Kontrollwoche in SH : Offener Gurt, Handy in der Hand: So genau schaut die Kieler Polizei derzeit hin

<p>Halt – Polizei: Am Mittwoch gab es gleich an drei Standorten in Kiel verstärkte Verkehrskontrollen. Auch Jennifer und Timo Witt mussten rechts ranfahren. </p>

Halt – Polizei: Am Mittwoch gab es gleich an drei Standorten in Kiel verstärkte Verkehrskontrollen. Auch Jennifer und Timo Witt mussten rechts ranfahren.

Es laufen verstärkte Kontrollen – auch in der Kaistraße in Kiel wurde es am Mittwoch für viele Verkehrsteilnehmer ernst.

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14. März 2018, 17:14 Uhr

Kiel | „30 Euro? Da krieg' ich ja ein gutes Steak für.“ 30 Euro Strafe – die kommen jetzt auf Peter Plönske zu, weil er nicht angeschnallt war. Er sei gerade vom Arzt gekommen, dann habe noch der Kardiologe angerufen. „Ich gebe zu, mein Kopf war woanders.“

Verstöße gegen die Gurtpflicht und Verstöße gegen die Nutzung von elektronischen Geräten stehen im Fokus der Landespolizei im Rahmen der EU-weiten TISPOPL-Kontrollwoche „Seatbelt“. Noch bis zum 18. März wird die Polizei auch in Schleswig-Holstein verstärkt kontrollieren. Am Mittwoch gab es im Bereich Kiel/Plön gleich drei fixe Kontrollstellen. Eine davon an der Kaistraße auf Höhe des Ausweich-ZOBs.

„Viele Menschen haben bei ihrer Arbeit extremen Zeitdruck, der Griff zum Handy passiert da fast schon automatisch. Es ist deshalb wichtig, dass wir das Thema voranbringen, aufklären und auch in ein vernünftiges Gespräch mit den Verkehrsteilnehmern kommen“, betont Jessica Schäller vom Bezirksrevier. Die 48-Jährige ist seit 30 Jahren bei der Polizei. „Meistens sind die Menschen dann auch einsichtig.“

„Ein Sekundenbruchteil reicht“

Aktuelle Zahlen zeigen, wie brisant das Thema Smartphone-Nutzung hinter dem Steuer ist. Nach Angaben der Landespolizei zeigten internationale Studien, dass jeder siebte bis zehnte Verkehrsunfall auf diese Art von Ablenkung zurückzuführen ist. Auch in Schleswig-Holstein habe man bereits 2016 einen Anstieg von 24,4 Prozent bei den Handyverstößen festgestellt. Dieser Trend habe sich 2017 fortgesetzt.

„Fahrzeugführer telefonieren oder tippten Nachrichten beim Fahren. Der Fokus ist nicht mehr auf das Verkehrsgeschehen gerichtet und da reicht manchmal auch ein Sekundebruchteil. Das Fatale ist, man kann das nie mehr rückgängig machen“, warnt Schäller. Auch Lkw-Fahrer, die während der Fahrt Filme schauen, seien ihr schon untergekommen. 

<p>Jessica Schäller vom Bezirksrevier aus Kiel. </p>
Dana Ruhnke

Jessica Schäller vom Bezirksrevier aus Kiel.

Zehn Polizisten sind bei der Verkehrskontrolle am Mittwoch am provisorischen Busbahnhof in der Kaistraße insgesamt im Einsatz. An vorderster Front Björn Hillmann, der in zivil und aus einer erhöhten Position heraus die Verkehrsteilnehmer im Blick behält. „So kann ich komplett in ein Fahrzeug hineinschauen und auch sehen, ob etwa eine Nachricht auf dem Handy getippt wird.“ Nur wenn er sich hundertprozentig sicher sei, gebe er die Info an seinen Kollegen per Funk weiter.

200 Meter weiter wird es dann ernst für die Fahrer. Der Ort für die Kontrolle ist perfekt gewählt. Aufgrund einer Baustelle wird die Straße an dieser Stelle ohnehin einspurig, das Tempo ist reduziert. Und so wird ein Sünder nach dem nächsten herausgewunken und auf den Busparkplatz geleitet. Es seien weniger als üblich, sagt einer der Beamten. „Viele wissen wohl, dass wir verstärkt kontrollieren.“

Bußgelder:

Bußgelder und Punkte für die Handynutzung am Steuer
Beschreibung Bußgeld Punkte Fahrverbot
Handy am Steuer genutzt 100 Euro 1 -
mit Gefährdung 150 Euro 2 1 Monat
mit Sachbeschädigung 200 Euro 2 1 Monat
Handy auf dem Fahrrad genutzt 55 Euro - -
Verwarn- und Bußgelder für Gurtverstöße
Beschreibung Verwarngeld Bußgeld Punkte
Gurt nicht angelegt 30 Euro - -
Kind nicht vorschriftsmäßig gesichert 30 Euro - -
- bei mehreren Kindern 35 Euro - -
Kind ohne jede Sicherung transportiert - 60 Euro 1
- bei mehreren Kindern - 70 Euro 1
Schutzhelm nicht getragen 15 Euro - -
Ein Kind ohne Schutzhelm auf Kraftrad - 60 Euro 1
- bei mehreren Kindern - 70 Euro 1

Jennifer und Timo Witt gehören nicht zu ihnen. Sie hat es am Mittwoch erwischt. Auch Timo soll nicht angeschnallt gewesen sein. Das die Polizei kontrolliert finden die beiden Kieler am wichtig und richtig. „Wir haben gerade wieder Leute gesehen, mit dem Handy am Ohr. Das ist einfach gefährlich.“

Auch wenn es einen leichten Rückgang bei den Verstößen gegen die Gurtpflicht gegeben habe, will die Landespolizei auch in diesem Jahr wieder ein besonderes Augenmerk auf dieses Thema legen – nicht nur während der Kontrollwoche: Die Schwere von Unfallfolgen hänge oftmals davon ab, ob ein Sicherheitsgurt angelegt war oder nicht.

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