Betreuung in Kiel : Neustart für die kleinen Flüchtlinge

Keine Scheu vor der Kamera: Aida Ramici zeigte den Besuchern gestern ihr Hoppelpferd – auch die vierjährige Albanerin soll die Schrecken der Flucht hinter sich lassen.
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Keine Scheu vor der Kamera: Aida Ramici zeigte den Besuchern gestern ihr Hoppelpferd – auch die vierjährige Albanerin soll die Schrecken der Flucht hinter sich lassen.

Nach Auffasung von Stadträtin Renate Treutel gelten die Kinder von Flüchtlingen bei der Betreuung meist als Anhängsel. Das soll sich ändern. Die Stadt will mit einem neuen Projekt dem Nachwuchs der Asylbewerber so schnell wie möglich Normalität bieten.

shz.de von
09. Mai 2015, 06:13 Uhr

Die Kinder und Jugendlichen unter den Flüchtlingen, die Kiel erreichen, brauchen besondere Fürsorge. Auf diesem Leitgedanken beruht das Betreuungskonzept, das die Stadt Kiel in der Gemeinschaftsunterkunft auf dem früheren MFG-5-Gelände verwirklichen möchte. Zurzeit leben dort 90 Menschen, ab Sommer sollen es 300 sein. Erfahrungsgemäß ist jeder Dritte von ihnen noch minderjährig. „Wir wollen ihnen so schnell wie möglich Normalität bieten“, erklärte Stadträtin Renate Treutel gestern bei der Vorstellung des Projektes.

Hunger, Flucht und und Verfolgung, mitunter auch Krieg und Morde mussten die jungen Flüchtlinge miterleben, wie auch Beate Goffin betonte, die Amtsleiterin für Kinder- und Jugendeinrichtungen. Die traumatisierten Mädchen und Jungen bräuchten feste Bezugspartner, sie dürften nach ihrer Odyssee nicht gleich wieder an eine Kita weitergereicht werden. Jeweils zwei ausgebildete Sozialpädagogen der Stadt und der Arbeiterwohlfahrt (Awo) kümmern sich direkt vor Ort um die unter Sechsjährigen und um die schulpflichtigen Kinder.

Mit dem Konzept will die Stadt Kiel Meilensteine setzen. Denn bislang sind nach den Worten von Renate Treutel die Kinder der Flüchtlingsfamilien meist nur als Anhängsel der Erwachsenen betrachtet worden, sie liefen bei der Betreuung irgendwie mit. Jetzt aber rückt die Stadträtin den Nachwuchs in den Fokus: „Wir wollen die Integration von Anfang an. Und gerade die ersten Monate sind entscheidend.“

An die Pädagogen stellt die Stadt besondere Anforderungen. Sie sollen im eigenen Kinderhaus nicht nur dauerhafte und verlässliche Begleiter der jungen Flüchtlinge sein, ihnen spielerisch Deutsch beibringen, sie sollen ihnen auch helfen, Kontakte im Stadtteil Friedrichsort zu knüpfen. Etwa zu Sportvereinen oder Jugendhäusern. Das soll helfen, Ängste und Vorurteile abzubauen – auf Seiten der Flüchtlinge ebenso wie bei der Nachbarschaft. Die pädagogischen Aufgaben sind dabei eng vernetzt mit der Arbeit des Christlichen Vereins, der die Betreuung der Flüchtlinge auf dem MFG-5-Gelände übernommen hat.

In eine der drei früheren Soldatenunterkünfte sind bereits Anfang April die ersten Flüchtlinge eingezogen. Die beiden anderen Häuser werden zurzeit fertiggestellt. Die Umbaukosten belaufen sich auf 1,5 Millionen Euro (wie berichteten). Insgesamt bietet die Anlage ab Sommer Platz für rund 300 Personen. Stadträtin Renate Treutel kalkuliert mit jährlich 220  000 Euro extra für die Kinder- und Jugendbetreuung, die im Juli starten soll. Sofern die Ratsversammlung zustimmt. Doch daran hatten die Experten gestern in Friedrichsort keinen Zweifel. Denn für sie steht fest: „Das Geld ist gut angelegt.“  

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