Appell an die Stadt : Preiswerte Mieten statt Luxus-Neubau

Treffen beim Mieterverein: Die Akteure verlangen deutliche Verbesserungen bei den Mieten. Die bisherigen Pläne der Stadt mit der neuen Wohnungsbaugesellschaft reichen ihnen nicht.
Treffen beim Mieterverein: Die Akteure verlangen deutliche Verbesserungen bei den Mieten. Die bisherigen Pläne der Stadt mit der neuen Wohnungsbaugesellschaft reichen ihnen nicht.

In einem gemeinsamen Aufruf verlangen vier Sozialverbände endlich Verbesserungen bei den Mieten. Die künftige städtische Wohnungsbaugesellschaft muss schnellstmöglich für bezahlbare Wohnungen sorgen – oder es drohen soziale Verwerfungen.

Avatar_shz von
16. Oktober 2018, 18:49 Uhr

Die Zeit drängt. Die geplante Gründung der neuen städtischen Wohnungsbaugesellschaft ist seit Jahren überfällig. Es droht eine soziale Katastrophe – das erklärten gestern der Mieterbund, der Sozialverband, der Paritätische und das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum in einem gemeinsamen Aufruf. Sie fordern die Verantwortlichen auf, aus den „Fehlern der Vergangenheit zu lernen“ und endlich für genügend preiswerte Wohnungen zu sorgen.

Die künftige Wobau müsse gemeinnützig operieren und dürfe nicht zur Gewinnabgabe an die Stadt verpflichtet werden. Sämtliche Überschüsse müssten sofort wieder investiert werden, fordert Jochen Kiersch, der 1. Vorsitzende des Kieler Mietervereins. Er fügt hinzu: „Auf keinen Fall darf ein altgedienter Politiker die Leitung übernehmen.“

Das Quartett der vier Sozialverbände hadert mit der Verkaufspolitik von Ex-Oberbürgermeister Norbert Gansel. Der Verkauf der 12 000 KWG-Wohnungen hätte nie stattfinden dürfen. Der Wohnungsmarkt sei völlig aus dem Ruder gelaufen, heute befinden sich die Wohnungen zumeist im Besitz der Vonovia – und mit dieser Gesellschaft hat der Mieterverein jede Menge Ärger. „Was heute in Kiel gebaut wird, ist unbezahlbar. Es fehlen die Sozialmieten“, betont Andreas Meyer vom Bündnis für bezahlbaren Wohnraum.

Um überhaupt spürbaren Einfluss nehmen zu können, müsste die neue Wobau mindestens über zehn Prozent der Kieler Wohnungen verfügen. Das wären etwa 13 000 Einheiten. Die von Stadtrat Gerwin Stöcken angepeilten 4000 Wohnungen seien viel zu wenig. „Übers Bauen hinaus muss die Stadt alle Vorkaufsrechte wahrnehmen“, fordert Jan Dreckmann vom Paritätischen – dem landesweiten Verband gehören 500 Mitgliedsvereine an.

Sven Picker vom Sozialverband spricht einen ganz anderen Aspekt an. Jeder wisse doch, dass das Desaster um die HSH-Bank den Steuerzahler Milliarden koste. Jede Wohnung, die nicht gebaut wird oder zu teuer ist, birgt laut Picker sozialen Sprengstoff. Er fügte hinzu: „Das wird dann unkontrollierbar.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen


Nachrichtenticker