Ausgestunken : Neue Toiletten braucht das Land

Im Gespräch mit Grundschülern: Ministerin Monika Heinold hört sich, welche Erfahrung der Nachwuchs mit der übel riechenden Schultoilette gemacht hat.
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Im Gespräch mit Grundschülern: Ministerin Monika Heinold hört sich, welche Erfahrung der Nachwuchs mit der übel riechenden Schultoilette gemacht hat.

Der Andrang im vergangenen Jahr war gewaltig. Deshalb wird das landesweite Programm „Go for Klo“ zur Sanierung der Schultoiletten jetzt mit 7,5 Millionen Euro fortgesetzt. Anders ausgedrückt: Große Politik fürs kleine Geschäft.

shz.de von
02. Februar 2018, 19:35 Uhr

Das landesweite Programm zur Sanierung der Schultoiletten wurde anfangs milde belächelt. Doch „Go for Klo“ wurde zum Renner, insgesamt zehn Millionen Euro spülte die frühere Küstenkoalition über das Land. Jetzt gibt es einen zweiten Durchlauf. Noch einmal 7,5 Millionen Euro sollen den dringenden Bedürfnisse abhelfen. An der Grundschule am Sonderburger Platz in der Wik betonte Finanzministerin Monika Heinold zufrieden: „Das kommt dabei heraus, wenn sich die große Politik ums kleine Geschäft kümmert.“

Das Problem ist seit Jahren bekannt und zehrt an den Nerven von Lehrern, Schülern und Eltern: Auf vielen Schultoiletten stinkt es fürchterlich, der beißende Uringeruch ist selbst bei hartnäckiger Reinigung nicht zu beheben. Architekt Jörg Behrmann vom Büro Hochfeldt & Partner erklärt: Alles, was im Laufe der vergangenen Jahrzehnte neben die Schüssel geflossen ist, drang über die Fliesenfugen in den Untergrund ein. Weshalb es mit dem Auswechseln von Rohrleitungen und Keramik nicht getan ist. Es bedarf der grundlegenden Sanierung und neuartiger Technik, will man in wenigen Jahren nicht wieder die gleiche schlechte Luft haben.

Unter den Urinalen sind deshalb Edelstahl-Rinnen vorgesehen, die regelmäßig durchgespült werden. Der Fußboden erhält statt der Fliesenlandschaft eine homogene Fläche über dem Estrich, außerdem verschwinden die Bodeneinläufe – in vielen Schulen ein heikler Herd der Gestanksentwicklung.

Kiels Stadträtin Renate Treutel will sich ebenfalls nicht damit abfinden, dass sich die Schultoiletten häufig zu einem „Ort des Ekels“ entwickelt haben. Sie begrüßt natürlich das landesweite „Go-for-Klo“-Programm. Angesichts von Ganztagsunterricht und Nachmittagsbetreuung müsse man zugleich über bessere Reinigungsintervalle nachdenken. Nicht umsonst hat die Ratsversammlung 700 000 Euro zur Verfügung gestellt. Renate Treutel weiß sich einig mit Gabriele Wiesmann-Liese von der städtischen Immobilienwirtschaft: „Saubere Toiletten bestehen zu jeweils einem Drittel aus der Reinigung, der Technik und der Pädagogik.“

68 000 Euro kostet die Sanierung am Sonderburger Platz, 41 000 Euro ünernimmt das Landesprogramm. Schulleiterin Heidrun Fischer freut sich, hat aber jetzt ein Problem: „Wie bringe ich es meinen Mädchen bei?“ Denn erneuert werden zunächst nur die Jungen-Toiletten, der Anteil der Falschpinkler ist bei ihnen viel größer. Mit der Neuauflage von „Go for Klo“ könnte aber auch die Stunde der Mädchen schlagen. Und das wäre der Beginn einer ganz neuen Toilettenkultur.

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