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Einsatz für andere : Nettekieler: Ehrenamt von A bis Z

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

520 Angebote für freiwilliges Engagement hält die Datenbank von Alexandra Hebestreit und ihren Mitarbeitern bereit.

von
erstellt am 02.Mai.2017 | 10:31 Uhr

Wer sich ab und zu aus seinem Büro raus aufs Meer in die Masten einer alten Kogge träumt, wer immer schon mal mit Pferden arbeiten wollte, aber nie die Gelegenheit dazu hatte, oder wer einfach mal raus möchte aus dem Alltagstrott – der ist bei Alexandra Hebestreit genau richtig. Denn die 48-Jährige leitet seit zwei Jahren das Nettekieler-Ehrenamtsbüro im Neuen Rathaus.

Ob nur für wenige Stunden im Jahr oder regelmäßig, ob als Lernpate, Seniorenbetreuer, Helfer auf einem Segelkutter oder als Unterstützung beim Ponyreiten für Kinder – Mit aktuell 520 Angeboten für das ehrenamtliche Engagement hat Alexandra Hebestreit für jeden Geschmack etwas dabei. „Sich ehrenamtlich zu betätigen hat eigentlich nur Vorteile“, erklärt die Büro-Leiterin. „Man kann sich aussuchen, was man gern in welchem Umfang machen möchte, man kann völlig neue Bereiche kennen lernen oder seine Expertise einbringen.“ Außerdem kann man die Tätigkeit jederzeit beenden, wenn sie keine Freude mehr bereitet. „Es kann einen ja niemand dazu zwingen.“

Insgesamt 260 Organisationen und Vereine von der Zwei-Mann-Initiative bis zum Deutschen Roten Kreuz sind mit dem Nettekieler-Büro vernetzt. Entsprechend breit ist das Angebots-Spektrum mit insgesamt elf verschiedenen Kategorien von Bildung über Umweltschutz bis zur Flüchtlingshilfe. Umso wichtiger ist darum die persönliche Beratung im Nettekieler-Büro, betont Alexandra Hebestreit. Auf der Nette-Kieler-Internetseite können sich Interessierte mithilfe von ausgewählten Angeboten – allerdings ohne Adresse – einen ersten Überblick verschaffen. Im persönlichen Gespräch grenzen die Nettekieler-Berater die Angebotspalette dann für den Interessenten ein. Dazu berücksichtigen sie etwa die Qualifikationen, die Interessen und Hobbys der Ehrenamt-Suchenden.

„Viele Lehrer wollen gern dasselbe machen wie in ihrem Berufsleben und werden beispielsweise Sprachpaten oder lesen Kindern vor.“ Andere dagegen wollen sich in Bereichen einbringen, die mit ihrem Alltag gar nichts zu tun haben, „wie Programmierer, die gern im Garten arbeiten wollen.“ Mit den gesammelten Informationen wählt der Berater passende Angebote inklusive Ansprechpartner und Adressen aus. Danach entscheidet der Interessierte selbst, ob er den Kontakt zum jeweiligen Anbieter sucht.

Die größte Gruppe, die sich im Nettekieler-Büro beraten lässt, ist die der 20- bis 30-Jährigen. „Das sind häufig diejenigen mit Zeit und ohne Familie“, erklärt Alexandra Hebestreit. Aber auch die Senioren engagierten sich immer stärker: „Es gibt so viele fitte Senioren, die noch 20 Jahre arbeiten könnten und wollen und ihre Dienste der Gesellschaft zur Verfügung stellen möchten.“ Aber auch für Langzeitarbeitslose lohnt sich der Blick ins Nette-Kieler-Büro. „Viele Menschen rutschen über das Ehrenamt ins Hauptamt“, weiß die Kunsthistorikerin. „Und Ehrenamt hat zudem viel mit Anerkennung, dem Sammeln von Erfahrungen und Netzwerken zu tun.“ Im Jahr 2015 – mit dem Beginn der Flüchtlingskrise – ist die Zahl der Angebote und Interessenten explosionsartig angestiegen, erinnert sich Alexandra Hebestreit. Dieser Aufschwung habe sich jetzt wieder etwas normalisiert, „aber ohne das Ehrenamt wäre die Integration in vielen Städten anders gelaufen. Wir hatten wirklich eine Willkommenskultur und Kiel war da ganz vorn.“ So kommt es auch, dass das Ehrenamt eine größere Bedeutung in der Gesellschaft erlangt hat.

Voraussetzungen für den unentgeltlichen Einsatz gibt es nicht, versichert die gebürtige Wittenerin: „Es gibt überhaupt keine Einschränkungen. Wir hatten schon Interessierte im Rollstuhl und Menschen, die nicht besonders gut deutsch gesprochen haben, die etwas für sich gefunden haben.“

Und auch für Vielbeschäftigte gibt es künftig keine Ausrede mehr: „Es gibt so viele verschiedene Ehrenämter, die auch mit sehr wenig Zeitaufwand funktionieren“, sagt Hebestreit. „Das Ronald-McDonald-Haus zum Beispiel sucht für das alljährliche Sommerfest häufig Helfer nur für diesen einen Tag im Jahr.“

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