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Kieler macht Druck : Petition für mehr legale Graffiti-Flächen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Kieler Szenekenner fordert mehr Plattformen für Sprayer. In der Stadt sind bis zu zehn legale Flächen angedacht. Seine Kritik: Die Verwaltung tut sich schwer.

In Singapur setzt es Prügel, wenn illegale Sprayer erwischt werden: Gestern machten zwei junge Deutsche Schlagzeilen, die von einem Gericht zu einer Strafe von drei Stock-Schlägen und Haftstrafen von neun Monaten verurteilt wurden. Sie hatten einen Waggon besprüht. Auch in Deutschland verfolgen die Behörden illegale Graffiti-Sprayer wegen Sachbeschädigung – natürlich nicht mit der Konsequenz solch drakonischer Strafen. In Kiel setzt sich der freiberufliche Fotograf André Seemund hingegen für mehr legale Flächen ein, um den Sprühdosen-Künstlern eine Plattform zu ermöglichen. Wenn nötig, mit öffentlichem Druck.

Auch Sprayer, die verbotenerweise Wände bemalten, würden gern mal tagsüber ganz legal kreativ werden, meint der Szenekenner. Verhindern könne man die illegalen Aktionen allerdings damit nicht, gibt er zu. Eine legale Holz-Fläche am Fuß der Gaardener Brücke hat die Stadt inzwischen auf Seemunds Initiative hin im vergangenen Herbst zur Verfügung und bis zu neun weitere in Aussicht gestellt. Damals hieß es: „Legale Graffiti sind viel mehr als nur Farbschmierereien: Sie sind Kunst im Alltag und können so manche triste Ecke in neuem Glanz erstrahlen lassen.“

Doch seitdem habe sich nichts getan, kritisiert Seemund. „Anfragen werden gar nicht oder nur sehr unzureichend beantwortet, es gibt keinerlei Zusagen oder Pläne der Stadt Kiel zum weiteren Vorgehen“, ärgert sich der 33-Jährige. Er hat eine Onlinepetition gestartet, um Druck zu machen. Mit erstem Erfolg: Nach wenigen Tagen haben mehr als 150 Unterstützer aus Kiel und Umgebung unterschrieben. Seemund will erreichen, dass Oberbürgermeister Ulf Kämpfer sich mit seinem Anliegen befassen muss. Ziel: 2500 Stimmen. Zwei Monate hat Seemund noch Zeit.

Für den Graffiti-Fan, der mit seiner Facebook-Seite (StreetArt Kiel) bereits mehr als 12  000 Freunde hat, ist klar, warum die Entscheider im Rathaus sich mit legalen Graffiti-Flächen schwer tun: Er verweist auf das Bündnis „Klarschiff-Kiel“, in dem die Landeshauptstadt Mitglied ist. Auch die Gemeinde Altenholz, die Polizeidirektion Kiel, die Hauseigentümer-Vereinigung Haus & Grund in Kiel und andere Einrichtungen beteiligen sich. „Klarschiff“ macht seit mehr als zehn Jahren mobil gegen Schmierereien an Hauswänden, Waggons oder Brücken. Dass die Stadt sich beteiligt, überrascht kaum – die Reinigung verunstalteter Flächen kostet sie demnach im Jahr zwei bis drei Millionen Euro.

Doch wer genau nachliest, der erkennt: „Klarschiff-Kiel“ spricht sich deutlich gegen legale Flächen aus. So heißt es im Internet : „Die Partner im Kieler Bündnis empfehlen (...) keine legalen Flächen für jugendliche und heranwachsende SprayerInnen zur Verfügung zu stellen! Wir setzen stattdessen auf Maßnahmen zur Beseitigung, Aufklärung und Sanktion, um zukünftig illegale Graffiti in Kiel einzudämmen.“ Die Bedenken: Neben bereitgestellten Wände würden oft auch nicht freigegebene Flächen besprüht. Man befürchtet zudem, dass Anfänger auf legalen Flächen üben, bevor sie dann illegal weitermachen.

Und was sagt die Stadt Kiel selbst zu Seemunds Vorstoß? Sie kündigte für heute eine Stellungnahme an.



>Internet: www.openpetition.de/petition/online/legale-wande-in-kiel-schaffung-von-

flachen-fur-graffiti. / www.klarschiff-kiel.de



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erstellt am 06.Mär.2015 | 05:41 Uhr

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