Kieler Sommeroper : Neue Töne bei den Marinefliegern

Das rote Seil markiert  die Ausmaße der Tribüne. 950 Besucher werden vor der neuen Bühne auf dem MFG-5-Gelände direkt neben der Förde Platz finden.
1 von 2
Das rote Seil markiert die Ausmaße der Tribüne. 950 Besucher werden vor der neuen Bühne auf dem MFG-5-Gelände direkt neben der Förde Platz finden.

Weil der Rathausplatz als Standort der Sommeroper ausfällt, wird die Bühne für die Sommeroper in dieser Saison auf dem MFG-5-Gelände errichtet. Das hat seine guten Seiten, immerhin genießen die Gäste einen exklusiven Fördeblick.

shz.de von
13. März 2018, 19:28 Uhr

Bau-Arbeiten in der Kieler Innenstadt wegen der Anlage des künftigen „Holsten-Fleets“: Das bedeutet Straßensperrungen und Umleitungen für Autos und Busse. Und es bedeutet auch, dass der Rathausplatz als Austragungsort der beliebten Sommeroper vorläufig nicht zur Verfügung steht. Ein Ausweichquartier wurde dringend gesucht. Gestern stellte Theaterintendant Daniel Karasek das Ergebnis der Suche vor. Auf dem verwaisten Gelände des Marineflieger-Geschwaders 5 (MFG 5) zwischen Holtenau und Friedrichsort findet am Freitag, 29. Juni, die Premiere für „Was Ihr wollt“ von Shakespeare statt.

Die Sommeroper gehört seit Jahren zu den beliebtesten Angeboten des Kieler Theaters. Das hat mehrere Gründe. Es handelt sich jeweils um eine besondere Inszenierung, die – im Jahreswechsel vom Schauspielhaus und vom Opernhaus – für die Open-Air-Saison auf die Bühne gebracht wird. „Turandot“ bescherte dem Theater Kiel im vergangenen Jahr ebenso viel Lob wie Schillers „Räuber“ im Sommer 2016.

Beim Schiller-Klassiker sorgten die Musiker der Band „Kettcar“ für eine rockige Vertonung. Auch für Shakespeare ist eine exklusive Musik in Arbeit. Martin Tingvall vom Tingvall-Trio (zu hören übrigens am Mittwoch, 28. März, im Schauspielhaus) und die Texterin Regy Clasen feilen an balladenhaft-jazzigen Songs, die sich zum Steppen und Tanzen eignen.

Die Kieler Sommer-Oper genießt auch deshalb hohes Ansehen, weil zeitgleich zur Premiere Übertragungen in die Stadtteile stattfinden. Diese „public viewings“ sind kostenlos und geben der Kieler Sommeroper ein Alleinstellungsmerkmal. So nahmen im vergangenen Jahr vor der Leinwand auf dem Vinetaplatz im Stadtteil Gaarden 2500 Opernfreunde an weißgedeckten Tischen Platz. In Mettenhof waren es rund 1500 Zuhörer. Publikumsspitzenreiter waren der Bootshafen und der Blücherplatz mit 3000 und 5000 Menschen. Mit Preetz und Friedrichsort kamen im fünften Jahr der Opern-Übertragung zwei weitere Orte hinzu, hier wurden jeweils 1500 Gäste gezählt. Rechnet man die zahlenden Besucher bei den Vorführungen auf der Live-Bühne hinzu, haben 25 000 Menschen das Open-Air-Spektakel genossen – das Kieler Theater schmückt sich mit einem Weltrekord.

Das Ende der Fahnenstange ist womöglich noch nicht erreicht. Denn die Tribüne auf dem MFG-5-Gelände wird mit 950 Plätzen deutlich größer ausfallen als auf dem Rathausplatz. Die Besucher genießen zudem einen exklusiven Blick auf die Förde. Intendant Karasek erinnert daran, dass das Shakespeare-Stück auf der Trauminsel Illyrien spielt. „Wo in Kiel könnte das Open-Air-Musical besser stattfinden?“, fragt er rhetorisch und gibt gleich die Antwort: Nirgendwo.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen