Oberbürgermeister-Wahl : Neustart in Kiel: Das sind die Kandidaten

Die Kandidaten für die Wahl zum Kieler Oberbürgermeister: Der von FDP und CDU unterstützte Stefan Kruber (CDU, li.), der Linken-Politiker Detlef Hackethal (Mitte) und der von SPD, Grünen und SSW unterstützte Ulf Kämpfer (SPD).
Die Kandidaten für die Wahl zum Kieler Oberbürgermeister: Der von FDP und CDU unterstützte Stefan Kruber (CDU, li.), der Linken-Politiker Detlef Hackethal (Mitte) und der von SPD, Grünen und SSW unterstützte Ulf Kämpfer (SPD).

Am Sonntag wird neben der Kieler Oberbürgermeister-Wahl auch beim ersten Bürgerentscheid über eine Ansiedlung von Möbel Kraft abgestimmt.

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18. März 2014, 04:14 Uhr

Kiel | Die Landeshauptstadt sucht heute ein neues Oberhaupt – mal wieder, weil die letzten beiden Kandidaten nicht die volle Amtszeit durchhielten. Torsten Albig (SPD) nutzte den Thron als Sprungbrett ins Landeshaus und die Journalistin Susanne Gaschke (SPD) stolperte über den „Steuerdeal“ mit Augenarzt Uthoff. 197.000 Kieler entscheiden nun über den neuen Oberbürgermeister.

Wer soll es richten, Kiel voran bringen, nach der Zeit des Stillstands, wie Kritiker die Zeit seit November 2012 bezeichnen? Damals trat Quereinsteigerin Gaschke gegen den Stadtkämmerer und CDU-Mann Gert Meyer an. Andreas Tietze von den Grünen lief da außer Konkurrenz. Ähnlich ist es auch im aktuellen Wahlkampf: Ein Duell zwischen Ulf Kämpfer, der von SPD, SSW und Grünen getragen wird, und CDU-Kandidat Stefan Kruber. Es gibt noch einen dritten Kandidaten – Detlef Hackethal, Linken-Politiker. Der jedoch wird von keiner Partei unterstützt, hat lediglich Außenseiter-Chancen. Erhält kommenden Sonntag keiner die absolute Mehrheit, folgt am 6. April die Stichwahl.

Fest steht: Es wird ein Kampf zwischen Sozialdemokraten und Konservativen. Kiel ist traditionell eine Hochburg der SPD – man könnte also meinen, die Wahl wird ein Heimspiel für Kämpfer. Allerdings hofft die CDU auf ihre große Chance durch müde Wähler, die zuletzt im Schnitt alle zwei Jahre an die Urne mussten. Und die nun möglicherweise genug von der SPD an der Stadtspitze haben – besonders nach dem dramatischen Abtritt Gaschkes im vergangenen Herbst. Im Alleingang hatte sie zuvor dem Kieler Augenarzt Detlef Uthoff für eine Gewerbesteuerschuld Zinsen und Säumniszuschläge in Höhe von 3,7 Millionen Euro erlassen, dafür massiv Kritik kassiert. Später überwarfen sie und ihr Mann, der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels, sich mit der Spitze der Landes-SPD. Aus Sicht der Kommunalaufsicht war Gaschkes Deal rechtswidrig, die Staatsanwaltschaft ermittelt noch immer wegen des Verdachts der Untreue. Das hochverschuldete Kiel arbeitet unterdessen daran, den Erlass rückgängig zu machen. OB-Kandidat Kruber hat sich damals als Oppositionsführer im Rat im kritischen Umgang mit Gaschkes „Steuer-Deal“ in Kiel einen Namen gemacht.

Kämpfer gegen Kruber. Der charismatische, zugleich zurückhaltende SPD-Mann gegen den oft ernst wirkenden, aber engagierten Vollblut-CDU-Kommunalpolitiker: Im Wahlkampf behandeln sich beide fair. Von schmutziger Wäsche oder harten Bandagen keine Spur. Manchmal treffen sie sich sogar auf gemeinsamen Ortsterminen wie etwa am Kieler Hundestrand. Kruber-Wähler murren mitunter dennoch, es sei ein Kampf mit ungleichen Mitteln: Der derzeitige Staatssekretär im Umweltministerium Ulf Kämpfer kann seine sechs Wochen bezahlten Jahresurlaub vor der Wahl nehmen. Er weiß, ob durch gute Beratung oder sein Richteramt, mit Worten zu glänzen.

