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Paul Dahlke lässt ihn nicht mehr los

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Kieler Autor Rüdiger Petersen hat neues Material über den Schauspieler erhalten und peilt eine zweite Auflage seiner Biographie an

shz.de von
erstellt am 28.Sep.2015 | 14:15 Uhr

Neue Herausforderung für den Lehrer, Hobby-Schauspieler und Autoren Rüdiger Petersen, der vor zwei Jahren eine Biographie über das Leben von Paul Dahlke verfasst hat. Nach einer Lesung in Österreich händigte ihm eine Zuhörerin einen dicken Ordner mit Fotografien und einen Wäschekorb aus, prall gefüllt mit Video-Bändern. Die zumeist von Ehefrau Elfe gemachten Aufnahmen zeigen Paul Dahlke bei Dreharbeiten, aber auch ganz privat bei einer Feier mit dem TV-Showmaster Vico Torriani oder beim Strandurlaub auf Sylt. Petersen will das Material sichten, er plant bereits eine erweiterte Neu-Auflage seines Buches.

Schätzungsweise 500 gedruckte Lebensläufe von Schauspielern finden sich in den dunklen Regalen in Petersens Arbeitszimmer an der Holtenauer Straße. Paul Hörbiger und Hans Söhnker, Heinz Rühmann und Lil Dagover, Hans Albers und Brigitte Mira, Sabine Sinjen und Heidemarie Hatheyer („Geierwally“) – Petersen kennt sie alle. An Paul Dahlke aber hat er sich förmlich festgebissen. Was daran liegen mag, dass er ihn als Achtjähriger in der TV-Serie „MS Franziska“ bewundert hat. Solch einen knorrigen granteligen Opa hatte sich Petersen – der seine eigenen Großväter nicht kannte – immer gewünscht. „Damals begannen die Träume“, erzählt der heutige 42-Jährige rückblickend.

Eigentlich schrieb Dahlke selbst an seiner Autobiographie. Doch der Tod des 80-Jährigen 1984 und ein langer Rechtsstreit um die Texte verhinderten die Herausgabe. Petersen aber konnte zwei Jahrzehnte später auf diese Erinnerungen – die Dahlke eher persönlich für seine zweite Frau Elfe verfasst hatte – zurückgreifen und zusammen mit eigenen Recherchen veröffentlichen. Herausgekommen ist 2013 das Buch „Paul Dahlke: Die Biographie – Donnerwetter, was fehlt denn da?“

Seit den 30er-Jahren war Paul Dahlke einer der gefeiertsten Schauspieler in deutschen Landen. Dabei war sein Weg auf die Bühne und vor die Kameras beschwerlich. Der Vater, Lehrer von Beruf, verlangte eine seriöse Ausbildung und schickte ihn zum Bergbau-Studium nach Clausthal-Zellerfeld. Zwei Jahre hält es Dahlke dort aus, dann schmeißt er hin: „Ich habe mich endgültig entschlossen, Schauspieler zu werden.“

Zu diesem Zeitpunkt war er körperlich bereits „versehrt“, wie man damals sagte. Beim Florett-Duell in seiner Burschenhaft hatte ihm der Kontrahent einen Teil des linken Ohres abgesäbelt. In Berlin kann der junge Paul Dahlke zunächst kaum überzeugen, aber immerhin beginnt er 1926 seine Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar. Gelegentlich trifft er sich mit Heinz Rühmann, zu diesem Zeitpunkt ein ähnlicher Hungerleider wie er selber. Dahlke erinnert sich später, dass beim Kollegen auf der Fensterbank ein großer Eimer steht. Weil seine Wirtin zehn Pfennig für das warme Wasser verlangt, lässt Rühmann lieber die Sonne ihr Werk verrichten . . .

In einer seiner ersten Rollen steht Paul Dahlke 1927 im „Trauerspiel Robert Guiskard“ auf der Bühne. Gemeinsam mit dem jungen Schweizer Sigfrit Steiner. Und wie es der Zufall so will: 56 Jahre später, bei den Drehs zur „Schwarzwaldklinik“, übernimmt eben dieser Steiner die Rolle, die der schwerkranke Dahlke nicht mehr beenden kann. Dahlke stirbt wenig später, er wurde 80 Jahre alt.

Bis in die 70er-Jahre war Paul Dahlke einer der bekanntesten Schauspieler. Ob nun in Carl Zuckmayers „Des Teufels General“, als Professor Higgins in George Bernard Shaws „Pygmalion“, in Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ oder „Drei Männer im Schnee“ – Dahlke war dabei. Starallüren hatte er nicht, das belegen Aussagen von Walter Giller über Ursula Herking und Lis Verhoeven bis zu Gustav Knuth.

Autor Petersen geht in seinem Buch auch auf die NS-Jahre ein. 50 Filme hat Dahlke in dieser Zeit gedreht, es existiert ein gemeinsames Foto mit Adolf Hitler bei der Winterhilfe. „Mehr gab’s nicht“, hat Petersen herausgefunden. Weder eine Sympathie mit noch eine Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. Dahlke sei nur mit seinem Leben und Arbeiten beschäftigt gewesen. Emigration sei schon deshalb nicht in Frage gekommen, weil sein Englisch sehr schlecht war. „In jedem anderen Land wäre er verloren gewesen“, so der Autor.

Dahlke bleibt in Deutschland – und startet in den folgenden Jahren durch. Kino- und TV-Zuschauer kennen ihn etwa aus „Frech und verliebt“ mit Johannes Heesters, aus „Vergiss die Liebe nicht“ mit Lis Verhoeven, aus „Drei Männer im Schnee“ mit Günther Lüders und Claus Biederstaedt oder aus der Komödie „Drillinge an Bord“ mit Heinz Erhardt und Trude Herr. Dahlke war Pastor Breithaupt in „Die Heiden von Kummerow“, und er war schließlich der verbiesterte Schiffskapitän Jakob Wilde auf der „MS Franziska“. Es war eine seiner letzten großen Rollen – und genau dort nahm die Geschichte mit dem Kieler Rüdiger Petersen ihren Anfang.  

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