Neuer Campus für die Kunsthochschule

Im Kubus  im Knooper Weg sind Werkstätten und Bibliothek untergebracht. Foto: ts
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Im Kubus im Knooper Weg sind Werkstätten und Bibliothek untergebracht. Foto: ts

580 Studenten beginnen am 15. Oktober das Semester an der Legienstraße/Knooper Weg / Stadt kann sich Wohnungsbau in alten Gebäuden vorstellen

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01. Oktober 2012, 03:59 Uhr

Kiel | Es ist ein Umzug zurück zu den Wurzeln: Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit beginnt das Wintersemester für die rund 580 Studenten der Muthesius Kunsthochschule (MKH) am neuen Standort auf dem Dreiecksplatz zwischen Legienstraße, Wilhelminenstraße und Knooper Weg.

Die Innenstadtlage am Lorentzendamm, Langer Segen und an der Brunswiker Straße gebe man gern auf, um wieder einen richtigen Kunst-Campus zu haben, sagt MKH-Pressesprecherin Ursula Schmitz-Bünder. Die Gebäude am Lorentzendamm seien 1961 mit rund 180 Studenten bezogen worden - mittlerweile habe sich die Zahl mehr als verdreifacht. Man brauchte mehr Raum - mehr Raum vom Land, denn das mindert die Mietkosten in fremden Gebäuden. Außerdem seien die alten Flachdachbauten nicht mehr zeitgemäß, renovierungsbedürftig und zu verwinkelt. Damit das Land den Bau genehmigte, musste der für rund 18 Millionen geplante Bau deutlich reduziert werden - nur in den Kosten, nicht in der Größe. Wie das geht, wusste der damals neu gewählte Präsident der MKH, Professor Rainer W. Ernst, als Stadtplaner und Architekt am besten: Seine erste Amtshandlung war die Kostenminimierung auf 11,4 Millionen Euro, ohne an den Vorzügen zu sparen. So sind in der ehemals königlichen höheren Schiffs- und Maschinenbauschule an der Legienstraße (früher Fährstraße) Platz für die Materialien in den einzelnen Ateliers geschaffen worden, weil im Innenhof auf jeder Etage ein Seecontainer neben der Feuerleiter installiert wurde. Außerdem sind in dem Gebäude Seminar- und Vorlesungsräume.

Ein großer Zugewinn war auch das Kesselhaus in der Mitte des historischen Bauensembles: Hier findet die Mensa mit eigener Küche ebenso Platz wie ein großer Ausstellungsraum über alle Etagen im hinteren Teil. Im Verwaltungsgebäude, das auf den gesicherten Grundmauern eines alten Luftschutzbunkers errichtet wurde, ist im gläsernen unteren Teil ebenso Ausstellungsfläche und Versammlungsraum vorgesehen. "Das ist für uns ein echter Zugewinn", sagt Schmitz-Bünder, denn vorher gab es keine eigenen Ausstellungsflächen, sie mussten angemietet werden. Nicht im Besitz des Landes ist jetzt lediglich ein Flügel der alten Stadtwerkegebäude, die zusätzlich gemietet werden. An der Stelle der ehemaligen Sternwarte am Knooper Weg ist der neue Glaskubus errichtet worden, in dem die Werkstätten für Grafik, Keramik, Modell, Technik, Holz, Metall, die Druckerei und im obersten Geschoss die Bibliothek und Mediathek untergebracht sind. Der komplette Campus ist von allen Seiten auch für die Öffentlichkeit zugänglich und will der Anfang für ein aktives Künstlerviertel sein, das sich unweit der Lessinghalle entwickelt. Schmitz-Bünder: "Es ist wirklich eine Besonderheit, und darüber freuen wir uns sehr, dass in Zeiten klammer Kassen eine Hochschule umzieht und einen Neubau bekommt." Und dann an dem Ort, wo die MKH damals als Handwerkerschule mit kunstgewerblichen Fachklassen um 1909 schon einmal einzog.

Was passiert mit den Gebäuden am Lorentzendamm in bevorzugter Innenstadtlage? Vorerst nutzt die Kunsthochschule hier noch einen Gebäudeflügel, in dem die Schriftensammlung, das historische Archiv und das Handmagazin der Fachbibliothek für Kunstdesign und Architektur untergebracht ist. "Doch das ist nur eine Interimslösung bis die Stadt sagt, wir müssen hier raus", erklärt Schmitz-Bünder. Auch der riesige Brennofen im Außenbereich für große Werke zieht nicht mit um und wird weiter genutzt. Bei der Stadt nachgefragt, heißt es: "Die Stadt hat Gebäude und Gelände an das Land übertragen, solange es eine Hochschulnutzung dafür gibt. Jetzt ist das Land gefordert, zu erklären, was es mit den Gebäuden vor hat", erklärt Stadtsprecher Tim Holborn. Bisher liege der Stadt dazu noch nichts vor. Aber eine Idee gibt es natürlich schon in der Schublade - Wohnungsbau: "Wir wollen, dass Menschen in der Stadt wohnen und das Gebiet ist in einer 1a-Innenstadtlage." Doch bis 2013, so heißt es aus dem Kultusministerium, wollen die Bildhauer Teile der alten Gebäude noch nutzen, danach müsse neu entschieden werden.

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