Big Belly Solar : Pfandregal für Solarmülleimer kommt

„Big Belly Solar“: Das Testobjekt der ersten Stunde steht direkt vor dem Hauptbahnhof (im Hintergrund ist das Atlantik zu sehen).
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„Big Belly Solar“: Das Testobjekt der ersten Stunde steht direkt vor dem Hauptbahnhof (im Hintergrund ist das Atlantik zu sehen).

Als erste Stadt in Schleswig-Holstein führt Kiel Solar-Mülleimer ein, doch die machen Flaschensammeln das Leben schwer. In Hamburg gab es Proteste – hier wurden eigens Regale gefertigt, die Pfandflaschen außen an der Tonne halten. Die solls auch für Kiel geben.

shz.de von
12. Juni 2014, 04:43 Uhr

Sie stinken nicht, ziehen kein Ungeziefer an, und doch sorgen die Solar-Behälter namens „Big Belly Solar“ für helle Aufregung in Kiel und Hamburg. Der Grund: Die Flaschensammler kommen nicht mehr an den Pfand. Denn die „schlauen Mülleimer“ sind ein geschlossenes, solarbetriebenes System. In ihrem Innersten steckt eine Müllpresse, die die 140 Liter Fassungsvermögen siebenfach verdichten kann und meldet, wenn der Behälter geleert werden muss.

Das neue System hat viele Vorteile, sagt Rolf Eichholz, Sprecher des Abfallwirtschaftsbetriebs Kiel (ABK). Ist der Müll einmal im Behälter, kommt keiner mehr ran. Wie bei einem Altkleidercontainer verhindert eine bewegliche Klappe den Eingriff. Eichholz: „Gerade in Innenstädten ist das praktisch, denn die Möwen oder Rabenkrähen können sich so nicht mehr ihre Leckereien raussuchen und alles rundherum verwüsten.“ Doch auch für die Menschen, die auf das Sammeln von Pfandflaschen angewiesen sind, ist der Zugang verhindert. Vor dieses Problem sah sich der Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel gestellt. „Klar hörten wir die Kritik und beobachten auch sehr genau, was in Hamburg passiert. Damit hätten wir vorher nicht gerechnet“, sagt Eichholz. In Hamburg richteten 700 Menschen eine Online-Petition zur Unterstützung von Flaschensammlern an Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Beim Straßenmagazin für Schleswig-Holstein „Hempels“, das in der Kieler Schaßstraße sitzt, habe es bisher keine Beschwerden von Obdachlosen über die Solar-Mülleimer gegeben, sagt Geschäftsführer Reinhard Böttner. Hamburg reagierte jetzt: Testweise hat der Hamburger Entsorgungsbetrieb inzwischen eigens entwickelte Pfandregale an zehn der 160 neuen Mülltonnen angebracht, um zumindest einigen Flaschensammlern entgegenzukommen. Seitlich an den Abfallbehältern befestigt, haben die Regale Platz für fünf Flaschen. Und genau das soll jetzt auch in Kiel geschehen, erklärte Eichholz gestern. „Die Entscheidung ist noch ganz frisch. Wir werden sie in der 25. oder 26. Kalenderwoche erhalten und anbringen.“ Zwar werden die neuen Pfandregale nicht an allen 15 Solar-Mülleimern in der Innenstadt zwischen Alter Markt und Hauptbahnhof angebracht, aber an einigen gut frequentierten. Eichholz ist allerdings skeptisch: „Wer sagt, dass mit dem Pfandregal auch wirklich die Menschen die Flaschen bekommen, die sie vorher aus dem Müll geholt hätten und es wirklich brauchen und sich keiner sein Taschengeld aufbessert?“ Den 15 Solar-Mülleimern stünden außerdem immer noch 2000 herkömmliche Behälter in Kiel gegenüber.

Wie für die Solarmülleimer auch soll es für die Pfandregale eine Testphase geben, in der geschaut wird, wie gut sie angenommen werden. Dass die schlauen Mülleimer eine gute Sache für die Umwelt sind, daran habe keiner Zweifel. 5000 Euro kostet einer, dennoch seien sie rentabel. „Früher sind die Männer zehn mal in der Woche, manchmal zweimal und mehr am Tag nachschauen gefahren, auch am Wochenende, das kostet dann richtig.“ Durch die elektrische Meldung zur Leerung spare der ABK viel Geld und Personaleinsatz, das an anderer Stelle eingesetzt werden könne und dem Gebührenzahler zu Gute kommt, sagt Eichholz.

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