Video aus Kiel : Orks, Aliens und Dämonen – zu Besuch in Kiels Gruselwerkstatt

Sie wirken täuschend echt: Seit etwa zehn Jahren fertigt der Kieler Künstler Julien Padubrins maßgeschneiderte Fantasy-Masken. Das Handwerk hat er sich selbst beigebracht.

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29. Januar 2018, 18:01 Uhr

Kiel | Aus den Boxen in seinem Rücken verströmt fröhlicher Reggae Urlaubsgefühle. Unter seinen Händen entfaltet sich dagegen das dunkle Grauen. Täuschend echt wirkt der Kopf eines Moria-Orks aus dem Herr-der-Ringe-Universum auf seiner Werkbank. Das Gesicht samt tiefer Falten ist kunstvoll bemalt, das schwarze Haar zum Zopf gebunden. Der Kieler Julien Padubrins stellt maßgeschneiderte Latex-Masken her. Seine Kunden kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den USA und Kanada. Es sind Live-Rollenspieler, die in ihrer Freizeit als Fantasywesen für das Gute oder dagegen kämpfen.

 

Padubrins fertigt Dämonen, Trolle, Elfen und natürlich immer wieder Orks. „Sie sind mein tägliches Brot“, sagt der 36-Jährige. Mehrere Dutzend Arbeitsstunden stecken in einer Maske. Rund 250 Masken, so schätzt er, sind es mittlerweile – Unikate auf Basis des Gipsabdrucks ihres Trägers. Kostenpunkt: Ab 600 Euro aufwärts. „Aktuell beträgt die Wartezeit zwei Monate.“

Modelliert hat Padubrins bereits als kleiner Junge. „Als Vierjähriger habe ich Totenköpfe gemacht, die standen vor kurzem noch im Garten meiner Mutter“, sagt er. Als Maskenbildner arbeitet der gelernte Tierpfleger aber erst seit rund zehn Jahren, zunächst nur für Freunde. Doch schnell sprach sich seine Arbeit in der Szene rum, reichten Live-Rollenspieler seine E-Mail-Adresse weiter. Dabei hatte er selbst mit Rollenspielen nicht viel am Hut. „Ich bin nicht so der Nerd. Das hat bei mir nie so eingeschlagen.“

Anfangs musste er sich deshalb teilweise erst erkundigen, was Kunden genau von ihm wollten. Auch wusste er nicht so recht, welche Preise er verlangen konnte. „Ich hatte keine Ahnung von Live-Rollenspielen“, sagt Padubrins. Beim „Live Action Role Playing“ (Larp) handelt es sich um Improvisationstheater, dass allerdings ohne Zuschauer stattfindet. Larp-Fans treffen sich oftmals in authentischen Umgebungen wie alten Burgen und tauchen dabei in eine Welt von Magiern, Rittern, Orks und anderen Fabelwesen ab. Das Spiel selbst dauert teils mehrere Tage und läuft nach bestimmten Regeln ab.

Gelegentlich nimmt der Maskenbilder auch selbst an solchen Treffen teil. Sein eigenes Ork-Kostüm steht in seinem Arbeitsraum. Beim ersten Tragen habe er einen Hitzeschock bekommen. „Das ist schon ordentlich warm unter der Maske“, sagte Padubrins. Zumal die Treffen meist in der warmen Jahreszeit stattfinden. „Aber ab einem gewissen Punkt ist das egal.“

Neben seiner Werkbank liegen im Regal Masken von Orks, die Fans von Tolkiens Mittelerde träumen lassen, aber auch andere seltsame Wesen, die entfernt an Figuren aus dem Star-Trek-Universum erinnern. Zu seinen ungewöhnlichsten Aufträgen zählte eine Maske des jungen Helmut Schmidt. Das Gesicht des ehemaligen Bundeskanzlers modellierte er für eine Ausstellung. Fetisch-Anfragen lehnt er ab. „Da habe ich die Grenze gezogen“, sagt Padubrins.

Früher lebte der Norddeutsche wegen Arbeitslosigkeit von staatlicher Unterstützung. Mittlerweile finanzieren seine detailreichen Fantasy-Wesen den Lebensunterhalt. „Ich habe mir das alles selbst beigebracht“, sagt der Padubrins. Teilweise mehrere Wochen ist er mit einer Maske beschäftigt, allein an seiner Werkbank. Auf Dauer möchte der Künstler Teil eines Teams sein. „Mein Traum ist es, irgendwann für Theater oder Film zu arbeiten.“

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