Malizia Ocean Challenge : „Nur schnell segeln ist zu wenig“

Boris Herrmann segelt mit der Malizia (hier auf der Kieler Förde) für den „Yacht Club de Monaco“ – bei Zwei-Mann-Regatten mit Co-Skipper Pierre Casiraghi, Sohn von Caroline von Monaco.
1 von 6
Boris Herrmann segelt mit der Malizia (hier auf der Kieler Förde) für den „Yacht Club de Monaco“ – bei Zwei-Mann-Regatten mit Co-Skipper Pierre Casiraghi, Sohn von Caroline von Monaco.

Mit der Malizia Ocean Challenge hat Boris Herrmann 2020 einiges vor: Allein die Welt umrunden und Daten für den Meeresschutz sammeln.

shz.de von
04. August 2018, 06:00 Uhr

Hochseesegler Boris Herrmann hat zwei klare Ziele für das Jahr 2020. Der Oldenburger will an der Regatta Vendée Globe teilnehmen – eine der härtesten Ein-Mann-Regatten, die ihn einmal um den Globus führt. Und während der etwa dreimonatigen Solo-Fahrt mit seiner 18-Meter-Yacht „Malizia Yacht Club de Monaco“ wird Herrmann der Klimaforschung ganz nebenbei wertvolle Daten aus dem Südpolarmeer senden. Und warum? „Nur schnell segeln ist zu wenig“, sagt Herrmann. Der speziell für diesen Zweck konzipierte Sensor – der Ocean Pack Race – wird dieser Tage in Kiel am Boden der Malizia installiert.

Präsentierten das Ocean Pack Race: Jana Fahning und Konstantin Keller von SubCTech aus Kiel.
Präsentierten das Ocean Pack Race: Jana Fahning und Konstantin Keller von SubCTech aus Kiel.
 

Die Idee zur ,Malizia Ocean Challenge’ war bei einem zufälligen Treffen mit Peter Landschützer vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg entstanden. „Wir haben darüber gesprochen: Welche Daten sind sinnvoll? Und wie misst man sie am besten“, erinnert sich Boris Herrmann. Die Idee: Die Regatta Vendée Globe, deren Route durch das Südpolarmeer führt. „Die Weltmeere sind nicht komplett erforscht“, sagt Peter Landschützer, „da nützen uns Daten von den entlegensten Routen sehr.“

Für die Segelrennyacht ist es der erste Besuch in Deutschland, für Boris Herrmann war der Weg in die Kieler Förde gewissermaßen ein Heimspiel. „Ich habe 1999, 2007 und 2013 in Kiel gewohnt, habe meinen Zivildienst hier abgeleistet – Kiel ist ein Stück Heimat.“ Zudem ist Boris Herrmann nach wie vor Mitglied des Kieler Yacht Clubs. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hieß den Segelprofi und seine Crew in der Landeshauptstadt willkommen. „So ein besonderes Vorhaben passt zu Kiel Sailing City“, so der OB. Nach einem aktuellen Ratsbeschluss wolle sich auch Kiel künftig als Meeresschutz-Stadt profilieren.

<p>Boris Herrmann und Birte Lorenzen.</p>

Boris Herrmann und Birte Lorenzen.

 

Immerhin liefert das Kieler Unternehmen Subsea Technologies (SubCTech) aus Wellsee schon mal die Technik. Jana Fahning, Entwicklerin bei SubCTech, hat das sensible, regatta-taugliche Messgerät Ocean Pack Race konzipiert. Die Spezialkonstruktion misst den Kohlendioxidgehalt, Salzanteil und die Temperatur des Wassers. Ganz neu ist das Konzept nicht, erklärt sie: „Beim Volvo-Ocean-Race hatten wir ähnliche Messgeräte an zwei Yachten installiert. Die haben auch den Anteil von Mikroplastik gemessen.“ Im Falle der Malizia habe man auf diese Daten verzichtet: „Das wäre platzmäßig schwierig gewesen und es hätte an Bord eingepflegt werden müssen.“

Das jetzige System ist wesentlich kleiner, robuster und mit 27 Kilogramm auch viel leichter als sein Vorgänger. „Und es läuft voll automatisch und kalibriert sich selbst“, so Jana Fahning. „Und“, fügt Produktmanager Konstantin Keller an, „ es ist das kleinste weltweit existierende System dieser Art“. Wenn das Gerät an der Malizia installiert ist, muss es nur noch eingeschaltet werden, dann arbeitet es autark und sendet die Daten im 20-Minuten-Takt. Peter Landschützer ist überzeugt vom Wert der künftigen Messungen für die Klimaforschung: „Das sind hochwertige Daten, die wir aufbereiten und analysieren und die dann einem Wissenschaftsnetzwerk weltweit zur Verfügung gestellt werden.“

 

Nachhaltig ist auch das pädagogische Konzept der Malizia Ocean Challenge. „Das Thema CO2-Ausstoß wird Schülern in mehreren Ländern nahe gebracht“, erklärt Birte Lorenzen. Die Hamburger Lehrerin gehört zum Team der Malizia Ocean Challenge und hat schon Schulklassen in Deutschland, Frankreich, Monaco und Bermuda von der Faszination der Ozeane inspiriert. „Wir lassen die junge Generation an Boris’ spannenden Segelabenteuern teilhaben und sensibilisieren sie für Ozeanthemen und den Klimawandel“, so Lorenzen. So würden schon Schüler zu Botschaftern für den Meeresschutz.

Neben dem Max-Planck-Institut mit Peter Landschützer ist auch das Geomar Helmholtz Zentrum für Meeresforschung in Kiel mit Toste Tanhua mit von der Partie. Boris Herrmanns Teampartner BMW unterstützt das Projekt Malizia Ocean Challenge technologisch und finanziell. Im November 2020 startet die Vendée Globe – 24 000 Seemeilen ohne einzigen Stopp und nur ein Mann pro Boot. „Das ist schon etwas Besonderes, ein Höhepunkt im Leben“, sagt Boris Herrmann, für den sich die verbleibenden 820 Tage gar nicht mehr so lang anfühlen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen