Verordnung für das Disco-Viertel : Polizei Kiel: Waffenverbot in der Bergstraße hat sich bewährt

Klare Ansage: Die Bilder erzählen, was verboten ist und von der Polizei beschlagnahmt wird.
Klare Ansage: Die Bilder erzählen, was verboten ist und von der Polizei beschlagnahmt wird.

Die Verordnung wurde 2013 speziell für das Disco-Viertel erlassen. Die Straftaten sind deutlich zurückgegangen.

shz.de von
11. Dezember 2017, 10:51 Uhr

Kiel | Klare Botschaft der Kieler Polizei an die Verwaltung im Rathaus: Das seit 2013 bestehende weitreichende Waffenverbot im Disco-Viertel an der Bergstraße hat sich als wirksames Mittel gegen blutige Auseinandersetzungen erwiesen. Es sollte deshalb über den März 2018 hinaus verlängert werden. Eine Aussprache steht für Dienstag im städtischen Innen- und Umweltausschuss an (17 Uhr, Rathaus).

Blick zurück: Woche für Woche, genauer: Wochenende für Wochenende, stand die Bergstraße in den Schlagzeilen. Meist wegen übler Schlägereien angetrunkener Männer. Polizei und Rettungsdienste hatten Schwerstarbeit zu verrichten. Mit der „Stadtverordnung über das Verbot des Führens von Waffen und waffenähnlichen gefährlichen Gegenständen“ im Frühjahr 2013 änderte sich die Lage. Fortan hatte die Polizei Handhabe, im Bereich an der Bergstraße nebst Pistolen und Messern auch Schraubenzieher und scharfkantige Werkzeuge, Knüppel, Baseballschläger, Reizstoff-Dosen und selbst Handschuhe mit harten Füllungen zu beschlagnahmen. Die Besitzer erwartete eine Strafe bis zu 5000 Euro.

Direkt an der Bergstraße steht das gelbe Verbotsschild in Kiel.
Oleg Strebos
Direkt an der Bergstraße steht das gelbe Verbotsschild in Kiel.
 

Schon nach einem Jahr sprachen die Polizei und das Ordnungsamt von Erfolgen. So hatte sich die Zahl der „Rohheitsdelikte“ verringert, die Schwere der Körperverletzungen nahm ab, auch die Zahl der Glasverletzungen sank deutlich, gleichzeitig wuchs die Aufklärungsquote. Diese Entwicklung zeigt sich jetzt auch in der aktuellen Statistik. Im dritten Quartal des laufenden Jahres lag die Zahl der Rohheitsdelikte mit acht so niedrig wie nie. Und die Taten, bei denen nicht nur die Fäuste, sondern auch Gegenstände benutzt wurden, haben sich von 2013 (47) auf bislang elf für 2017 auf ein Viertel verringert.

Natürlich: Der neu eingerichtete Sicherheitsdienst, die Präsenzstreife auf der Bergstraße und das übergreifende Hausverbot der Gastronomen taten ein Übriges. Ebenso die Aufstellung eines Glascontainers – mit der erwünschten Folge, dass leere Flaschen kaum noch herumliegen und im Ernstfall nicht mehr als Waffe genutzt werden können. Kay Kramm spricht für das 2. Kieler Revier von einem Rundgang der Delikte zwischen 2013 und 2017 um 76 Prozent. „Die Waffenverbotszone wird tatsächlich respektiert und hat sich somit auch bewährt“, erklärt der Polizeichef, der den Antrag auf Verlängerung des Waffenverbots über die Polizeidirektion an die Stadt richtete.

Vorsorglich reagiert Kramm auf mögliche Stimmen, die das Waffenverbot für unnötig halten. Die Verordnung, so sagt er, „beeinträchtigt keinen rechtstreuen Bürger in seinen Rechten“. Er fügt hinzu: „Eine Geschwindigkeitsbeschränkung vor einem Kindergarten wird auch nicht aufgehoben, nur weil sie tatsächlich beachtet wird.“

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