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Komödie : Niederdeutsche Bühne Kiel: Die Seelenklempner mit dem Rad

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei der Niederdeutschen Bühne in Kiel hatte am Wochenende das Stück „As’n Wulk in’n Wind“ (Wie eine Wolke im Wind) Premiere. Dabei bringen zwei lebenslustige Frauen ordentlich Leben auf den tristen Hof von Bauer Wilhelm.

Kiel | Grummelig sitzt er auf seiner Gartenbank, der Schweinemast-Bauer Wilhelm, dem Ingo Büchmann Grimassen und karge Sprüche verleiht. Verärgert ist er über seinen Sohn Niels (Sven Bohde), weil der wieder mal seine vor Jahren vom Hof geflüchtete Mutter besucht hat. Die forsche Haushälterin Lilo (Susanne Frenzel) wiederum findet ihren Widerpart in Harm (Peter Maaß), womit das Eingangsquartett der Niederdeutschen Bühne vorgestellt wäre.

„As’n Wulk in’n Wind“ (Wie eine Wolke im Wind) heißt das neue Stück, das am Wochenende Premiere feierte. Es stammt aus der Feder von Ingo Sax, der – selbst jahrelang auf der Straße unterwegs – wohl auch eigene Beobachtungen und Hirngespinste 1988 zu dieser Komödie verarbeitete. Leicht flüchtig ist der Stoff und – wie die Himmelswolke auch – zu schnellen Veränderungen fähig.

Den Anstoß auf der Niederdeutschen Bühne am Wilhelmplatz liefern die attraktive Christine (Heike Börgert) und ihre erwachsene Tochter Aglaja (Frederike Meier). Sie sind als Camperinnen unterwegs, schlagen bei der Radtour ihr Zelt mal hier, mal dort auf – und eignen sich für die kleine, in ihrer eigenen Welt festgefahrene Hofgemeinschaft hervorragend als Seelenklempner.

Nun: Dass es erotische Verwicklungen geben wird, ahnt das Publikum schnell. Immerhin tummeln sich drei Frauen und drei Männer spielfreudig auf der Bühne. Vor das große Glück haben Autor Sax und Regisseur Christoph Munk allerdings den tiefen Fall gestellt. Wilhelm etwa betrinkt sich maßlos und stellt angesichts der ungewöhnlichen Beziehungskisten am nächsten Morgen trocken-verbiestert fest: „Ick bün de Eenzige, de noch een kloren Kopp hett“. Die Lacher im Saal zumindest hat der Mann mit dem Kater auf seiner Seite.

Wer hier wann mit wem den Partner nicht unbedingt fürs ganze Leben, aber doch für den nächsten überschaubaren Lebensabschnitt findet, sei nicht verraten. Nur so viel: Von Konventionen hält der Autor nicht viel, fröhliche Zuneigung durchlöchert jedes Regelwerk. Der Zuschauer darf sich auf einen kurzweiligen Abend freuen und die Anregung mit nach Hause nehmen, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Das Leben ist viel zu schön, um sich in Trauer zu vergraben. Wer weiß: Vielleicht wartet an der nächsten Ecke schon das große Glück. Naja, zumindest das Teilzeit-Glück. 

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erstellt am 21.Feb.2016 | 13:29 Uhr

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