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Fischbeobachtung in Kieler Förde : Neues Unterwasser-Observatorium in Kiel

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Wie viele Fische dürfen gefangen werden, ohne die Bestände zu gefährden? Bislang erfordert die Antwort auf diese Frage aufwendige Berechnungen von Wissenschaftlern. Ein neues Gerät könnte die Fische bald genau zählen.

Kiel | Mit Hilfe eines neuartigen Unterwasser-Fisch-Observatoriums wollen Hamburger Forscher die Fischbestände in der Ostsee genau erfassen. Das abgekürzt Ufo genannte Gerät wurde vom Thünen-Institut für Seefischerei in Hamburg entwickelt und am Donnerstag Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) vorgestellt. Mit einem empfindlichen Sonarsystem und Spezialkameras kann das stationäre Gerät auf dem Meeresgrund Fische erkennen und sogar Art, Gewicht und Alter bestimmen, wie Projektleiter Joachim Gröger erläuterte.

Der Fischkonsum wächst weltweit. Viele Arten und Bestände sind bereits durch Überfischung bedroht. Nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände steht daher zunehmend im Fokus. 

Das Gerät wurde bereits in der Nordsee nordwestlich von Sylt erprobt und soll während der Kieler Woche in der Förde abgesetzt werden. „Ich halte das für eine ganz wichtige Unterstützung unserer Strategie, bis zum Jahr 2020 die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Fischbestände zu haben und zu verifizieren“, sagte der Minister. Er sei froh, dass sich die Bestände in den vergangenen Jahren erholt hätten. Aber es habe starke Schwankungen gegeben, die auch mit Änderungen in der wissenschaftlichen Bewertung zu tun haben könnten. „Deshalb brauchen wir noch mehr Informationen, was maximal nachhaltig sein kann. Dazu gehört auch dieses Ufo-Projekt“, sagte Schmidt.

Die Wissenschaftler hoffen, irgendwann ein Netzwerk solcher Geräte für Nord- und Ostsee zu schaffen, um einen Gesamtüberblick über das Leben im Meer zu bekommen. Bislang werden die Fischbestände durch Forschungsschiffe bei sogenannten Surveys erfasst. In der Nordsee legen diese ihre Netze einmal im Jahr an 20 bis 50 Stationen für eine halbe Stunde aus. Auf Basis des Fangs schätzen die Wissenschaftler die Bestände ab.

Das nach Angaben von Gröger weltweit einzigartige Observatorium hat vier Millionen Euro in der Entwicklung und 500.000 Euro in der Hardware gekostet. Zum Vergleich: Bei einer herkömmlichen Messung müssen für ein Forschungsschiff pro Tag 10.000 bis 50.000 Euro veranschlagt werden. Die Forscher planen demnächst den Bau eines zweiten Observatoriums, das im Golf von Riga (Lettland) eingesetzt werden soll. Das Gerät könne auch zahlreiche andere Umweltdaten erheben, betonte der physikalische Ozeanograf und Konstrukteur Boris Cisewski.

Die Nachhaltigkeit der Fischerei versuchen Forscher vom Thünen-Institut für Fischereiökologie auch durch Neuerungen in der Aquakultur zu verbessern. Bislang werden die Fische überwiegend mit Fischmehl gefüttert. Künftig sollen sie sich vegetarisch ernähren.

Prof. Ulfert Focken zeigte dem Minister einen tropischen Tilapia (Buntbarsch), der Jatropha-Pflanzenreste aus der Biodiesel-Produktion zu fressen bekommt. Er wachse genauso schnell wie mit Fischmehl-Futter. Kollegen von Focken forschen an der Nachzucht des Europäischen Aals. In Aquakulturen wird die gefährdete Art bereits gehalten, die Vermehrung in Gefangenschaft ist bislang aber noch nicht gelungen.

Mit der Gabe von Hormonen bringen die Wissenschaftler die Weibchen zum Reifen und zum Laichen. Zur Bedeutung der Forschung sagte Focken: „Die Aquakultur produziert mittlerweile mehr Speisefisch als die Fangwirtschaft weltweit.“ Der Fischkonsum wachse schneller als die Weltbevölkerung und werde sich nach Erkenntnissen des Internationalen Forschungsinstituts für Nahrungspolitik (IFPRI) bis 2030 verdoppeln.

 

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erstellt am 11.Feb.2016 | 16:13 Uhr

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