Sozialer Mix : Neues Wohnen im Anscharpark

Gruppenbild unter der Sibirischen Papierbirke: (von links) Karen Jensen, Philip Pieper, Iwona Pieper mit Kjell, Bosse und Leif Jensen, Wilfried Pahl und Sven Binder von der BGM sowie Architekt Jan O. Schulz vor dem Neubau an der Kühlungsborner Straße.  Fotos: Carstens (2)
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Gruppenbild unter der Sibirischen Papierbirke: (von links) Karen Jensen, Philip Pieper, Iwona Pieper mit Kjell, Bosse und Leif Jensen, Wilfried Pahl und Sven Binder von der BGM sowie Architekt Jan O. Schulz vor dem Neubau an der Kühlungsborner Straße. Fotos: Carstens (2)

Von 153 Wohnungen im neuen Quartier des Anscharparks wird fast die Hälfte öffentlich gefördert. Statt 9 Euro liegt die Kaltmiete dann bei 5,65 Euro. Das Nebeneinander von Sozialwohnungen und „freien“ Wohnungen soll der drohenden Ghettoisierung vorbeugen.

shz.de von
27. Juli 2018, 17:56 Uhr



Das lässt sich sehen: 153 neue Wohnungen bietet das Quartier im Anscharpark – fast die Hälfte (72) wird öffentlich gefördert. Damit liegt die Quote von 47 Prozent weit über den von der Stadt geforderten 30 Prozent. Das Besondere am Wohnpark in der Wik: Hier gibt es keine ausgewiesenen Sozialblocks. Mieter von Sozialwohnungen leben Tür an Tür mit „freien“ Mietern. Genau diese soziale Mischung soll zur dauerhaften Gemeinschaft beitragen. Der Anscharpark ist auch ein Projekt gegen die drohende Ghettoisierung in der Stadt.

Davon sind jedenfalls Wilfried Pahl und Stefan Binder vom Vorstand der Baugenossenschaft Mittelholstein überzeugt. Die BGM gehörte neben der Wankendorfer, der Wohnungsbaugesellschaft Kiel (Woge) und dem Gemeinnützigen Wohnungsunternehmen (GWU) in Eckernförde zu den vier Unternehmen, die für 34 Millionen Euro den Anschar-Wohnpark gemeinsam hochgezogen haben. Seit dem Frühjahr sind die Wohnungen bezogen.

Die ersten Reaktionen geben den BGM-Chefs Recht. „Wir wollten auf keinen Fall in ein elitäres Wohngebiet ziehen“, erklärt Leif Jensen, der mit Ehefrau Karen und Sohn Bosse (11) in der 92 Quadratmeter großen Vier-Zimmer-Wohnung ein neues Zuhause gefunden hat. Bei 9 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter kommen die Jensens samt Energie-Nebenkosten auf monatliche Ausgaben von 1108 Euro (plus 75 Euro für den Stellplatz in der Tiefgarage).

Gleich nebenan wohnen Iwona und Philip Pieper mit dem 18 Monate alten Kjell. Sie sind angesichts von 5,65 Euro pro Quadratmeter mit 640 Euro an Brutto-Monatsmiete für ihre 75 Quadratmeter große Wohnung dabei (plus 50 Euro für den Stellplatz). In ihrer alten Wohnung hatten sie bereits 700 Euro warm bezahlt. Kein Wunder, dass sie die neue Adresse an der Kühlungsborner Straße als „absoluten Glücksfall“ bezeichnen. Zumal die zusätzliche Barrierefreiheit dem an MS erkrankten Philip Pieper das Leben spürbar erleichtert – auch in der zweiten Etage.

Die Fußbodenheizung, der Balkon und die schmucke Einbauküche, die verkehrsberuhigte Lage (bei gleichzeitiger Nähe zur Bushaltestelle), überhaupt das Leben in der Grünzone – all das teilen sich die beiden Familien. Die Schiffssirene, die mitunter aus dem Marinehafen zu hören ist, kann die neue Idylle kaum stören. In den fünf Monaten seit dem Einzug haben sich auch schon die Strukturen einer Hausgemeinschaft herausgebildet haben.

Was noch fehlt, wäre nach Wunsch der Jensens und der Piepers ein Gemeinschaftsraum zum Klönen, Kaffeetrinken und Feiern. „Wir sind in Gesprächen“, erklären die BGM-Chefs Binder und Pahl. Sie arbeiten mit den anderen Genossenschaften an einem Nutzungskonzept für das Haus 12 im Anscharpark. Das Gebäude steht seit vielen Jahren leer, möglicherweise könnte hier die Stiftung Drachensee – die übrigens im Anscharpark ebenfalls ein eigenes Wohnprojekt eingerichtet hat – ein Café betreiben. Einst diente Haus 12 als Leichenhalle des Marinelazaretts. Doch dieser Gedanke an die makabre Historie schreckt niemanden ab. Dafür zeigt sich der Anscharpark von heute als viel zu quirlig, als viel zu lebendig.

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