Kieler-Woche-Bilanz : Party mit drei Millionen Gästen

Mächtiger Segler: Die russische Viermastbark „Sedov“ war mit knapp 118 Metern Länge das größte Schiff der Windjammerparade am Sonnabend.
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Mächtiger Segler: Die russische Viermastbark „Sedov“ war mit knapp 118 Metern Länge das größte Schiff der Windjammerparade am Sonnabend.

Die Kieler Woche klang gestern Abend mit dem Feuerwerk aus. Nach insgesamt zehn Tagen ziehen die Verantwortlichen eine überwiegend positive Bilanz. Und für die 125. Auflage im kommenden Jahr will die Stadt noch eine Schippe drauflegen.

shz.de von
24. Juni 2018, 18:13 Uhr

Entspannung pur gestern Nachmittag in den Gesichtern aller Verantwortlichen: Es hat auf der Kieler Woche (Stand 13.30 Uhr) kaum gravierende Zwischenfälle gegeben. Mit über drei Millionen Gästen zeigte sich die größte Volksparty im Norden in ihrer 124. Ausgabe wieder als ein zumeist friedliches und fröhliches Fest der Begegnung, des (internationalen) Kennenlernens, des Segelns und der Musik.

Natürlich blieben angesichts der Menschenmenge Einsätze der Ordnungshüter nicht aus. Kiels Polizeichef Thomas Bauchrowitz sprach von 73 Anzeigen vor allem nach Schlägereien, von 59 volltrunkenen Personen (von denen 18 ihren Rausch auf der Wache ausschlafen mussten) und von 104 „Platzverweisen“. Kräftig gefordert waren die Polizisten bei Prügeleien in den Wochenendnächten im Disco-Viertel an der Bergstraße. Selbst die zur Verstärkung aus Hamburg angereisten Kollegen zeigten sich überrascht von der hohen Aggressivität.

Für die „normale“ Kieler Woche an der Hörn und auf dem Rathausplatz, an der Kiellinie und auf der Krusenkoppel allerdings zog Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ein positives Fazit. Für ihn selbst hielt die KiWo zwei Premieren parat: Er beteiligte sich erstmals an einem Poetry-Slam, und er kletterte auf der „Roald Amundsen“ bis in die Mastspitze hoch.

Philipp Dornberger hatte als neuer Leiter des städtischen Kieler-Woche-Büros einige Veränderungen durchgesetzt. So sorgte er beispielsweise mit der Piraten-Welt auf dem Asmus-Bremer-Platz und der Craft-Bier & Foodtruck-Area am Germaniahafen für erkennbare Strukturen. Auch die Einrichtung kostenloser, bis tief in die Nacht bewachter Radstellplätze geht auf seine Anregung zurück.

Diese umzäunten Drahteselflächen waren zwar oft ausgebucht, bergen aber bereits den Kern der künftigen KiWo-Infrastruktur: Besucher könnten sich mit ihrem Auto einen Platz außerhalb des Zentrums suchen und dann auf E-Bikes ins Zentrum radeln. Laut Kämpfer könnte man für die Zukunft auch über einen verlässlichen Bus-Pendelverkehr nachdenken. Der würde jedenfalls würde den chronisch verstopften Straßen helfen. In diesem Jahr war die Lage in der Landeshauptstadt besonders angespannt, weil die Holstenbrücke zur Baustelle wurde und es damit auf den Straßen längs der Förde noch enger wurde.

„Wir müssen nicht weiter wachsen“, stellte Kämpfer vor diesem Hintergrund fest und erklärte: „Wir sind groß genug.“ Auch Dornberger geht es weniger um die Größe als um qualitative Verbesserungen. Schon jetzt hatte er sich mit den großen Video-Leinwänden bemüht, Bilder etwa von Regatten auf der Außenförde in die Innenstadt zu bringen. An der Akustik werde noch gefeilt.

Immerhin: Dankbar hat die Stadt registriert, dass so gut wie alle Kieler-Woche-Souvenirs ausverkauft sind. Die Nachfrage war so groß wie selten. Deshalb finden auch die 310 Banner vor den vielen Baustellen neue Verwendung. Sie werden zu wetterfesten Stoffen für Stühle und andere Sitzmöbel verarbeitet, die künftigen KiWo-Besuchern eine Verschnaufpause in der Innenstadt ermöglichen sollen. Und überhaupt die kommende 125. Ausgabe: „Da werden wir noch eine Schippe drauflegen“, kündigt der Oberbürgermeister an.

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