Ökofaire Kirchengemeinde : Pries setzt irdische Maßstäbe

Alle fassen mit an: Propst Kurt Riecke (links) freut sich mit den Aktiven in Pries-Friedrichsort über das Siegel „ÖkoFaire Gemeinde“.
Alle fassen mit an: Propst Kurt Riecke (links) freut sich mit den Aktiven in Pries-Friedrichsort über das Siegel „ÖkoFaire Gemeinde“.

Als erste Kirchengemeinde in Altholstein erhält Pries-Friedrichsort im Kieler Norden die Auszeichnung „ÖkoFair“. Das Siegel bescheinigt vorbildlichen Einkauf und Konsum bei Lebensmitteln, Büro-Artikeln, Reinigungsmitteln und vielem mehr.

shz.de von
20. August 2018, 19:09 Uhr

Am steinernen Bogentor (anno 1911) vor der Kirche zum Guten Hirten hängt seit gestern eine bescheidene Plakette. „ÖkoFaire Gemeinde“ steht darauf – und das ist eine Besonderheit. Als erste Kirchengemeinde überhaupt im großen Kirchenkreis Altholstein darf sich Pries-Friedrichsort mit dieser Auszeichnung schmücken. Sie steht für umweltbewusstes und faires tagtägliches Handeln, das vom Kaffee- und Tee-Einkauf über Bürobedarf bis zur Energieversorgung reicht.

Propst Kurt Riecke versteht die Kampagne als Prozess, als Möglichkeit, sich in den Köpfen der Menschen festzusetzen. Immerhin hat die Synode – das Parlament des Kirchenkreises – beschlossen, bis spätestens zum Jahre 2050 an sämtlichen Standorten CO2-neutral zu werden. Gemeinsam haben die Organisation Brot für die Welt und der Kirchliche Entwicklungsdienst in Neumünster eine Stabsstelle für Nachhaltige Beschaffung geschaffen. Albrecht Kuntschke steht seitdem den Gemeinden des Kirchenkreises mit Rat und Tat zur Seite – in Pries-Friedrichsort fiel der Appell zum vollständigen „ökofairen“ Handeln auf besonders fruchtbaren Boden.

So produziert die Kirchengemeinde mit ihren 3800 Mitgliedern dank dreier Photovoltaik-Anlagen bereits ihren eigenen Strom. Außerdem braucht man einen „Kümmerer“: Matthias Voigt aus dem Kirchenrat analysierte wochenlang und sorgfältig das Konsumverhalten der Kirchengemeinde. Denn das anspruchsvolle Siegel „Ökofaire Gemeinde“ deckt mehr ab als den verantwortungsvollen Kauf von Tee und Kaffee. Es geht ebenso um fair gehandelte Blumen, um die konsequente Nutzung von Mehrfachgeschirr, um die Verwendung von Recycling-Papier im Büro, um energiesparende Leuchten und sogar um den Kauf umweltverträglicher Reinigungsmittel.

Voigts Analyse könnte als Blaupause für andere Kirchengemeinde zum Umdenken dienen. Zwar ergibt sich bei den Lebensmitteln in Pries-Friedrichsort ein jährlicher Mehraufwand von schätzungsweise 1000 Euro, doch dieses Minus machen die eingesparten Energiekosten mehr als wett. Das bedeutet: Richtig gehandhabt und engagiert umgesetzt, lässt sich mit dem ökofairen Verhalten sogar Geld im Etat der Kirchengemeinde einsparen.

Die beiden Pastoren Volker Landa und Roland Weiss sind überzeugt, dass die Auszeichnung ihrer Gemeinde künftig wertvolle Impulse liefern wird. Beispielsweise im Konfirmanden-Unterricht oder auch beim Erntedank. Sie verweisen auf das Bibel-Gebot, wonach der Mensch die Erde zum Bebauen, aber auch zum Bewahren erhalten hat. Doch mit Klimaschutz ist es oft nicht weit gediehen, wie Propst Riecke aus eigener Anschauung weiß. Er war jahrelang im fernen Papua-Neuguinea aktiv. Etliche Inseln, die er damals besucht hat, existieren heute nicht mehr. Sie sind längst überflutet.

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