Städtische Museen : Onkel Dagobert erbittet Spenden

Mit Comic-Figuren an Bord ihres „Spendenseglers“ möchte Katarina Kierzek die Gäste einladen, einen Obolus zu entrichten.  Fotos: Carstens
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Mit Comic-Figuren an Bord ihres „Spendenseglers“ möchte Katarina Kierzek die Gäste einladen, einen Obolus zu entrichten. Fotos: Carstens

Mit kreativen Methoden wollen die städtischen Museen das finanzielle Loch stopfen, das nach Wegfall der Eintrittspreise entstanden ist. Denn bislang hinterließen die Gäste nur zehn Prozent der kalkulierten 70 000 bisn 80 000 Euro.

shz.de von
12. Juni 2018, 18:48 Uhr

Künstlerischer Einfallsreichtum soll die drei städtischen Museen aus einem klassischen Dilemma befreien. Im Herbst 2017 nämlich waren die Eintrittsgelder komplett aufgehoben worden. Seitdem sind zwar die Besucherzahlen in die Höhe geschnellt, die Einnahmen aber gleichzeitig rapide gesunken. Auffällige und höchst eigenwillige Spendenboxen sollen die Gäste jetzt zum Nachdenken bringen, mit einem freiwilligen Obolus die Ausstellungen zu unterstützen.

In der Stadtgalerie etwa hat Direktor Peter Kruska eine Box von Jakob Braune an die Wand schrauben lassen. „Hungry now“ steht in Leuchtbuchstaben darüber – was so viel heißen soll wie „Immer noch hungrig“. Wer Taler (oder Scheine) in den mit Farnen gefüllten Dschungel-Apparat schiebt, wird mit Affengekreische und dem Gebrüll des Leoparden belohnt. „Das Raubtier wird mit der Spende besänftigt“, erklärt der Künstler sein Konzept.

Für das Schifffahrtsmuseum hat die Leiterin Doris Tillmann sich für den „Spendensegler“ von Katarina Kierzek entschieden. An Deck des weiß-blauen Einmasters befinden sich die Köpfe Dutzender von Comic-Helden vergangener und aktueller Jahre. Der Steinzeit-Mann Fred Feuerstein fehlt ebenso wenig wie die unerschrockenen Gallier Asteric und Obelix, Charlie Brown und seine „Peanuts“-Clique oder Ernie und Bert aus der „Lindenstraße“. Selbst Onkel Dagobert grinst bittend die Besucher an – obwohl der Trilliardär von Disney vermutlich eigenhändig alle Museen der Landeshauptstadt bis in alle Ewigkeit unterstützen könnte.

Doch Doris Tillmann und Peter Kruska geht es um eine vergleichsweise bescheidene Größenordnung. 70 000 bis 80 000 Euro waren im städtischen Haushaltsjahr als Besuchereinnahmen vorgesehen. Doch was die Gäste nach Abschaffung der Eintrittspreise – 4 Euro pro Nase – bislang in den schlichten unauffälligen Spendentöpfen hinterlassen haben, macht nicht einmal ein Zehntel aus. Das soll sich ändern. Die Dschungel-Box in der Stadtgalerie und der Segler im Schifffahrtsmuseum – sowie im August ein dritter Apparat im Warleberger Hof – sollen als künstlerische „Hingucker“ auch gute „Hinnehmer“ sein. Laufkundschaft gibt es genug: Die Zahl der Besucher hat sich dank des freien Eintritts von 6000 auf 12 0000 verdoppelt.

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