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Neues Konzept : "Nette Toilette" in Kiel: Kleines Geschäft gratis?

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In der Stadt unterwegs - und weit und breit kein öffentliches WC? Kiel soll die "nette Toilette" bekommen. Das Prinzip: Geschäftsleute und Gastronomen öffnen ihre Toiletten.

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2013 | 01:46 Uhr

Kiel | Probleme mit dem "mal Müssen" könnten in Zukunft in der Innenstadt der Vergangenheit angehören. Kiel soll die "nette Toilette" bekommen. Dafür haben sich jetzt SPD und Grüne im Innen- und Umwelt-Ausschuss stark gemacht. Fraktionsübergreifend ernteten sie dafür Unterstützung. Nun soll die Verwaltung die Beteiligung an dem Konzept prüfen - und in der kommenden Sitzung Kosten und Nutzen darlegen. Auch Gastronomen sollen im Vorfeld ihre Meinung dazu äußern.
Andere, kleinere Städte im Norden machen es bereits vor. In Lübeck, Kaltenkirchen und Bad Segeberg stellen Geschäfte und Lokale ihre WCs der Öffentlichkeit zur Verfügung. Damit sparen die Stadtverwaltungen enorme Kosten für Bau und Unterhaltung öffentlicher Klos ein. Und die Gastronomen und Handelsleute erreichen so potenzielle Kundschaft, die sonst vielleicht nicht gekommen wäre. Für den Mehraufwand erhalten die Betreiber dann eine finanzielle Entschädigung.

Vorbild Rendsburg


Die Idee stammt von der Stadt Aalen in Baden-Württemberg. Im Süden ist sie schon weiter verbreitet. Ist das also die Lösung für zu viele Klagen über zu wenige WCs? Im Kieler Stadtgebiet stehen 14 Anlagen bereit - doch die sind punktuell verteilt nicht immer zentral zu erreichen. Offenbar reichen sie auch nicht, weil viele Passanten immer wieder für die Verrichtung ihrer Notdurft in umliegenden Geschäften nachfragen. Das zumindest berichtet Axel Bauerdorf von Kiel Marketing. Er fügt jedoch hinzu: "Der Service ist schon sehr gut. Aber es spricht ja nichts dagegen, das Angebot noch weiter auszubauen. Die Idee ist eine schöne Sache für Kiel, wenn die Geschäftsleute sich beteiligen. Alle können davon nur profitieren." Die Ratsfraktionen der SPD und Grünen erhoffen sich darüber hinaus eine Steigerung der Attraktivität für den Tourismus.
Und die Erfahrungen anderer Städte sind gut, wie das Beispiel Rendsburg zeigt. Die Stadt am Nord-Ostsee-Kanal hat im August 2011 ein eigenes Gratis-Toiletten-Angebot initiiert - nachdem eine öffentliche Einrichtung direkt in der Altstadt geschlossen worden war. In der Bevölkerung war dies auf massiven Protest gestoßen. Das Prinzip ist dasselbe, nur der Name leicht abgeändert: "Friendly WC" heißt das System in der Innenstadt. "Wir konnten so die 1000 Euro Schutzgebühr sparen, die man einmalig für die Verwendung des "Nette-Toilette"-Logos zahlen muss", erklärte Stadtkämmerer Herwig Schröder gestern auf Nachfrage. Und: "Die Erfahrungen sind durchweg positiv." Rückmeldungen habe es nämlich keine Gegeben. Das wertet er als Erfolg: "Die Diskussion wegen des Wegfalls des WCs ist aus der Welt."
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