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Prozess in Kiel : Opfer von Hells-Angels-Schießerei: „Man wollte mich plattmachen“

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Er ist seit einer Rocker-Schießerei vor der Therme in Kaltenkirchen schwerbehindert: Vor Gericht schildert ein 40-Jähriger dramatische Szenen. Angeklagt ist ein früherer Hells Angel.

Kiel | Sechseinhalb Jahre nach den Schüssen vor der Therme in Kaltenkirchen im Kreis Segeberg hat das damalige Opfer vor dem Kieler Landgericht zum Prozessauftakt dramatische Szenen beschrieben. Er sei von der Freundin und heutigen Ehefrau des Angeklagten am 29. Januar 2009 abends auf dem Parkplatz der Therme in einen Hinterhalt gelockt worden, sagte der 40-Jährige am Mittwoch zum Prozessauftakt. Dort warteten demnach im Dunkeln schon zwei Angreifer, maskiert und bewaffnet mit Schlagstock und Pistole: „Ich vermute, man wollte mir erst was auf den Kopf hauen und mich dann plattmachen“, sagte der Zeuge.

Nach Schilderung des Opfers hatte die Freundin des Angeklagten ihr Auto im hintersten Winkel des Parkplatzes abgestellt. Einer von mindestens fünf Schüssen zertrümmete einen Oberschenkel des Opfers. Der Mann hatte die beiden Täter auf dem Parkplatz der Therme nur aus dem Augenwinkel gesehen und war sofort losgerannt. Sie hätten geschossen und seien ihm erst gefolgt, dann aber unerkannt geflohen. „Ich schrie laut um Hilfe, schleppte mich Richtung Straße und rief dann die Polizei“, schilderte das Opfer. Die Freundin des Angeklagten war sofort getürmt. Sie ist als Lockvogel rechtskräftig zu einer Jugendstrafe verurteilt. 

Der Angeklagte schwieg auf Anraten seines Verteigers. „Es gibt kein Indiz und keinen Beweis, dass der Angeklagte an der Tat beteiligt war. Ein solcher Beweis wird sich auch nicht ergeben“, sagte der Anwalt. Die Anklage hält den 42-Jährigen dagegen für den Drahtzieher eines Rachaktes. Der Angeklagte war damals Mitglied der inzwischen verbotenen Kieler Hells Angels. Zwischen ihm und dem Opfer gab es laut Anklage immer wieder Gewalttätigkeiten.

Der 40-Jährige ist Nebenkläger. Seit dem Verbrechen musste er bisher zehn Operationen und monatelange Krankenhausaufenthalte über sich ergehen lassen. Noch immer drohe ihm die Amputation des Beines, sagte er. Der Mann kann sich nur gestützt auf eine Krücke bewegen und ist schwerbehindert. Nach seiner Darstellung machte ihm die damals 19-Jährige Freundin des Angeklagten über das Internet eindeutige Avancen. Sie habe ihm pikante Fotos und ein Nackt-Video geschickt, sagte der Zeuge. Die Idee zum Saunabesuch in der Therme kam demnach von ihr.

Nach Auffassung des Staatsanwaltes lockte der Angeklagte als Drahtzieher - allein oder gemeinsam mit anderen unbekannten Mittätern - das Opfer in die Falle. Im Verlauf der Gewaltakte zwischen ihm und dem Opfer wurde der Angeklagte zweimal mit dem Messer lebensbedrohlich niedergestochen - 2007 in einer Kieler Diskothek und 2008 bei einer Schlägerei zwischen Hells Angels und verfeindeten späteren Bandidos vor dem Kieler Amtsgericht.

Die Anklage lautet auf schwere Körperverletzung. Bei einem Schuldspruch drohen dem 42-Jährigen bis zu zehn Jahre Haft. Das Gericht deutete bereits an, dass auch eine Verurteilung nur wegen Beihilfe in Frage komme. Der Mann hat seinen Wohnsitz inzwischen in Thailand, wie er vor Gericht sagte. Der Prozess soll am Freitag fortgesetzt werden. Bis zum 25. November hat das Gericht neun Verhandlungstage geplant.

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erstellt am 23.Sep.2015 | 17:30 Uhr

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