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Absperrung missachtet : Polizei ärgert sich über sture Passanten

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Sind Weihnachtseinkäufe wichtiger als das Leben des Entschärfers?“, fragte die Polizei gestern entnervt. Am Dienstag war eine auf dem Exer in Kiel eine verdächtige Tasche gefunden worden – uneinsichtige Zeitgenossen störten immer wieder die Arbeit des Experten.

Der Fund einer verdächtigen Sporttasche auf dem Exer in der Kieler Innenstadt am Dienstagnachmittag und der folgende Sicherheitseinsatz (wir berichteten) haben Spuren hinterlassen. Insbesondere bei der Polizei, die den Fundort samt benachbarter Straßen abgesperrt hatte und dafür von Betroffenen angepöbelt und beschimpft wurde, sowie bei Thomas Baller vom Kampfmittelräumdienst. Er musste seine Arbeit mehrfach unterbrechen, weil sture Passanten die Absperrbänder einfach ignorierten, um ihre Einkäufe zum Auto zu bringen. „Sind Weihnachtseinkäufe wichtiger als das Leben des Entschärfers?“, fragte die Polizei nach der Auswertung der Aktion gestern genervt.

Polizeisprecher Oliver Pohl hat durchaus Verständnis für den Ärger der Passanten, bringen Einsätze wie am Dienstag doch Störungen für den durchgeplanten Alltag. Null Toleranz zeigt er jedoch, wenn Absperrungen einfach missachtet werden. „Man darf sicherlich diskutieren, ob wir in diesen politisch turbulenten Zeiten zu sensibel auf mögliche Bedrohungen reagieren. Wenn es aber um die Gefährdung von Menschenleben geht, diskutiert die Polizei nicht, sondern handelt“, erklärt Pohl.

Im konkreten Fall vom Dienstag hatte es sich um eine „auffällig ausgebeulte Tasche“ neben der Bushaltestelle gehandelt. Die Polizei ging deshalb vom Verdacht auf eine USBV aus, eine „unkonventionelle Streng- oder Brandvorrichtung“. Der Fund erwies sich glücklicherweise als wenig dramatisch, die Tasche war mit Müll vollgestopft. Auch wenn sich die Sensibilität der Bevölkerung nach den jüngsten Anschlägen von Paris erhöht habe – USBV-Einsätze hat es auch in der Vergangenheit gegeben. Mit einem Anstieg derartiger Aktionen rechnet Pohl nicht, es komme eben auf den Einzelfall an.

Theoretisch hätte der Kampfmittelräumdienst die Tasche auch zunächst von Spezialrobotern durchleuchten lassen können. Doch das hätte viel länger gedauert, beruft sich Pohl auf Aussagen von Thomas Baller. Der Experte habe deshalb das Herangehen in seinem Spezialanzug befürwortet. „Umso unverständlicher ist es vor diesem Hintergrund, dass der Entschärfer durch Missachtung der Absperrung in Gefahr gebracht wird“, ärgert sich der Polizeisprecher.

Es gibt für ihn auch keine Alternative zum Vorgehen der Polizei wie jetzt auf dem Exer. Pohl wendet sich an die unbelehrbaren Mitbürger: „Jeder möge selbst prüfen, ob er in die Nähe einer Tasche gehen und mal nachschauen oder mal durchleuchten würde, wenn der Verdacht besteht, dass es jeden Moment zu einer Explosion kommen kann.“ 

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erstellt am 16.Dez.2015 | 19:12 Uhr

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