Nach Razzia in Heikendorf bei Kiel : Petition gegen Staatsanwaltschaft: Panzer soll zum Sammler zurück

Ins Visier der Polizei war der Senior durch Ermittlungen um wieder aufgetauchte Nazi-Kunst geraten.
Ins Visier der Polizei war der Senior durch Ermittlungen um wieder aufgetauchte Nazi-Kunst geraten.

Eine Online-Petition fordert die Rückgabe des beschlagnahmten Militärgerätes an den Heikendorfer Waffennarren – und die Instandsetzung des zerstörten Privatweges.

shz.de von
07. Juli 2015, 14:07 Uhr

Heikendorf/Kiel | Der Einsatz im Villenviertel von Heikendorf sorgte bundesweit für Aufsehen: Zwei Tage brauchten Pioniere der Bundeswehr, um den Panzer vom Typ „Panther“ mit zwei Bergepanzern aus seiner Halle im Kellergeschoss zu holen. Per Tieflader ging es für den 40-Tonnen-Koloss zum Truppenübungsplatz Putlos in Ostholstein. Die Privatstraße vor der Villa wurde bei der Aktion beschädigt und der private, aus mehreren Ebenen bestehende Keller stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Meinungen gingen von Anfang an auseinander, ob die Aktion der Staatsanwaltschaft richtig und rechtens war und ob die Sammelleidenschaft Spleen oder Straftat ist.

Eine Online-Petition auf der Kampagnenplattform change.org, die sich gegen das Gebaren der Staatsanwaltschaft Kiel richtet, fordert nun, dass der Waffennarr seine stählernen Habseligkeiten zurückbekommt. Die Leidenschaft des Waffensammlers Klaus-Dieter F. (78) aus Heikendorf beinhalte keinen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, heißt es in der Erklärung, somit fordere man die sofortige Herausgabe der beschlagnahmten Gegenstände. Oberstaatsanwältin Birgit Heß lässt sich davon nicht beirren. Auf aktuelle Nachfrage von shz.de sagte sie, dass die Ermittlungen weiter andauern.

Nach Aussage des Rechtsanwaltes des 78-Jährigen seien alle Waffen demilitarisiert und damit nicht einsetzbar, lautet ein Argument in der Petition. Die Behörden wussten seit zehn Jahren über die Sammlung, schritten aber nicht ein. Nun auf einmal doch. „Seit Jahrzehnten (im Jahr 1978 ist der 78-jährige schon während der Schneekatastrophe mit dem Panzer durch Kitzeberg gefahren) war den Behörden schon bekannt, das sich im Besitz des Mannes ein Panzer befindet - und man wurde nicht ermittelnd tätig!“, heißt es wörtlich.

Die Staatsanwaltschaft müsse nicht nur die konfiszierten Dinge zurückgeben, sondern auch für den auf dem Privatweg entstandenen Schaden aufkommen, fordert die Petition aus der Feder des Wiesbadeners Markus Spaltner. „Hier hat sich niemand auf einen Waffeneinsatz oder dergleichen vorbereitet, sondern nur alte Waffen(systeme) gesammelt, um diese zu erhalten - so, wie es auch jedes Technikmuseum macht!“, heißt es darin.

Einer der über 800 Unterzeichner stuft das Verhalten als „reine Behördenwillkür“ ein, auf welcher rechtlichen Grundlage sei der Einsatz der Bundeswehr im Inneren erfolgt? Das Handeln der Staatsanwaltschaft sei nicht verhältnismäßig, schreibt ein weiterer. Im Allgemeinen überwiegt der Tenor, der Mann müsse das Recht behalten, eine private Sammlung über Militärgeschichte unterhalten dürfen, zumal die Waffen nach jetzigem Kenntnisstand nicht gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen.

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