Special Olympics in Kiel : Olympisches Dorf auf der Reventlouwiese wirklich barrierefrei?

An einigen wenigen Ständen entlang der Kiellinie gibt es keine Rampen für Rollstuhlfahrer. Hier fehlt sie nicht.
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An einigen wenigen Ständen entlang der Kiellinie gibt es keine Rampen für Rollstuhlfahrer. Hier fehlt sie nicht.

Der Ort der Begegnung für alle bei den Special Olympics ist mit viel Engagement hergerichtet worden – und fast perfekt.

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16. Mai 2018, 17:34 Uhr

Kiel | Am Dienstag wurde die Olympic Town (dt. das olympische Dorf) feierlich eröffnet und der Andrang auf der Reventlouwiese war riesig. Es soll ein Ort der Begegnung für alle Menschen bei den Special Olympics in Kiel werden. Egal ob Teilnehmende oder Besuchende, jeder ist herzlich eingeladen. Ein vielseitiges Programm ermöglicht auch neben den Wettbewerben ein fröhliches Zusammentreffen. Offene Sportangebote wie Yoga oder Akrobatik, aber auch künstlerische Darbietungen wie Musik stehen auf der Agenda.

 

Doch ist der Ort, der die Menschen zu Spiel und Spaß einlädt, auch barrierefrei? Bei einer Veranstaltung für geistig und mehrfach beeinträchtigte Menschen ein sehr wichtiges Thema. Während der ersten Besichtigung des Dorfes entsteht der Eindruck: Die Verantwortlichen haben einen guten Job gemacht. Die Wege sind ebenerdig, es gibt barrierefreie Toiletten und Duschen. Es scheint, als gäbe es keine Probleme.

Das Thema Barrierefreiheit wurde gut umgesetzt. Kritik von Besuchern nehmen sich die Organisatoren zu Herzen.
Foto: Lisa Reschka
Das Thema Barrierefreiheit wurde gut umgesetzt. Kritik von Besuchern nehmen sich die Organisatoren zu Herzen.
 

Auch die Offenheit der Kieler gegenüber den Special Olympics und der Umsetzung von Barrierefreiheit sei beispiellos positiv, sagt Wiebke Linnemann, Leiterin Veranstaltungsmanagement von Special Olympics Deutschland. Von Anfang an zeigten auch die Verantwortlichen der Stadt Kiel, wie Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, großes Engagement, die Spiele erfolgreich mitzugestalten.

Doch „Barrierefreiheit ist ein Prozess“, macht Linnemann ebenfalls deutlich. Bei einer Veranstaltung, an der Menschen mit geistiger, aber auch mehrfacher Beeinträchtigung wie einer Sehbehinderung teilnehmen, kommt es auf die Kleinigkeiten an – so auch auf der Reventlouwiese. Auf dem Rasen verteilt liegen allerlei „Stolpersteine“ wie Spielzeuge – „Ein Mensch mit Sehbehinderung bekommt hier Probleme“, sagt Bärbel Brüning von der Lebenshilfe Schleswig-Holstein. Für diese Stolpersteine gelte es, die Menschen zu sensibilisieren.

Bei Regen könnte die Wiese zum Problem für einige Besucher und Athleten werden.
Foto: Lisa Reschka
Bei Regen könnte die Wiese zum Problem für einige Besucher und Athleten werden.
 

Auch die Wiese selbst hätte bei Regen zu einem Stolperstein werden können. Doch es fehlt schlichtweg an finanziellen Mitteln, um diese mit Brettern auszulegen. Ein weiteres Problem zeigt sich bei den barrierefreien Toiletten. „Die sind zwar vorhanden, aber ich habe sie nicht gefunden, weil sie nicht ausgeschildert waren“, bemerkt Patrick aus Trier.

Marco aus Kiel findet, dass vieles zwar gut funktioniere, ihm fehlen jedoch an einigen wenigen Ständen entlang der Kiellinie Rampen für Rollstuhlfahrer. All diese kleinen Probleme gibt es nicht nur in Olympic Town an der Kiellinie. Auch an den Wettbewerbsstätten wie auf den Rasenflächen des Nordmarksportfelds wird deutlich: Der Weg, um Großveranstaltungen wie die Special Olympics barrierefrei zu gestalten, ist noch lange nicht am Ende angelangt.

Wiebke Linnemann und ihr Team arbeiten mit Hochdruck und beispiellosem Engagement daran, aus all diesen Kleinigkeiten positive Anreize mitzunehmen. So sei das Thema Barrierefreiheit und Inklusion auch eine Chance, das Bewusstsein der Gesellschaft zu fördern. Viele Lösungen, die Menschen mit Beeinträchtigung heute schon angeboten werden, wie zum Beispiel leichte Sprache oder Bilder als Erklärungshilfe, würden auch Menschen mit Migrationshintergrund das Leben erleichtern. „Es wäre schön, wenn Inklusion irgendwann zu Integration werden könnte und wir das Wort Inklusion in Zukunft nicht mehr brauchen“, wünscht sich Wiebke Linnemann.

Um ihr und auch allen Beteiligten diesen Wunsch zu erfüllen heißt es, wie schon im Motto der Special Olympics in Kiel, „Gemeinsam stark!“ – nur wenn alle gemeinsam anpacken, kann Inklusion und Barrierefreiheit nachhaltig angepackt werden.

Öffnungszeiten

  • Mittwoch, 16. Mai, 11-20 Uhr
  • Donnerstag, 17. Mai, 10-22 Uhr
  • Freitag, 18. Mai, 10-21 Uhr

Zur Programmübersicht geht es hier.

Anfahrt

  • Mit dem Bus oder der Fähre bis zur Haltestelle Reventloubrücke.
  • Mit dem Auto auf dem Düsternbrooker Weg Höhe Landtag oder bis zum Holsteinstadion/Koesterallee und dann per Shuttle zur Reventloubrücke.

Die Autoren dieses Textes sind Studenten der Christian-Albrechts-Universität und berichten für uns von den Special Olympics.

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