Nandus wissen, wo der echten Norden liegt

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23. Juni 2015, 17:12 Uhr

Die hatte noch gefehlt in der Sammlung. Die Kleine Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Barbara Ostmeier zum Thema „Hundeschulen in Schleswig-Holstein“. Nach regierungsamtlichen Recherchen bei den Kreisveterinärämtern und bei unteren Bauaufsichtsbehörden, steht jetzt fest, dass die Regierung - keine Informationen hat. Jedenfalls keine über „kommunal eingerichtete Hundefreilaufflächen.“ Auch danach war gefragt worden.

Das Parlament in Kiel – jetzt auf den Hund gekommen? Nicht nur darauf. Recherchen wie Beobachtungen unserer Zeitung ergaben: Nie zuvor haben sich Abgeordnete eines Landtags in Kiel so tierlieb gezeigt wie heute. Man könnte auch sagen: Das Parlament ist zum „Willi will’s wissen“ über die Fauna zwischen Nord- und Ostsee mutiert“.

Grzimek und Sielmann jedenfalls würde das Herz höherschlagen: Fast drei Dutzend tierbezogene Initiativen gab es allein in den vergangenen zwölf Monaten. Man kümmerte sich um die fraglos herzlose massenhafte Tötung männlicher Küken oder die Kastration von Katzen, spürte Gänsen und Wölfen nach, sorgte sich um Bienen und – unter Parlamentsdrucksache 18/2547 – um die Tötung von Robustrindern. Ein Fischgutachten gab es und eine Initiative zum Blei im Wildfleisch, man spürte Seeadlern nach und hinterfragte die ziemlich teure Wiederansiedlung des Goldenen Scheckenfalters.

Als Tierfreund besonderer Qualität trat der FDP-Fraktionsvize Christopher Vogt in Erscheinung als er sich nach „Geschwindigkeitsbeschränkungen zur Vermeidung von Kollisionen mit Individuen der vorkommenden Fledermauspopulationen in Schleswig-Holstein“ erkundigte.

Und gemeinsam mit seinen Parteifreund Oliver Kumbartzky spürte Vogt daneben „freilebender Nandus in Schleswig-Holstein“ nach. Der Antwort des Umweltministers verdanken wir die Erkenntnis, dass es einst in einem illegalen Privatgehege im Kreis Herzogtum Lauenburg tatsächlich drei männliche und vier weibliche Nandus gab. Die kamen frei, überquerten sodann die benachbarte Wakenitz und „gelangten nach Nordwestmecklenburg“.

Beruhigend: Die ungenehmigte Nanduhaltung wurde zwischenzeitlich von Amts wegen aufgelöst. Nicht so beruhigend: Die entkommenen Tiere „gelangten in Mecklenburg-Vorpommern zur Fortpflanzung. Einzelne Exemplare kehrten daraufhin nach Schleswig-Holstein zurück“. Auch ein Nandu weiß halt, wo der echte Norden ist, könnte man sagen. Der allerdings hat auch Nachteile: Und zwar nicht nur wegen des Straßenverkehrs, die armen Viecher leiden auch unter ungünstigen Witterungseinflüssen – hier wäre wohl Italien die bessere Fluchtalternative gewesen.

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