Stefan Kruber ist gebürtiger Kieler, ihm liegt seine Stadt am Herzen – wie er im Wahlslogan („Aus Liebe zu Kiel“) zum Ausdruck bringt. Bezahlter Urlaub ist für den selbstständigen Anwalt nicht drin – der Wahlkampf läuft nebenbei, auch nachts. Plakatiert wird mit Freunden und Familie – kein organisierter Wahlbürostab wie bei Kämpfer. Wo der mit Worten glänzt, punktet Kruber mit Wissen. Wissen aus mehr als zwölf Jahren Kommunalpolitik. „Ich kenne die Probleme, ihre Genese, Verursacher und Ansprechpartner“, sagt Kruber.

Und Herausforderungen hat die Stadt genug. Infrastruktur-Themen wie die seit langem geplante, aber wegen hoher Kosten umstrittene Stadtregionalbahn (SRB) beschäftigen die OB-Kandidaten genauso wie der am Wahlsonntag ebenfalls anstehende erste Bürgerentscheid der Landeshauptstadt zum Thema Möbel Kraft. Der Unterschied: Wo sich Kämpfer und Kruber in Sachen SRB unterschiedlich positionieren (Kämpfer pro, Kruber kontra) – sind sie bei der Frage, ob sich das Segeberger Möbel-Unternehmen in Kiel ansiedeln soll, einer Meinung. Sie wollen, dass das geplante, aber ebenfalls umstrittene Möbelmarktzentrum kommt. Nicht nur Kämpfer und Kruber, auch die Stadtverwaltung sowie die Ratsmehrheit erhoffen sich dadurch vor allem die von dem Unternehmen versprochenen – aber vertraglich nicht zugesicherten – rund 300 Arbeitsplätze.

Der Markt soll auf einem bisherigen Kleingartengelände in der Nähe der Autobahn und des Konkurrenten Ikea entstehen. Dass nun über einen möglichen Planungsstopp abgestimmt wird, ist der Initiative dreier Naturfreunde aus Kiel zu verdanken. Sie hatten im vergangenen Sommer ein Bürgerbegehren gestartet und für viele überraschend die nötige Stimmenzahl erhalten. Sie wollen den inneren Grüngürtel der Stadt erhalten. Einer, der erklärt auf ihrer Seite steht, ist der Einzelbewerber Detlef Hackethal. Wegen des Gezerres um Möbel Kraft könnte die Beteiligung bei dieser Wahl höher sein als im Jahr 2012. Damals hatten nur 35,8 Prozent der Berechtigten ihre Stimme für die Kandidaten abgegeben.

Ab 18 Uhr berichtet shz.de im Liveticker über die Kieler Oberbürgermeister-Wahl.

Das sind die drei Kandidaten im Überblick:

Ulf Kämpfer (SPD): Der Konsens-Kandidat

SPD-Mann Ulf Kämpfer (41) kommt gebürtig aus Eutin, lebt mit seiner Frau, der Landtagsabgeordneten Anke Erdmann (Grüne) sowie Sohn (8) in einer Ökosiedlung am Kieler Stadtrand. Er hat Jura in Göttingen und Irland studiert und als Familienrichter in Schleswig gearbeitet. Kämpfer, der sich selbst eher als „sanften Krieger“ beschreibt, hat sich bereits als  Gymnasiast  für die Demokratie  eingesetzt – im Verein zur Förderung politischen Handelns. Seit gut 20 Jahren ist er SPD-Mitglied, hat sich bisher aber nicht als Politiker betrachtet. Nun will er das, was er inhaltlich vermittelt hat, als möglicher OB mit Leben füllen. Kämpfer will in Kiel „mit Optimismus und Tatkraft für eine echte Aufbruchsstimmung und mehr „sozialen Zusammenhalt“ sorgen. Sein  Motto: Ein „klarer Kompass“. Seine  Schwerpunkte: mehr und bezahlbare Wohnungen bauen; für gute Kitas und Schulen mit besseren Ganztagsangeboten sorgen. Er will die Hochschulen stärken und mit einer „klugen Förder- und Ansiedlungspolitik“ mehr gute Jobs in Kiel schaffen. Mit seiner Erfahrung in der Leitung einer großen Verwaltung als Staatssekretär möchte Kämpfer überzeugen – und  als ein Kandidat, der nicht mit „parteipolitischen Scheuklappen rumläuft, sondern mit allen zusammen arbeitet, denen Kiel am Herzen liegt. Der nicht trennt, sondern verbindet“. rie

