Neues Terminalgebäude am Ostseekai

Ostseekai 2019:  Mit einer Aussichtsterrasse und Glasfassaden soll das neue Gebäude der Öffentlichkeit den Blick in den Hafen ermöglichen.
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Ostseekai 2019: Mit einer Aussichtsterrasse und Glasfassaden soll das neue Gebäude der Öffentlichkeit den Blick in den Hafen ermöglichen.

Der Seehafen Kiel baut an, denn der Kreuzfahrt-Tourismus boomt wie nie / Die Kritik an den großen Pötten verstummt aber nicht

Margret Kiosz von
09. März 2018, 12:24 Uhr

Trotz massiver Bedenken von Umweltschützern buchen immer mehr Bundesbürger Reisen mit einem Kreuzfahrtschiff – allein im vergangenen Jahr verzeichnet die Branche ein Plus von 8,4 Prozent. Zwischen 2007 und 2017 hat sich die Zahl der Passagiere aus dem deutschen Markt fast verdreifacht.

Weil auch der Seehafen Kiel weiterhin auf dieser Rekordwelle mitschwimmen will, investiert die Stadt massiv in den Ausbau der Infrastruktur. Am Ostseekai entsteht ein zweites Abfertigungsgebäude. Auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) präsentierte Hafenchef Dirk Claus gestern die Pläne: „Mit dem zweiten Terminalgebäude erweitern wir unsere Kapazitäten und erhöhen die Qualität der Abfertigung“, sagte er.

Vor dem Hintergrund wachsender Anlaufzahlen und Schiffsgrößen sei diese 7,5 Millionen Euro teure Investition notwendig. Baubeginn ist im August. Im Frühjahr 2019 soll das 3700 Quadratmeter große zweigeschossige Terminal in Betrieb gehen. Entworfen wurde es im Rahmen eines Wettbewerbs von den Architekten Hillenkamp & Roselius aus Hamburg. Der Neubau entsteht im nördlichen Anschluss des bestehenden Gebäudes und bildet mit diesem – über Verbindungen auf bei

den Ebenen – ein Ensemble. Die Fassade des Neubaus greift bestehende Formen auf und verfügt über große Glasflächen. Besucher gelangen über eine Freitreppe zur Aussichtsterrasse. „Wir öffnen den Hafen noch stärker für die Öffentlichkeit und machen das Geschehen rund um die großen Schiffe erlebbar“, so Claus. Die mobilen Gepäckhallen, die bereits kurz nach der Einweihung des bestehenden Terminals vor dessen Glasfronten gesetzt wurden, sollen verschwinden. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) verlangte auf der ITB wegen der Abgase ein Einfahrverbot für die dreckigsten Schiffe. „Die Erfolgsmeldungen der Branche dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein riesiges Abgasproblem auf die Hafenstädte zukommt“, sagte Nabu-Chef Leif Miller. Mit jedem weiteren Schiff nehme auch die lokale Schadstoffbelastung deutlich zu. Die Kreuzfahrtunternehmen unternähmen kaum etwas, um schädliche Abgase und die Verwendung von giftigem Schweröl auf hoher See zu verringern, kritisierte Miller. Der Chef von Hapag-Lloyd Cruises, Karl Pojer, widersprach dem.

Alle neuen Schiffe seien mit einer Abgasnachbehandlung ausgestattet, ältere Schiffe würden schrittweise nachgerüstet. Pojer wies darauf hin, dass Kreuzfahrer nur etwa ein bis zwei Prozent der Emissionen in den jeweiligen Häfen ausmachten. Ginge es nach dem Nabu, dürften künftig nur Schiffe den jeweiligen Hafen anlaufen, die mit Flüssiggas angetrieben werden oder mit Partikelfiltern und Stickoxidkatalysatoren ausgerüstet sind. Wegen der auch durch Autos verursachten Stickoxid-Belastung in Kiel hat die Deutsche Umwelthilfe eine Klage beim Verwaltungsgericht Schleswig eingereicht.

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