Krippe und Sportunterricht : Neues Leben in der Lessinghalle

Noch hängen Kabel von der Decke: Stefan Saleh erklärt, dass es künftig am alten Eingangstresen der Lessinghalle vorbei zu einem kleinen Bistro gehen wird.
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Noch hängen Kabel von der Decke: Stefan Saleh erklärt, dass es künftig am alten Eingangstresen der Lessinghalle vorbei zu einem kleinen Bistro gehen wird.

Kiels erstes, 1934 eröffnetes Hallenbad nimmt nach dem Umbau eine Krippe mit 80 Plätzen und eine Sporthalle für die benachbarte Humboldt-Schule auf. Die Kosten für das denkmalgeschützte Gebäude liegen bei 6,8 Millionen Euro.

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21. Juni 2015, 13:41 Uhr

Eigentlich mutete das Konzept der Stadt Kiel für die stillgelegte Lessinghalle widersinnig an. In dem seit Jahren stillgelegten Hallenbad am Knooper Weg sollten eine Kinderkrippe und eine Sporthalle für die benachbarte Humboldt-Schule entstehen. Zu hoch erschienen einigen Experten die Umbaukosten, zu schwierig die Auflagen insbesondere für den Betrieb von Kindertagesstätten. Jetzt haben die ersten kleinen Mädchen und Jungen mit ihren Erzieherinnen die Räume bezogen, im Herbst sollen die Humboldt-Schüler folgen – stolz meldet die Stadt Vollzug.

Das Projekt verschlingt Kosten in Höhe von 6,8 Millionen Euro, Fördermittel des Landes decken ein knappes Fünftel der Baukosten. Bildungsdezernentin Renate Treutel und Gabriele Wiesmann-Liese als Leiterin der städtischen Immobilienwirtschaft erinnern an die Ausgangslage vor ein paar Jahren. Für die unter Denkmalschutz stehende Lessinghalle, die 1934 bei der Eröffnung das erste Hallenbad in Kiel war und 2008 ihre Tore schloss, wurde eine geeignete Verwendung gesucht. Zur gleichen Zeit schnellte der Bedarf nach Krippenplätzen für unter dreijährige Kinder in die Höhe. Gerade in der Innenstadt aber herrschte Mangelware, Standorte mit abgeschirmter Grünzone waren und sind absolute Rarität.

Vor diesem Hintergrund erwuchs das neue Konzept für die Lessinghalle. Insgesamt 80 Kleinkinder werden in vier Gruppen im Nord- und im Südflügel künftig betreut, der Innenhof bietet Auslauf fern von Lärm und Gefahren des Autoverkehrs. Und die im Bau befindliche Sporthalle im Obergeschoss der Lessinghalle trägt dazu bei, dass die Humboldt-Schule wieder ausreichend Sportstunden anbieten kann: Handball, Volleyball, Basketball oder Badminton auf dem Großfeld, Turnen und Gymnastik auf dem abgetrennten Kleinfeld.

Für die neuen Aufgaben wurde die Lessinghalle komplett entkernt, wie Stadt-Architekt Stefan Saleh erklärte. Fundament, Mauerwerk und Geschossdecken wurden danach mit 50 Tonnen Betonstahl und 500 Kubikmeter Beton stabilisiert. Die vollständige Erneuerung von Heizung, Lüftung und Sanitäranlagen ging einher mit einer umfassenden Wärmedämmung. Die Ziegelfassade der Lessinghalle wurde ausgebessert, sämtliche 238 Fenster wurden ebenso ausgetauscht wie 148 Innen- und Außentüren.

Es gab schließlich – neben Krippenplätzen und Sportunterricht – noch ein drittes Argument für die Sanierung der Lessinghalle: die langlebige Nutzung des Gebäudes. Mit relativ einfachen und preiswerten Arbeiten könnten die Räume in den beiden Flügeln beispielsweise zu Büroräumen umgebaut werden. Doch das ist für Renate Treutel gegenwärtig nicht vorstellbar. Ganz im Gegenteil: Mit 80 Plätzen erwächst die Lessinghalle zur größten Krippe der Stadt – auf diese Betreuung kann die Stadt auf absehbare Zeit nicht verzichten.  

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