Stefan Kruber (CDU): Der Oppositions-Kandidat

Stefan Kruber (37) wäre, wenn er gewählt wird, Kiels jüngster Oberbürgermeister. Der junge, zweifache  Familienvater ist gebürtiger Kieler, selbstständiger Anwalt auf dem Ostufer und seit 16 Jahren kommunalpolitisch aktiv. Seit mehr als zehn Jahren sitzt er im Rat, seit 2009 ist er Fraktionsvorsitzender der CDU. „Ich kenne die Probleme und ihre Genese“, sagt Kruber. Und, was ihm wichtig ist: „Ich werde bleiben, wenn ich gewählt werde.“ Kiel brauche endlich Kontinuität in einem so wichtigen Amt. Er kennt Kiels Schwachstellen und will „vor allem mit den unfinanzierbaren Träumereien“ aufhören, erteilt damit der SRB eine Absage – wie bisher auch alle Umlandgemeinden. Kruber will Kiel als Wirtschafts- und Industriestandort stärken: „Denn Wirtschaftspolitik ist die beste Sozialpolitik. Wir brauchen gute Jobs in der Stadt, damit die Menschen selbstbestimmt leben können.“ Geht es nach ihm, soll der Flughafen als Airpark erhalten werden und das MFG-5-Gelände soll eine gute Mischung aus produzierendem Gewerbe und Wohnen werden. Wird Kruber gewählt, müsste er mit einer Küsten-Ratsmehrheit aus SPD, Grüne und SSW regieren. Für ihn kein Problem: „In den entscheidenden Dingen haben wir bisher immer parteiübergreifend gut zusammengearbeitet.“ emd

Detlef Hackethal (parteilos): Der alternative Kandidat

Detlef Hackethal (59) ist ausgebildeter Lernpädagoge und im Herzen ein Linker. Politisch hob er die „Wahlalternative für soziale Gerechtigkeit“ (WASG) mit aus der Taufe. Nach den Montagsdemos gegen Hartz IV 2004 begleitete er „den Vereinigungsprozess von WASG und PDS zur Linken“. Fast drei Jahre arbeitete Hackethal im Büro des Bundestagsabgeordneten der Linken Raju Sharma. In Kiel war er die längste Zeit der Sprecher der Linken – bis zum Bekanntwerden seiner Kandidatur auf eigene Faust. Das fand der Vorstand gar nicht lustig und trat geschlossen zurück, um auch Hackethal des Postens zu entheben. Das stört Hackethal aber nicht. Er fühlt sich in erster Linie seinem Gewissen verpflichtet und ist der Meinung: „Man muss den Wählern eine Alternative bieten. Zwei Kandidaten, die für Möbel Kraft sind, und das Bürgerbegehren am gleichen Tag ist dagegen. Das geht nicht.“ Hackethal ist die Alternative. Neben seiner Anti-Haltung hat er sich Armut auf seine Fahnen geschrieben. „Wir brauchen einen Rettungsschirm für die Armen, nicht für die Banken.“ Seit fast 30 Jahren berät er Leistungsempfänger ehrenamtlich – und kennt ihre Probleme. Außerdem sollten Kinder besser und individueller gefördert werden. „Das Schulsystem muss den Kindern angepasst werden, nicht die Kinder dem System.“ emd

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