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Kiel: „Mikrobiom - Der Mensch ist nicht allein“ : Pinsel und Pipette frisch verheiratet

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Ausstellung „Das Mikrobiom – Der Mensch ist nicht allein“ übersetzt Inhalte der Kieler Entzündungsforschung in die Sprache der Kunst.

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erstellt am 18.Mai.2017 | 14:46 Uhr

Ein Skandal erwartet die Kieler Kulturlandschaft ab diesem Wochenende in der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung der Universität Kiel. Ein Skandal – zumindest noch vor 100 Jahren. Denn die aktuelle Ausstellung in der Brunswiker Straße 2 verquickt zwei akademische Disziplinen miteinander, die jahrhundertelang wie Feuer und Wasser waren: Medizin und Kunst. Die Rede ist von der Ausstellung „Das Mikrobom – Der Mensch ist nicht allein“, dem Kooperationsprodukt von Studenten der Muthesius Kunsthochschule und dem Exzellenzcluster „Entzündungsforschung“.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Billionen kleinster Organismen, die Entzündungen im Körper verursachen oder das Immunsystem stärken: Das Mikrobiom – Bakterien, Pilze oder Viren. Mit Crashkursen in Entzündungsforschung erhielten die Muthesianer einen Einblick in das komplexe Forschungsfeld des Exzellenzclusters. Jetzt, sechs Monate später, präsentieren die jungen Künstler auf einer Ausstellungsfläche von 250 Quadratmetern ihre ganz eigene Sicht auf das komplexe Thema.

„Kunst und Wissenschaft treffen sich hier und lernen voneinander“, erklärt Prof. Silke Juchter von der Muthesius Kunsthochschule das Konzept der ungewöhnlichen Verschränkung von Pinsel und Pipette. „Studierende verschiedener Studiengänge der Muthesius Kunsthochschule haben mit ihren Projekten komplexe Inhalte der Entzündungsforschung in eine verstehbare, künstlerische Sprache übersetzt.“ Ob deckenhohe Gemälde mit Acrylfarben, Toilettenkabinen mit markantem Leitspruch, Keramiken mit Gewebemosaik oder eindrückliche Hörspiele – die Ausdrucksformen sind vielfältig.

Greta Magyar  vor ihrem Gemälde „Selbstporträt“.
Greta Magyar vor ihrem Gemälde „Selbstporträt“.

Die Wissenschaft, sagt Prof. Dr. Stefan Schreiber, Klinik-Direktor am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, habe den Auftrag, zu erklären, was sie tut. Doch die Kommunikation zwischen Forschung und Gesellschaft gestaltet sich oftmals schwierig, weiß Schreiber. „Wir wollten die Augen des Künstlers bemühen, denn oft ist die nonverbale Kunst zugänglicher als Sprache.“ Zudem eröffneten sich auch für die Forscher ganz neue Welten durch die Abstraktion und Transformation des Künstlers. „Durch den anderen Blick entstehen auch für Ärzte neue Fragen“, so Schreiber.

Für den Präsidenten der Muthesius Kunsthochschule, Dr. Arne Zerbst, ist das Projekt von Kunst und Medizin „echte Interdisziplinarität – es wird etwas völlig Neues geschaffen. Im günstigsten Fall gehen beide Seiten einen Schritt weiter.“

Darauf, dass sie mit ihrem Projekt im vorigen Jahrhundert einen Skandal ausgelöst hätten, sind Schreiber und Zerbst ein klein wenig stolz. „Die Würde der Wissenschaft wäre aus damaliger Sicht verletzt“, sagt Stefan Schreiber, und Arne Zerbst fügt an: „Auch dass sich die Kunst mit etwas derartig Profanem wie der Medizin einlässt – ja, wir hätten es geschafft, einen Skandal zu provozieren.“ Und dennoch: Die fruchtbare Zusammenarbeit fühlt sich an, „wie frisch verheiratet“, lacht Zerbst.

Die Ausstellung „Das Mikrobiom – Der Mensch ist nicht allein“ öffnet am Internationalen Museumstag, Sonntag, 21. Mai, von 10 bis 17 Uhr ihre Türen in der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung der Universität Kiel. Die regulären Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag 10 bis 16 Uhr sowie Sonntag 12 bis 16 Uhr.

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