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Urteil in Kiel : Nichte und Neffe sexuell missbraucht - fünf Jahre Haft für Onkel

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Der Angeklagte soll die Kinder gefesselt und ihnen die Augen verbunden haben.

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2017 | 10:36 Uhr

Kiel | Die Nichte war erst fünf, der Neffe sechs Jahre alt, als sich ihr Onkel erstmals sexuell an ihnen verging. Für insgesamt 13 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs - mindestens sechs davon wertete das Gericht auch als schwere Vergewaltigung - muss ein 32-Jähriger in die geschlossene Psychiatrie und anschließend ins Gefängnis. Das Kieler Landgericht verurteilte den Sexualstraftäter zur Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung eines Fachkrankenhauses und fünf Jahren Haft. Die Jugendstrafkammer folgte mit ihrem Urteil am Montag den übereinstimmenden Anträgen von Staatsanwältin, Nebenklage und Verteidigung.

Die erste Tat hatte der Mann 2006 an seinem Neffen im Haus der Großeltern während deren Abwesenheit begangen, wie die Jugendstrafkammer feststellte. Einen zweiten Übergriff neun Jahre später wehrte der Junge ab. An seiner anfangs fünfjährigen Schwester verging sich der Angeklagte dann ab etwa 2008, nach seinem Umzug nach Hamburg auch bei Besuchen des Kindes in seiner Wohnung. 2016 flog er schließlich auf, als sich seine Nichte einer Lehrerin offenbarte. Die Eltern, der Kinderschutzbund und die Polizei wurden eingeschaltet. Seit seiner Festnahme sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Bei den schweren Übergriffen nutzte der 32-Jährige auch sadomasochistische Sexualpraktiken. Er fesselte die Kinder an Händen und Füßen, verband ihnen die Augen, bevor er sie zu sexuellen Handlungen zwang.

Der Vorsitzende Richter der Jugendkammer begründete das Strafmaß - der Regelstrafrahmen reicht bis zu 15 Jahren - unter anderem mit der schweren hirnorganischen Schädigung des Mannes in Kombination mit einer krankhaften sexuellen Sucht. Er sei deswegen nur eingeschränkt steuerungsfähig. Das und sein sofortiges, rückhaltloses und reuiges Geständnis habe dazu beigetragen, dass der Angeklagte nicht höher bestraft worden sei, sagte der Richter.

Der Mann habe zwar um das Unrecht seiner Taten gewusst, sich wegen der schweren Persönlichkeitsstörung aber nicht normgerecht verhalten können. Für den Angeklagten sprach demnach auch, dass er mit dem Geständnis den Kindern die Aussage vor Gericht ersparte und dass er nicht vorbestraft war. Zudem sei er therapiewillig.

Die beiden Kinder waren Nebenkläger, vor Gericht vertreten durch eine Opferanwältin. Während beim Jungen keine psychischen Folgen der Taten erkennbar seien, sei das Mädchen schwer belastet und leide unter erheblichen seelischen Auswirkungen, sagte der Vorsitzende Richter.

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