Historie : Neue Ansätze für die Kieler Stadtgeschichte

Bild mit Symbolcharakter: Neue Impulse wollen Rolf Fischer und Annette Wiese-Krukowska mit Büchern und Veranstaltungen in der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte liefern.
Bild mit Symbolcharakter: Neue Impulse wollen Rolf Fischer und Annette Wiese-Krukowska mit Büchern und Veranstaltungen in der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte liefern.

Die Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte mit ihren 1500 Mitgliedern will sich neu aufstellen. Der neue Vorstand will mit besseren Strukturen für den Nachwuchs, originellen Veranstaltungen und eigenen Erinnerungsorten Geschichte greifbarer machen.

shz.de von
28. August 2018, 19:15 Uhr

Das Interesse an historischen Themen ist riesig. Das spüren nicht nur TV-Sender wie Arte mit ihren Dokumentationen, das weiß auch die Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, einer der ältesten Vereine der Stadt. Bereits 1875 gegründet, zählt die Gesellschaft heute nahezu 1500 Mitglieder. Nach dem Rückzug des langjährigen Leiters Jürgen Jensen hat der Verein mit dem früheren SPD-Kreisvorsitzenden und Ex-Staatssekretär Rolf Fischer einen neuen Vorsitzenden, ihm zur Seite steht Stadtsprecherin Annette Wiese-Krukowska. Das neue Führungsduo hat seinen Arbeitsplan vorgelegt – und dieses 5-Punkte-Programm kann durchaus als Zäsur verstanden werden.

So will der Verein der jüngeren Generation mehr Gewicht verschaffen. Die Gründung der „Jungen Gesellschaft“ soll nicht nur den Nachwuchs stärker einbinden, sie soll auch die Digitalisierung vorantreiben. Die Kompetenzen der U-30-jährigen Mitglieder „werden bislang nicht abgerufen“, gesteht Fischer ein.

„In guter Gesellschaft“ ist der Arbeitstitel einer neuen Veranstaltungsreihe. An ungewöhnlichen Orten soll künftig ungewöhnliche Referenten ein bis zwei Mal jährlich Vorträge halten – etwa zu der Frage, wie sich historische Themen in den Medien präsentieren lassen.

Die beiden neuen Vorsitzenden wollen sich auch für „Erinnerungsorte“ stark machen, Plätze also, an denen die Historie förmlich mit Händen zu greifen ist. Das Denkmal „Gesprengte Ketten“ im Ratsdienergarten zur Erinnerung an den Matrosenaufstand 1918 wäre solch ein Beispiel, leider steht es für Fischer am falschen Ort. Erhält das Denkmal mehr Aufmerksamkeit, könnte man hier Stadtgeschichte exemplarisch und anschaulich erzählen.

Die Rebellion von 1918, die bekanntlich zur Abdankung des Kaisers, zum Ende des 1. Weltkriegs und zur Errichtung der deutschen Republik führte, wird in diesem Jubiläumsjahr ausführlich gewürdigt. Aber es gibt laut Fischer durchaus weiße Flecken in der historischen Forschung. Die Nachkriegsjahre ab 1945 zählt er dazu oder die Rolle Kiels im deutsch-dänischen „Grenzkampf“ von 1920. Das sehen etliche (Hobby-)Historiker ebenso. Acht Buchvorschläge liegen der Gesellschaft für Veröffentlichungen im kommenden Jahr vor – so viele waren es selten.

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