Neues Freizeitbad soll flexibel werden

Noch ist nicht viel zu sehen: Der Blick von der Gablenzstraße zeigt das Gelände, auf dem die rund 300 Meter lange Erschließungsstraße für die Baustelle entstehen soll. Die Bäume sind gefällt, mittlerweile wächst aber schon wieder das Gras. Foto: Strebos
Noch ist nicht viel zu sehen: Der Blick von der Gablenzstraße zeigt das Gelände, auf dem die rund 300 Meter lange Erschließungsstraße für die Baustelle entstehen soll. Die Bäume sind gefällt, mittlerweile wächst aber schon wieder das Gras. Foto: Strebos

"Schwimmbadgipfel" bei der Kieler Oberbürgermeisterin bringt einen neuen Plan hervor: Per Hub-Boden kann die Wassertiefe variiert werden

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13. Juni 2013, 03:59 Uhr

Kiel | Das neue Sport- und Freizeitbad an der Hörn erregt in vielerlei Hinsicht die Gemüter. Dass es gebaut wird, war lange Zeit umstritten, ist aber mittlerweile schon längst beschlossene Sache. Zuletzt entbrannte eine Diskussion über die Wassertiefe in dem neuen Bad. Ein kürzlich von Kiels Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) einberufener "Schwimmbadgipfel" brachte die Vertreter verschiedener Standpunkte an einen Tisch.

Die Lösung: Ein Hub-Boden soll die unterschiedlichen Bedürfnisse in Sachen Wassertiefe variabel befriedigen - die einer ersten Kalkulation zufolge entstehenden Mehrkosten von 535 000 Euro hält Gaschke für "vertretbar, wenn dadurch sichergestellt ist, dass alle zu ihrem Recht kommen. Ein solches Bad bauen wir ja wirklich für Jahrzehnte." Und für viele Menschen: Denn die neuen Schwimmbad-Kapazitäten sollen sowohl den Kieler Bürgern als auch dem Schulschwimmen, dem Schwimmsport und Touristen zur Verfügung stehen.

In der Diskussion ging es um 40 Zentimeter. Erste Planungen sahen an einem Ende des 50-Meter-Beckens lediglich eine Wassertiefe von 1,40 Metern vor. Dafür sprachen einerseits die geringeren Kosten, andererseits sollte sichergestellt werden, dass zusätzlich zum geplanten Lehrschwimmbecken genug Flachwasserfläche für Schwimmunterricht, Aquajogging sowie für die Bedürfnisse von älteren Menschen und Menschen mit Behinderung vorhanden ist.

Das jedoch passte dem Kreis schwimmverband (KSV) Kiel nicht. Die zu geringe Tiefe schränke Wettkampf- und Trainingsmöglichkeiten der Sport schwimmer in erheblichem Maße ein, hieß es seinerzeit vonseiten des KSV. Die Kieler Ratsversammlung beschloss letztlich Mitte Mai mit überwältigender Mehrheit durch die Stimmen von SPD, Grünen, SSW, CDU und FDP "die volle Wettkampffähigkeit des 50-Meter-Beckens nach den Vorgaben des Deutschen Schwimmsportverbandes" mit einer Wassertiefe von 1,80 Metern.

Daraufhin regte sich wiederum Kritik der Beiräte für Senioren und für Menschen mit Behinderung, die ausreichend Flachwasserfläche für die nicht ausschließlich sport- und wettkampforientierten Nutzer in Gefahr sahen.

Beim "Schwimmbadgipfel" erklärte der Kieler KSV-Vorsitzende Steffen Weber: "Bei mir haben sich etwas 20 Vereine gemeldet, die ganz erheblichen Bedarf an Trainingszeiten anmelden und die 1,80 Meter Wassertiefe einfach brauchen." Diesen Standpunkt konnte Jürgen Klagge, Vorsitzender des Seniorenbeirats, durchaus nachvollziehen: "Wenn Kiel einmal in 30 oder 40 Jahren ein solches Großprojekt angeht, muss es Hand und Fuß haben." Zugleich hob Klagge aber auch hervor, dass "Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderung andere Bedürfnisse haben als die Sportschwimmer."

Bianca Körtge, Vorsitzende des Beirates für Menschen mit Behinderung, betonte: "Inklusion bedeutet dabei nicht, den Menschen mit Behinderung ständig vorzuhalten, sie verteuerten Bauprojekte. Inklusion heißt, genau andersherum zu denken: Barrierefreiheit muss selbstverständlich sein, gerade bei einem Großprojekt. Denn Barrierefreiheit bedeutet letztendlich mehr Lebensqualität für alle Menschen in einer alternden Gesellschaft."

OB Susanne Gaschke fasste die konstruktive und engagierte Diskussion zusammen: "Einen tragfähigen Kompromiss zwischen allen Nutzergruppen bekommen wir nur hin, wenn wir die Planung des Bades flexibilisieren. Wir brauchen einen modernen Hub-Boden, der es ermöglicht, die Wassertiefe je nach Nutzung zu variieren." Mit dem Kompromiss waren auch die drei Gipfel-Gäste einverstanden: "Er ist ist gut für alle Kielerinnen und Kieler und wir alle stehen dahinter", erklärten Steffen Weber, Jürgen Klagge und Bianca Körtge.

Der Ball liegt nun wieder bei der Ratsversammlung. Denn die zusätzlichen Kosten von rund 535000 Euro, die zu der bisherigen Planungssumme von gut 23,2 Millionen Euro dazukommen, müssen den Rat der Landeshauptstadt passieren. Das Grundstück für das Badgelände wird von Herbst 2013 an für den Bau vorbereitet. Der Baubeginn für das Bad selbst ist für das Frühjahr 2014 geplant. 2016 soll alles fertig sein. Die stadteigene Bäder GmbH wird das Freizeitbad pachten. Dann können sich dort auch durch mögliche weitere Diskussionen erhitzte Gemüter in aller Ruhe im Wasser abkühlen.

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