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Noch mehr rostige Atomfässer in Brunsbüttel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kameras zeigen „breiige Masse“ mit radioaktiver Substanz in unterirdischen Lagerräumen

von
erstellt am 20.Aug.2014 | 13:33 Uhr

Bei der Untersuchung der unterirdischen Lagerräume auf dem Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks Brunsbüttel haben Experten zehn weitere beschädigte Atommüllfässer entdeckt. Die Behälter für schwach- und mittelradioaktiven Abfall sind teilweise so stark angerostet, dass Flüssigkeit ausgetreten ist. Auf einer Folie auf dem Kavernenboden sei eine breiige Masse mit der radioaktiven Substanz Cäsium 137 festgestellt worden. Gesundheitsgefahren für Mitarbeiter des Kraftwerks und für die Bevölkerung bestünden nicht, versicherten die Kieler Atomaufsicht und der Betreiber Vattenfall gestern. Die insgesamt sechs Kavernen seien durch meterdicke Betonriegel abgeschirmt.

Energieminister Robert Habeck (Grüne) forderte Vattenfall auf, zügig ein neues geeignetes Bergungskonzept vorzulegen, damit sich der Zustand der Fässer nicht weiter verschlechtert. Frühere Pläne, die eingelagerten Behälter in gusseiserne Container mit 16 Zentimeter dicken Stahlwänden umzufüllen, reichten nicht mehr aus, weil sich einige Fässer wegen verrosteter Deckel nicht mehr anheben ließen. „Die Fässer müssen schnellst möglich geborgen werden, damit sich ihr Zustand nicht noch weiter verschlechtert“, sagte Habeck. Mit der Bergung der Behälter soll 2015 begonnen werden.

Ein erstes angerostetes Fass war Anfang 2012 entdeckt worden. Die Kieler Atomaufsicht ordnete daraufhin die Untersuchung aller sechs Kellerräume an. In Kaverne IV waren zwischenzeitlich Beschädigungen an 18 von 70 eingelagerten Fässern festgestellt worden.

Die jetzt entdeckten Behälter liegen in der Kaverne II. Dort lagern teilweise seit den 80er-Jahren insgesamt 118 Fässer, 40 davon sind bisher untersucht worden. Eine systematische Kontrolle habe es bis zum Jahresbeginn nicht gegeben, sagte Habeck. Das Konzept habe offenbar darin bestanden, auf die Inbetriebnahme des Endlagers Konrad zu warten.

Das Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle bei Salzgitter (Niedersachsen) sollte ursprünglich Ende der 90er Jahre fertiggestellt sein. Es kam aber immer wieder zu Verzögerungen. Das Bundesumweltministerium rechnet jetzt mit einer Inbetriebnahme zwischen 2021 und 2025.

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