Ausstellung : Pogromausstellung im Flandernbunker

Moritz Heinrich führt Schulklassen durch die Ausstellung. Infos und Zeiten und www.mahmalkilian.de
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Moritz Heinrich führt Schulklassen durch die Ausstellung. Infos und Zeiten und www.mahmalkilian.de

Im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit, die am Sonntag feierlich in Kiel eröffnet wird, zeigt der Flandernbunker die Wanderausstellung „9. November 1938: Die Reichskristallnacht in Schleswig-Holstein“. Außerdem gibt es Vorträge zum Thema.

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06. März 2014, 04:07 Uhr

„Dieses Bild ging um die Welt“, erzählt Joshua Pannbacker, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in der Jahnstraße. Aufgenommen hat es Rahel Posner im Dezember 1931. Es ist der Blick aus der Wohnung der Rabbinerfamilie auf die NSDAP-Kreisleitung in Kiel – heute steht dort das Haus der Provinzial am Sophienblatt. Bezeichnend ist die Notiz der Frau auf der Rückseite des Bildes: „Juda verrecke“, die Fahne spricht. „Juda lebt ewig“, erwidert das Licht. Die Menorah auf dem Bild existiert heute noch in Yad Vashem in Israel, wie Pannbacker zu berichten weiß.

Die Wanderausstellung „9. November 1938: Die Reichskristallnacht in Schleswig-Holstein“ wird im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit heute um 18 Uhr feierlich im Flandernbunker eröffnet und ist bis 13.April in Kiel zu sehen, anschließend in der Gedenkstätte in Ahrensbök (Kreis Ostholstein). Moritz Heinrich (20, kleines Foto), der erste FSJler im Flandernbunker, hat sich in das Thema intensiv eingearbeitet und wird hier – wie auch schon vorher in Rendsburg – Schulklassen durch die Ausstellung führen. „Die Ausstellung beginnt in der Weimarer Republik, zeigt die Situation zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 und die Reaktionen der Juden; berichtet dann von der Pogromnacht in Kiel, Lübeck, Flensburg sowie anderen Städten, der Flucht der Juden und endet bei den Heimkehrern“, gibt der 20-Jährige einen kurzen Abriss. Auf Würfeln werden Einzelschicksale von Juden u.a. aus Kiel, Rendsburg und Flensburg gezeigt. So wird geschildert, wie die Kieler Mützenmacherin Dora Kufelnitzky mit Befehl vom 3. Dezember 1938 enteignet wurde und ihr Geschäft in der Muhliusstraße 73 verliert. Was war für ihn das beeindruckendste aus der Vorbereitungszeit? Heinrich: „Am schlimmsten fand ich, ebenso wie die Kuratorin der Ausstellung, welche Bürokratie hinter der Deportation gesteckt hat.“

Auch die beiden Vertreter der jüdischen Gemeinden in Kiel werden bei der Eröffnung anwesend sein und freuen sich über die Ausstellung, die erinnern soll. Pannbacker: „Sich erinnern ist immer gut und ein wichtiges Gebot im Judentum. Es ist schön, dass die Menschen hier wieder ein Stück mehr erfahren über die Geschichte der Juden. Wir sind nicht die anderen, wir sind zu den anderen gemacht worden.“

Mehr Infos unter www.mahnmalkilian.de

Zum zehnjährigen Jubiläum der Jüdischen Gemeinde Kiel brachte sie eine Festschrift raus, die unter der ISBN 978-3-9811555-5-6 im Buchhandel zu haben ist.

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