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39-Jährige vor Kieler Landgericht : Ortstermin im Prozess um tödliche Messerattacke

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein Ortstermin soll die Schuldfähigkeit einer 39-Jährigen klären. Die Angeklagte steht unter Verdacht, ihre Schwägerin mit 17 Messerstichen getötet zu haben.

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2016 | 13:15 Uhr

Kiel | Im Prozess um eine tödliche Messerattacke auf ihre Schwägerin nimmt das Kieler Schwurgericht am Donnerstagnachmittag den Wohnort der mutmaßlichen Täterin in Kiel in Augenschein. Ob die Strafkammer auch den nahegelegenen Tatort in Schönkirchen (Kreis Plön) aufsuchen wird, hielt sich der Vorsitzende Richter zunächst offen. Mit dem Ortstermin soll auf Antrag der Nebenklage überprüft werden, ob die Darstellung der Angeklagten zum Tatgeschehen stimmen kann.

Die 39-Jährige muss sich wegen Totschlags verantworten. Es steht aber auch eine Verurteilung wegen Mordes im Raum. Dies strebt die Nebenklage an. Laut Anklage tötete die 39-Jährige ihre Schwägerin im September 2015 vor deren Wohnhaus mit 17 Messerstichen. Die kleine Tochter des Opfers hatte die Tat mitangesehen und ihre Tante belastet.

Eigentlich waren die Plädoyers bereits am 2. Juni erwartet worden. Nach Ansicht eines Gutachters hängt die Schuldfähigkeit der Angeklagten jedoch vom angenommenen Tatverlauf ab. Folge man der Darstellung der Frau, das Opfer habe im Streit plötzlich ein Messer gezogen, wäre sie aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur nicht voll schuldfähig, sagte der psychiatrische Gutachter Ende Mai vor dem Kieler Landgericht. Folge man hingegen der Schilderung der zum Tatzeitpunkt neunjährigen Tochter des Opfers, dann sei die Steuerungsfähigkeit der 39-jährigen Angeklagten nicht vermindert gewesen - und sie wäre voll schuldfähig.

Das kleine Mädchen hatte die Bluttat am 9. September 2015 vor dem Wohnhaus des Opfers in Schönkirchen mitangesehen. Nach Darstellung des Kindes tauchte die Angeklagte spätabends vor dem Haus auf, stürzte sich auf seine Mutter und brachte diese zu Fall.

Sie habe gerufen: „Ich werde Dich töten! Ich hab Dir gesagt, ich bring Dich um.“ Das Opfer habe vergeblich gebeten, aufzuhören: „Meine Mama sagte, hör auf, ich hab ein Kind. Du müsstest das doch verstehen, Du hast doch auch ein Kind“, sagte die Kleine mit leiser Stimme. Sie habe versucht, die Tante von der Mutter wegzuziehen. „Doch die hat immer weitergemacht.“ Überall sei Blut gewesen. Während ein Video mit der Aussage des Mädchens abgespielt wurde, herrschte Stille im Gerichtssaal. Die Angeklagte blickte nicht auf.

Nach ihren Angaben hatte sie dem Opfer das Messer entreißen können und zugestochen; an mehr erinnere sie sich nicht. Ein mögliches Tatmotiv ist nach Aussage des Mädchens, dass die Tante empört war über ein neues Liebesverhältnis der Mutter, das diese nach dem Tod ihres Ehemannes mit dessen Bruder begonnen habe. Nach Auffassung des Gutachters blieb die Einstellung der Familie zu der neuen Beziehung im Prozess ungeklärt - „und damit auch, ob die Angeklagte sich möglicherweise im Handlungszwang befunden hat“.

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