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Grossraum Kiel : Politischer Schub für die Stadtregionalbahn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Überraschender Vorstoß von SPD, Grünen und SSW in der Stadt Kiel und in den beiden Nachbarkreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde: Mit einem neuen Konzept wollen sie die Stadtregionalbahn (SRB) wieder aufs politische Gleis setzen. Wegen hoher Kosten galt das Projekt eigentlich bereits als beerdigt – jetzt wird abgespeckt.

shz.de von
erstellt am 07.Nov.2014 | 21:19 Uhr

Aufbruchstimmung gestern Nachmittag im Magistratssaal des Kieler Rathauses: Vertreter von SPD, Grünen und SSW (sowie einzelner Wählergemeinschaften) aus der Stadt Kiel und den beiden Nachbarkreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde stellten ihr Konzept für die Stadtregionalbahn (SRB) vor. Sie wollen das Projekt, das viele Beobachter schon für tot erklärt hatten, neu anschieben und sind überzeugt, dass sie die politischen Mehrheiten hinter sich haben. Noch in diesem Jahr sollen die beiden Kreistage und die Kieler Ratsversammlung das Signal pro SRB abgeben.

Wie Dirk Scheelje erklärte, der Vize-Fraktionschef der Grünen im Kieler Rat, habe man ein Jahr lang in der gesamten Region an einer übergreifenden Vereinbarung gearbeitet. Gestern legten die Partner ihr gemeinsames Papier mit dem Titel „Verständigung zur Stadtregionalbahn“ vor. Es ging darum, „einen realistischen und finanzierbaren Ansatz zu finden.“

Bislang war allein bei den Planungskosten von von zehn Millionen Euro die Rede. Diese Summe soll auf 7,5 Millionen Euro gesenkt werden, indem statt einer neuen Planungsgesellschaft die eigene Landesverkehrsservicegesellschaft (LVS) das Projekt vorantreibt. Insgesamt wird die SRB Ausgaben von schätzungsweise 200 bis 300 Millionen Euro nach sich ziehen.

Bei einer 25-prozentigen Förderung durch das Land und einem Kieler Löwenanteil von 5,25 Millionen Euro verbleiben in der ersten Phase für die Kreise nur noch 375 000 Euro – ein Drittel des ursprünglichen Ansatzes. Diese spürbare finanzielle Erleichterung könnte dann auch die Rückkehr der Stadt Neumünster an den Runden Tisch ermöglichen. Vor Jahr und Tag hatte Neumünster die Mitarbeit am teuren Projekt ein gestellt. „Die Türen stehen für Neumünster offen“, erklärte der Kieler SPD-Ratsherr Achim Heinrichs.

Lutz Schlünsen, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Plöner Kreistag, plädiert bei der Umsetzung der SRB-Pläne für einen schrittweisen Prozess, der dann auch die Unterstützung der Bevölkerung finden werde. Immerhin gebe es in Kiel täglich 52 000 Pendler. Von einem attraktiven öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) schwärmten auch Martin Tretbar-Endres (SPD im Kreistag Rendsburg-Eckernförde) und Axel Hilker (Grünen-Vorsitzender im Kreistag Plön). Sie verwiesen auf das Vorbild Karlsruhe, wo sich mit der modernen Regionalbahn die Passagierzahlen versechsfacht hätten.

Der Verfahrensweg ist vorgezeichnet. Nach dem erwünschten dreifachen Ja aus Kiel, Plön und Rendsburg soll bis zum Frühjahr gemeinsam mit Land und LVS die konkrete Planung beginnen. Zwei Jahre werden dafür angesetzt. Noch vor der nächsten Landtagswahl soll 2017 das Konzept für die Umsetzung der ersten SRB-Linie stehen. Laut Hilker nutzen zurzeit im Großraum Kiel nur 13 Prozent der Menschen die ÖPNV-Angebote – ein schlechter Wert für deutsche Großstädte.

In einer ersten Stellungnahme begrüßte der Kieler FDP-Ratsfraktionsvorsitzende Hubertus Hencke, „dass das Volumen des Mammutprojektes SRB – zumindest vorläufig – erheblich eingedampft werden soll“. Und die Kieler Industrie- und Handelskammer (IHK) will die neuen Vorschläge „ausführlich diskutieren. Unstrittig ist, dass über eine zeitgemäße verkehrliche Anbindung des Ostufers nachgedacht werden muss“.

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