Pro-Europa-Demo ist „very british“

Mit einem Meer von Europa-Flaggen setzen die Teilnehmer ein Zeichen für Europa und gegen Nationalismus
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Mit einem Meer von Europa-Flaggen setzen die Teilnehmer ein Zeichen für Europa und gegen Nationalismus

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05. Juni 2017, 12:06 Uhr

Petrus ist Europa-Fan! Nach einem total verregneten Sonntagvormittag ließ er pünktlich um 14 Uhr zu Beginn des Pulse of Europe (PoE) der Sonne den Vortritt. Was bis zur Landtagswahl im Mai wöchentlich stattfand, steigt nun einmal im Monat – am ersten Sonntag auf dem Platz der Kieler Matrosen am Hauptbahnhof: die Demonstration für Europa.

„Das Schöne ist, dass wir für etwas demonstrieren, nicht gegen etwas“, so Edda Hamer vom 20-köpfigen, ausschließlich ehrenamtlichen Stammteam. „Viele wollen Flagge zeigen, von Kindern bis zu Senioren. Das macht auch den Charme der Veranstaltung aus“, so Hamer weiter. Zwischen 200 und 800 Teilnehmer unterschiedlichster Nationalitäten sind es, die allein in Kiel in fast familiärer Atmosphäre ein Zeichen für Europa setzen, ein Zeichen für Demokratie, Frieden und Freiheit. Europaweit sind es Zehntausende.

Zum vierten Mal dabei war Hans-Heinrich Koch. „Ich finde es wichtig, die Flagge für Europa hochzuhalten, um den Tendenzen des Nationalismus etwas entgegenzusetzen“, so der Mielkendorfer. Thema dieses Mal war anlässlich der bevorstehenden Wahlen zum britischen Unterhaus der Austritt Großbritanniens aus der EU. „Großbritannien, wir werden dich vermissen“, begann auch Studentin Alina Klein, welche die Veranstaltung moderierte.

Nach einer Schweigeminute für die Opfer des jüngsten Londoner Anschlags wurde es dann „very british“. Der gebürtige Brite und in Kiel lebende Singer-Songwriter Brendan Lewes sorgte mit typisch englischen Songs für den musikalischen Rahmen, während an die Besucher neben Infomaterial oder kleinen EU-Fähnchen auch britische Salz- und Essigchips verteilt wurden. „Die englische Öffentlichkeit hat es sich nie einfach gemacht mit der EU, aber immerhin 48 Prozent haben gegen den Brexit gestimmt“, so die einhellige Meinung. Aber vielleicht ist dieser, so die Hoffnung, ein Zeichen an die anderen Mitgliedsstaaten, enger zusammenzurücken.

Der PoE, der ein überparteilicher und überkonfessioneller Zusammenschluss von Europa-Befürwortern ist, ruft inzwischen in mehr als 90 Städten bundes- und in 108 Städten europaweit zu den regelmäßigen Kundgebungen auf. Die Kieler Initiative wurde von Christian Kaerbach und Sebastian Heß, Professoren an der Kieler Universität, im März dieses Jahres ins Leben gerufen. „Ich hörte im Radio davon und musste feststellen, dass es in Kiel noch keinen PoE gibt. Also haben wir kurzerhand dafür gesorgt, dass sich das ändert“, so Kaerbach. Lag der bisherige Rekord in Kiel bei 800 Teilnehmern, waren es am Sonntag nur 200, was wohl dem Wetter am Vormittag und dem verlängerten Pfingstwochenende geschuldet war. Mit dem Absingen der Europa-Hymne und einer Menschenkette, beides feste Rituale, endete die Kundgebung. Infos zu Pulse of Europe Kiel und allgemein unter pulseofeurope.eu/kiel.

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