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Nord-Union: Schulterschluss für Ingbert Liebing

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Spitzenkandidat in spe der Landes-CDU wettert gegen die Küstenkoalition – und gegen CSU-Chef Seehofer

Manchmal sagt ein Bild mehr als 1000 Worte. Und das soll es auch an diesen Sonnabend in Neumünster. Soeben hat der CDU-Vorsitzende Ingbert Liebing seine Rede beendet. Da tritt – für manchen überraschend – Landtagsfraktionschef Daniel Günther ans Pult. „Wirklich hervorragend“ habe sich Liebing präsentiert, rühmt Günther den Vorsitzenden. Zuversicht habe Liebing verbreitet, schonungslos Schwächen der Küstenkoalition und der Regierung von Ministerpräsident Torsten Albig offengelegt. Und dann eben dieses Bild: Wie bestellt wirkt es – so, als wenn damit alle in der Partei schwelenden Zweifel an der politischen Durchschlagskraft des Vorsitzenden ausgeräumt werden sollen. Vieles in Liebings Rede wirkte wie gestanzt, dem Chef fehlten das Emotionale und Authentische, und die Fähigkeit, den eigenen Verein zu begeistern.

Seite an Seite stehen sie nun da, die beiden CDU-Granden. Liebing, der Mann, der Albig bei der Landtagswahl 2017 das Amt streitig machen soll, und Günther, der sich mit seinen 42 Jahren als Oppositionsführer längst profiliert hat und den nicht wenige in der Partei für den Überzeugenderen in dem Duo halten.

Die Botschaft des Bildes ist ebenso klar wie beabsichtigt. Auch dem Letzten Zweifler soll klar gemacht werden: Die Frage der Spitzenkandidatur ist entschieden, selbst wenn Liebings formelle „Krönung“ dafür erst im Juni 2016 stattfindet. Der demonstrative Schulterschluss für die Kameras im Saal als Schlusspunkt aller Personalspekulationen.

Die hatte Liebing auch mit seinem 45-Minuten-Auftritt auf dem Parteitag zunächst nicht wirklich ausräumen können. „Mit Sicherheit Schleswig-Holstein“ hat er als Motto seiner Rede gewählt. Zur Flüchtlingspolitik spricht er, über die „unglaublich schlechte Arbeit“ der Landesregierung in dieser Frage, über die „marode Politik“ der Küstenkoalition, der die Union eine „Politik für das moderne Schleswig-Holstein“ entgegenstellen wolle.

„Wir wollen wieder Verantwortung für das Land übernehmen“, gibt sich Liebing kämpferisch, um im selben Atemzug seinen Führungsanspruch zu untermauern: „Ich will Verantwortung für unser Land übernehmen.“

Verhalten nehmen die Delegierten die Rede auf. Dürr kommt der Zwischenapplaus daher. Den größten Beifall erhält Liebing, als CSU-Chef Horst Seehofer wegen dessen „respektlosen“ Umgang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Parteitag der Christsozialen am Freitag rüffelt. Minutenlang hatte der Bayer die Kanzlerin da in der Flüchtlingsfrage wie ein Schulmädchen belehrt. „So geht man in der Union nicht miteinander um“, ruft Liebing aus. Im Redemanuskript, das er wortgetreu vorträgt, hatte er den ziemlich einmaligen Vorgang zunächst gar nicht berücksichtigt.

Zwei Minuten lang applaudiert der Parteitag ihm nach dem Auftritt in Neumünster. Stehend tun die Delegierten das. So als wollten sie damit alle Restzweifel einfach wegklatschen.

Auch Günther hat die Parteitagsregie einen Platz in der Tagesordnung eingeräumt. „Herausforderungen anpacken. Handeln statt reden“ ist seine Rede überschrieben. Mal mit Witz, mal mit Ironie, mal mit rhetorischer Härte und frei redend kommt Günther daher. Sogar für den Befund, die CDU habe „keine Chance, die Landtagswahl zu gewinnen, wenn wir uns nicht auch um die Städte kümmern“, gibt es Beifall von den Delegierten einer Partei, die ihre Hochburg noch immer auf dem platten Land sieht und pflegt.

Liebing gibt sich nach alledem zufrieden. Die CDU habe die Chance auf den Wechsel 2017, sagt er am Rande des Parteitags. Liebing sei „der richtige Mann am richtigen Platz“, sagt einer seiner Vorgänger, Ex-Wirtschaftsminister, Ex-Parteichef, und Ex-Spitzenkandidat Jost de Jager.

Zurückhaltender geben sich andere. „Manchmal muss man über den Kampf zum Spiel finden“, meint der Bundestagsabgeordnete und frühere Landeschef Johann Wadephul. Dies habe Liebing hinbekommen. Ähnlich klingt das bei CDU-Schatzmeister Hans Jörn Arp. „Er hat es geschafft, die Erwartungen zu erfüllen.“ Wie genau das gemeint ist, lässt Arp im Dunklen.

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erstellt am 23.Nov.2015 | 00:32 Uhr

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