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Lessinghalle : Neustart mit einem Hauch von Wehmut

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das 2008 geschlossene Kieler Schwimmbad beherbergt nach einem Umbau jetzt eine Kita und eine Sporthalle. Wir haben uns umgeschaut.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2015 | 17:52 Uhr

Luftig wirkt sie, freundlich und vergleichsweise hell durch die großen Sprossenfenster, in die das bleiche Dezemberlicht fällt: Wer die neue Turnhalle im alten Lessingbad betritt, den erinnern wohl nur die Fenster und das erhaltene Tonnengewölbe an die Zeit bis 2008, als man in dem großen Becken an gleicher Stelle seine Bahnen ziehen konnte – an manchen Abenden bei Kerzenschein und Klassik-Klängen. Die Schwimmhalle diente gar einst als Kulisse im „Tatort“. Und so entfährt den Kielern, die nun zum ersten Mal hinter die Fassade des umgestalteten Gebäudes blicken können, auch gern mal ein Kommentar wie dieser: „Ach nein – das war unser Schwimmbad!?“. Und dann: „Ja, schön!“

Die Lessinghalle am Schrevenpark – 1935 eingeweiht, war sie das erste Hallenbad in Kiel. Viele Freunde hatte sie, auch über die Landeshauptstadt hinaus. Daher gab es viel Kritik am Plan der Verwaltung, den Badebetrieb einzustellen. Auch Anke Erdmann, Ehefrau des amtierenden Kieler Oberbürgermeisters Ulf Kämpfer und Mutter des gemeinsamen Sohns Johann, hat mit diesem, als er noch klein war, das Kinderbecken gern besucht. „Das Schwimmen war zauberhaft“, erinnert sie sich beim Rundgang durch die umgebaute Halle mit ein wenig Wehmut. Dennoch habe sie damals, als sie Mitglied der Ratsversammlung (Grüne) war, für die Schließung gestimmt: „Es ging nicht mehr.“ Eine Sanierung des maroden Bades wäre zu teuer geworden. Auch Ulf Kämpfer erinnert sich, wie er den Verfall mitansehen musste.

Um so zufriedener wirken die Mitglieder von Verwaltung und Ratsversammlung beim Besichtigen der neuen Halle, die bereits im Betrieb ist. „Es ist ein echtes Schmuckstück geworden“, sagt Kämpfer. Möglicherweise sei der Umbau zu einer Schulsporthalle und Kindertagesstätte mit 80 Plätzen der einzige Weg gewesen, das Gebäude zu erhalten – „wenn auch nicht für die breite Öffentlichkeit“. Auch Stadtbaurat Peter Todeskino gibt sich stolz. Gleichwohl will er der „Emotionalität“ Rechnung tragen, die das Thema hat: „Für viele war es nicht nur eine Badeanstalt, sondern auch Ort der Begegnung.“ Er habe den Widerstand gegen die Schließung verstehen können – „jede einzelne Träne“. Nach heutigem Wissensstand sei das Bad aber in einem noch schlimmeren Zustand gewesen als von Gutachtern festgestellt: „Wir können froh sein, dass das Schwimmbecken nicht abgesackt ist.“

Nach einer Übergangszeit mit kultureller Nutzung ist seit November 2013 für rund 6,8 Millionen Euro die Halle entkernt und neu aufgebaut worden – in Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Für Todeskino steht fest: „Wir haben auf einzigartige Weise ein Baudenkmal wieder instand gesetzt.“ Seit 1993 steht die Halle, ein dem Heimatstil zuzuordnendes Backsteingebäude mit drei Flügeln, unter Schutz.

Restaurierte Details wie die Plastiken von Alwin Blaue und erhaltene Kachelwände in den Kita-Räumen erinnern ein wenig an den Badebetrieb. So wie die maritim gestalteten Hinweise auf die „Männerseite“ und die „Frauenseite“ (kl. Foto) der Umkleiden. Besucher Markus Waletta, früher Badegast, hat allerdings einen kleinen Lapsus entdeckt: Beim Aufhängen der Plastiken wurden die Seiten vertauscht.

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