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Jugendberufsagentur : „Niemand schafft es alleine“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ihre Beratung und ihre Hilfe-Angebote bündeln wollen Schulen und Arbeitsagentur, Stadt und Jobcenter. Mit der Gründung der Jugendberufsagentur setzen sie auf gemeinsame Hilfe für den Nachwuchs. Damit niemand zurückbleibt.

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2017 | 18:59 Uhr

Nach jahrelanger Vorbereitung wurde gestern in der Landeshauptstadt die „Jugendberufsagentur“ gegründet. Die neue Einrichtung soll alle bisherigen Initiativen, Projekte, Hilfen bündeln und insbesondere in schwierigen Fällen den Jugendlichen mit breiter Unterstützung den Weg in die Ausbildung und in den Beruf erleichtern. Erklärtes Ziel aller Beteiligten in einer Zeit des Fachkräftemangels: „Niemand bleibt zurück. Wir brauchen jeden Jugendlichen.“

Deutliche Worte fielen gestern bei der Unterzeichnung der Gründungserklärung. „Niemand von uns schafft es alleine“, sagte etwa Karsten Böhmke, Geschäftsführer des Jobcenters. Und Petra Eylander, Chefin der Kieler Agentur für Arbeit, fügt hinzu: „Jeder stößt an seine eigenen Grenzen. Wir müssen die neue Netzwerkarbeit leben und gemeinsam besser werden. Im Interesse der Jugendlichen.“

Jürgen Ströh, Leiter des Regionalen Berufsbildungszentrums (RBZ) Technik in Gaarden, nannte ein konkretes Beispiel. Einer seiner Schüler war extrem auffällig geworden. Er stand nahe vor einem Schulverweis – diese einschneidende Maßnahme hätte ihn wohl um sämtliche berufliche Perspektiven gebracht. Doch dank der neu erprobten Kooperation kam das Amt für Soziale Dienste hinzu und organisierte eine Betreuung für seine Familie. Zugleich wurde – ohne offizielle Relegation – der Wechsel an ein zweites RBZ vereinbart. Dort hat sich der frühere Problemschüler offenbar sehr gut eingelebt, dem Schulabschluss und der späteren Berufsausbildung steht nichts mehr im Wege. Kurzum: Die intensive Betreuung hat sich gelohnt. Wahrscheinlich zahlt sie sich sogar für die Gesellschaft in Euro und Cent aus. Denn: Facharbeiter sind nur zu 5 Prozent von Arbeitslosigkeit betroffen, Ungelernte aber zu 20 Prozent.

Wie groß der Bedarf ist, zeigen auch die Zahlen von Stadträtin Renate Treutel. Von den etwa 1000 jungen Frauen und Männern, die im Sommer die Sekundarstufe 1 (Klasse 10) beendet haben, besaßen zwar 800 einen Lehrvertrag oder zumindest eine verlässliche Perspektive. „Doch 200 waren völlig ratlos, wie es weitergeht“, erklärte die Stadträtin und fügte hinzu: „Unser Ziel ist es, dass künftig alle Jugendlichen vor den Sommerferien Bescheid wissen.“

Beteiligt an der neuen Jugendberufsagentur sind neben den Schulen und der Stadt mit all ihren sozialen Diensten auch das Jobcenter und die Arbeitsagentur. Erster sichtbarer Schritt – nach den vielen Konferenzen und Gesprächen – soll jetzt am 1. März der „Treff.JBA“ im RBZ Wirtschaft sein. Die Idee, die dahinter steckt: Jugendliche abholen, die den direkten Kontakt zur Berufsberatung nicht finden – und auf dem Weg in ihre Zukunft kurz, aber intensiv begleiten.
 

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