen zu haben - unter anderem in Kiel. Angeklagt sind sie wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung sowie der Beihilfe dazu.

Sie agierten brutal und kaltschnäuzig: Zwei unmaskierte Räuber überfielen vor rund einem Jahr am helllichten Tag ein Auktions- und Pfandhaus in Kiel, misshandelten einen 25-jährigen Mitarbeiter und erbeuteten kostbaren Schmuck im Wert. Es war nur ein Fall von mehreren. Die Bande agierte international.

Aus Platzmangel wird der Prozess nicht im zuständigen Landgericht Kiel, sondern in den Räumen des Oberverwaltungsgerichts in Schleswig geführt. Denn die Zahl der Prozessbeteiligten wird groß.

Die zwölf Angeklagten werden von je zwei Pflichtverteidigern vertreten, sagt die Sprecherin des Kieler Landgerichts, Rebekka Kleine. Hinzu kommen zwei Nebenkläger mit ihren Rechtsbeiständen, zwei Staatsanwälte, die Richter. Da die Angeklagten aus Litauen kein Deutsch sprechen, muss gedolmetscht werden. Dafür wird es Simultanübersetzungen geben, die die Angeklagten per Headset empfangen.

Zudem wird den Angeklagten vorgeworfen, sich zu einem weiteren geplanten Überfall München verabredet zu haben. Doch dazu kam es nicht mehr. Die Polizei griff vorher zu. Die Tat habe durch intensive Ermittlungsarbeit verhindert werden können, betonten die zuständigen Behörden im November 2014 nach den Festnahmen unter anderem in der bayerischen Landeshauptstadt und in Berlin - wo der Kopf der Bande vermutet wurde. Es sei hochgefährlich gewesen, die Täter in der belebten Münchner Innenstadt tagsüber zu stellen, sagte der Kieler Polizeidirektor Thomas Bauchrowitz damals in einer Pressekonferenz. „Wir mussten davon ausgehen, dass sie bewaffnet waren.“

Laut Anklage überfielen die Täter im August 2014 am helllichten Tag ein Juweliergeschäft in Düsseldorf, fesselten den Besitzer mit Kabelbindern in einem Nebenraum und traten ihm mindestens achtmal gegen den Kopf. Mit der Beute verließen sie das Gebäude und ließen ihr Opfer schwer verletzt und gefesselt zurück - nur durch Zufall habe der Neffe des Mannes diesen entdeckt, sagte agte Staatsanwalt Christopher Sievers.

Ähnlich brutal gingen Mitglieder der Bande bei ihrem Überfall auf ein Auktions- und Pfandhaus in Kiel vor. Sie misshandelten einen 25-jährigen Mitarbeiter mit einem Elektroschocker, fesselten ihn laut Staatsanwaltschaft mit mitgebrachten Kabelbindern und raubten Schmuck im Wert von rund einer halben Million Euro.

Auf die Schliche kamen die Ermittler den Angeklagten unter anderem durch Zugriffe auf die Handydaten.

Eigentlich sollte der Prozess bereits um 9.30 Uhr beginnen, doch die Anwälte wollten sich erst beraten - unter anderem über die Sitzordnung ihrer Mandanten und auch die Sicherheitsvorkehrungen. Sie bemängelten, dass vermummte Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) mit Waffen im Gerichtssaal sein sollten. Zum Schluss führten die SEK-Beamten nur einige der Angeklagten herein, während der Hauptverhandlung selbst waren etwa 30 Justizbeamte im Verhandlungssaal.

„Der Prozess ist schon besonders“, sagte Landgerichtssprecherin Rebekka Kleine. Alleine wegen des hohen Sicherheitsaufwandes. Die Angeklagten gelten als gefährlich. Sie wurden mit Handschellen gefesselt von je zwei Beamten in den Gerichtssaal geführt. Damit sie während der Verhandlungspausen nicht miteinander sprechen können, sind im Hof des Gerichts Container aufgestellt worden, in denen die Angeklagten einzeln untergebracht werden.

Für den Prozess sind zunächst mehr als 20 Verhandlungstage bis ins nächste Jahr angesetzt. Der nächste Termin ist für den 6. Oktober geplant.

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