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Premiere für inklusives Theaterfestival

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ab Donnerstag zeigen rund 100 Schauspieler mit und ohne Handicaps aus ganz Deutschland ihr können auf Kieler Bühnen / Flashmob geplant

Es ist bisher einzigartig in Schleswig-Holstein: Zum zehnten Geburstag des Integrativen Theaters Kiel gibt es „Includo“ in der Landeshauptstadt – das erste inklusive Theaterfestival in Schleswig-Holstein.

Knapp 100 Schauspieler mit und ohne Handicaps werden vom 28. bis 31. August ihr Können auf der Werftparkbühne und in der Pumpe unter Beweis stellen. Die fünf Gruppen kommen aus ganz Deutschland – zusätzlich zum Kieler Ensemble – und wurden extra für dieses Festival aus zahlreichen Bewerbungen von dem Organisationsteam rund um Raija Ehlers, die die künstlerische Leitung des Festivals inne hat und das Integrative Theater Kiel leitet, ausgewählt. „Vor zwei Jahren haben wir begonnen, dieses Festival zu planen. Jetzt ist es wirklich und wahrhaftig“, freut sich Raija Ehlers. Bei der Auswahl standen in erster Linie die ästhetische Produktion im Vordergrund, nicht der sozialpädagogische Prozess, der in diesen Gruppen ja immer auch ein Teil ist, wie Ehlers betont. Heute, zwei Jahre später, freut sich das insgesamt fünfköpfige Organisationsteam mit Vertretern aus Kultur, der Stadt Kiel, den Veranstaltern und Pädagogen, dass es gelungen ist, die Vielfalt des Genres auf Kiels Bühnen zu holen.

Bespielt werden die Werftparkbühne und die Bühne in der Pumpe. Die Gründe liegen für Ehlers auf der Hand: „Wir sind seit Jahren mit diesen beiden sehr verbunden.“ Hinzu komme, dass es wenige barrierefreie Bühnen in der Landeshauptstadt gebe, was ein weiteres Ausschlusskriterium war. Etwas, und darauf ist das Orga-Team besonders stolz, ist bei ihrem Festival bisher einmalig: Alle Auftritte sind so gelegt, dass die einzelnen Gruppen auch die Möglichkeit haben, sich untereinander zu sehen. Heike Wittneben vom Includo-Team: „Es soll hier wirklich auch Vernetzung und voneinander lernen stattfinden können. Das hat uns bei anderen Festivals selbst immer gefehlt.“

Was macht das Theaterspielen im integrativen Theater so interessant? Raija Ehlers erlebte die Anfänge am Thalia-Theater in Hamburg und gründete in Kiel die erste Integrative Theatergruppe: „Es führt einen an die Wurzeln menschlichen Seins. Es ist sehr spannend und bereichernd, oftmals für die Menschen ohne Behinderung mehr als für die mit.“

Und was erwartet die Zuschauer? Den Auftakt macht am Freitag um 14 Uhr die Wuppertaler Gruppe mit dem märchenhaften Stück „Die zertanzten Schuhe“ in der Pumpe. Um 16.30 Uhr bringt das Integrative Theater Kiel die theatrale Collage „Sonntagssachen“ auf die Bühne im Werftpark. Am Abend, um 19.30 Uhr wird das „Projek Zukumpf“ das Stück „Flucht nach vorn“ erstmals aufführen. Das Includo-Team fand die Arbeit des Ensembles so spannend, dass sie es überredet haben, mit einem noch nicht ganz fertigen Stück nach Kiel zu kommen. „Die Kollegin hat als Grundlage für das Spiel einen Comic genommen, der von einer geistig-behinderten Frau und einem Künstler gezeichnet wurde“, sagt Ehlers.

Am Sonnabend überschreiten Eisenhans-Theaterprojekte in Kooperation mit dem Thalia-Theater Hamburg in ihrem Stück „Wa(h)lmöglichkeiten“ räumliche und gedankliche Grenzen (14 Uhr, Pumpe). Als „hinreißend schräg“ empfiehlt Raija Ehlers das Stück „Alles Dada“ am Sonnabend um 16.30 Uhr im Theater im Werftpark. Zum Abschluss zeigt das Brachland-Ensemble aus Kassel „Tiere der Nacht“ (19.30 Uhr, Pumpe): Eine besondere Produktion mit einer Profitänzerin und einem behinderten Mann in Kombination mit Projektionen.

Ergänzt wird das Festival durch Workshops, die in erster Linie für die Teilnehmer gedacht sind, Interessierte sind bei freien Plätzen aber ebenso willkommen. Eine Aktion – ähnlich eines theatralen Flashmobs – plant das Includo-Team mit allen Teilnehmern am Freitag ab 9.59 Uhr im Hiroshimapark, bei Regen geht’s auf den Rathausplatz. Auch zur Eröffnung in der Pumpe, Donnerstagabend ab 20 Uhr, sind alle Kieler und Besucher herzlich eingeladen. Für tanzbare Rockmusik sorgt an diesem Abend die Eckernförder Band „Vacuum“.

Das Ziel des Festivals, da sind sich alle Engagierten einig: „Wir wollen dem Genre mehr Boden geben und Mut für alle, auch grenzüberschreitende Handlungen in anderen Bereichen zu wagen. Wir müssen so lange etwas Besonderes machen, bis es Normalität wird und wie selbstverständlich dazugehört.“ Dieses Includo soll nicht das letzte sein.


>Mehr unter www.includo-kiel.de

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erstellt am 26.Aug.2014 | 04:54 Uhr

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