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Architekten-Bund Protestiert : Neuer Wirbel um Niemeyer-Kapelle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der geplante Standort des Baus des Star-Architekten soll nun in der Wik entstehen. Doch schon jetzt gibt es Proteste.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2016 | 06:02 Uhr

Kommt sie nun oder kommt sie nicht nach Kiel, die seit Jahren geplante Erinnerungs-Kapelle nach einem Entwurf des brasilianischen Star-Architekten Oscar Niemeyer? Und wenn ja, wo soll der Gedenkort für die 228 Opfer des Air-France-Flugs von Rio de Janeiro nach Paris, knapp sieben Jahre nach dem Absturz, stehen? Neuester Vorschlag: Die Orchideenwiese im Kieler Stadtteil Wik nahe Tirpitzhafen, bekannt als Liegeplatz der „Gorch Fock“. Stadt und Interessengemeinschaft der Hinterbliebenen jedenfalls haben sich dafür ausgesprochen. Doch auch diese Idee stößt nach der abgelehnten Kuhwiese in Schilksee bereits auf Kritik. Nicht nur besorgte Anwohner, auch der Bund Deutscher Architekten (BDA) in Kiel tut sich schwer mit der jüngsten Entwicklung.

Die einen fürchten den verbauten Blick auf die Förde. Die anderen finden: Den Standort für einen Niemeyer-Entwurf kann man nicht beliebig wählen. Architekten des hiesigen BDA stellen gar die Echtheit des Entwurfs in Frage. So schrieben drei Fachleute um Jan O. Schulz, Vorsitzender BDA Schleswig-Holstein, in einem Offenen Brief an die Stadt und an die Kieler: „Das Verfahren zur Standortfindung über die Ortsbeiräte ist dem Namen und dem Werk von Oscar Niemeyer unangemessen.“ Und weiter: „Ein posthum auf Grundlage einer Skizze bzw. eines Modells für einen anderen Ort geplantes Bauwerk wäre kein echter Niemeyer, vielleicht nicht einmal wirklich Architektur, sondern allenfalls Design.“

Bereits vor mehr als fünf Jahren kamen die ersten Diskussionen um den Bau der Niemeyer-Kapelle in Kiel auf. Damals hatte der ursprüngliche Plan, den Glas-Kuppel-Bau auf der Kuhwiese im Landschaftsschutzgebiet in Schilksee zu errichten, für starke Proteste im Stadtteil gesorgt. Man fühlte sich vor vollendete Tatsachen gestellt, als Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) mit der Witwe des in Kiel geborenen und beim Absturz verunglückten Architekten Michael Kock, Fernanda von Oppersdorff, die Pläne vorstellte. Oppersdorff, die für viele Hinterbliebene spricht und von den Plänen einer Kapelle in Kiel nie ganz Anstand genommen zu haben scheint, hat heute nach Auskunft des Ortsbeiratschefs der Wik, Jürgen Engel, einen Besuch in Kiel geplant. Sie hält sich derzeit bedeckt. Die Stadtverwaltung kündigte für heute eine Stellungnahme an.

Engel, selbst Architekt, reagiert auf einzelne E-Mails von besorgten Wikern gelassen. Der Fördeblick bleibe erhalten, sagt der Grüne, da der Bau wohl am Rand platziert werden solle. Die Gedenkstätte habe eine „interessante Architektur“ und bereichere den Stadtteil. Da Fernanda von Oppersdorff im Juli keine Zeit habe und anschließend die Sommerpause ansteht, befasst sich der Ortsbeirat erst im September mit der Kapelle.

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