Immobilien in Kiel : Preiswertes Ostufer, teures Westufer

Zahlen für die Immobilien:  Wolfgang Plaga (r.) und Frank Schröder.
Zahlen für die Immobilien: Wolfgang Plaga (r.) und Frank Schröder.

Je nach Stadtteil liegen die Quadratmeterpreise für Immobilien den doppelten oder dreifachen Satz auseinander. Das belegt der jüngste Immobilienbericht des Gutachterausschusses. Er zeigt auch, dass Kiel dringend günstige Mietwohnungen braucht.

shz.de von
07. Juni 2018, 19:38 Uhr

Die Landeshauptstadt ist ein teures Pflaster für Immobilien. Die Preise haben in den letzten Jahren kräftig angezogen. Das belegt der unabhängige Gutachterausschuss mit seinem jüngsten Immobilienbericht. So kostet eine durchschnittliche, 80 Quadratmeter große Neubau-Eigentumswohnung aktuell rund 320 000 Euro. Doch dieser Mittelwert verschweigt, dass es beträchtliche Unterschiede zwischen West- und Ostufer gibt. Und dieses Gefälle hat sich in der jüngsten Vergangenheit noch verstärkt.

Der Gutachterausschuss arbeitet ehrenamtlich und erhält seine Daten von den Notaren. Jeder Immobilienverkauf muss dem Ausschuss vorgelegt werden, weshalb sich mit dieser „Kaufpreissammlung“ ein ziemlich genaues Bild des aktuellen Imobilienmarktes ziehen lässt. Genau 1920 Verkäufe waren es im vergangenen Jahr: 630 für bebaute und 150 für unbebaute Grundstücke sowie 915 bei Wohnungseigentum. Die fehlenden 225 stammen aus Verkäufen und Umschreibungen innerhalb einer Familie. Sie wurden für den Bericht nicht weiter berücksichtigt, weil sie sich weit unterhalb des üblichen Preisniveaus abspielen.

„Die Arbeit des Ausschusses besteht auch darin, den Grundstücksmarkt transparent zu machen“, erklärt der Vorsitzende Wolfgang Plaga. Auf Wunsch kann jeder Kaufwillige Auskunft über die Preisentwicklung und die übliche Preisspanne für sein Quartier erhalten. Von diesem Angebot haben im vergangenen Jahr immerhin 250 Menschen Gebrauch gemacht.

Auf dem Ostufer sind (gebrauchte) Wohnungen vergleichsweise preiswert. In Wellingdorf kostet der Quadratmeter 1270 Euro, in Elmschenhagen sind es 1260, in Gaarden-Ost 1210 Euro. Und in Ellerbek sogar nur 1030 Euro. Mit Ausnahme von Mettenhof (1230) sind Wohnungen auf dem Westufer kaum für 2000 Euro pro Quadratmeter zu erhalten: Exerzierplatz (2270), Holtenau (2320), Blücherplatz (2460), Brunswik (2490). Die Spitze liefert Düsternbrook mit durchschnittlich 3790 Euro – im Vergleich zu Ellerbek der 3,5-fache Satz.

Der Trend zu höheren Preisen hält unvermindert an. Das 40 Jahre alte Reihenhaus, das 2013 noch durchschnittlich 1675 Euro pro Quadratmeter kostete, wird aktuell mit fast 2500 Euro gehandelt. Das ist ein Anstieg um rund 50 Prozent. Bei jüngeren Reihenhäusern – etwa anno 2010 – ist der Preis von 2100 auf 2725 Euro geklettert, was immer noch einem Plus von 30 Prozent entspricht.

Auf wenn die Zinsen sich weiterhin auf Tiefststand befinden: Nach den Worten von Plaga ist es für eine Familie mit Durchschnittsverdienst gegenwärtig „sehr schwierig“, eine leistbare Finanzierung für den Hauskauf hinzubekommen. „Die Schere zwischen Bedarf und Angebot geht in Kiel immer weiter auseinander. Das gilt für Kiel extrem“, weiß Gutachter Hubert Kielhorn. Und sein Kollege Thomas Liedtke sagt mit Blick auf den Immobilienbericht, was auch auf der politischen Agenda ganz oben steht: „Wir brauchen mehr Mietwohnungen in Kiel, vor allem mehr bezahlbaren Wohnraum.“

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