Kieler Aktivisten : Nach Ultimatum: Wagengruppe Schlagloch räumt Gelände in Gaarden

Die Aktivisten campierten im Mai auf dem Rathausplatz.
Die Aktivisten campierten im Mai auf dem Rathausplatz.

Die Räumungsaufforderung der Stadt Kiel hat Wirkung gezeigt. Wohin die Gruppe jetzt gezogen ist, ist noch unklar.

shz.de von
12. Juni 2018, 11:25 Uhr

Kiel | Die Aktivisten der Wagengruppe Schlagloch haben ihren jüngsten Stellplatz an der Ernestinenstraße in Kiel Gaarden noch vor Ablauf des Ultimatums der Stadt geräumt: Sie sollten den Ort bis Montagmittag verlassen, am Morgen waren sie verschwunden. Die Gruppe fordert von der Stadt nach wie vor eine „alternative Fläche zur aktiven Gestaltung von Lebensraum“.

Auf dem Areal der Ernestinenstraße, das der Stadt gehört, soll in Zusammenarbeit mit einem Investor eine Kita gebaut werden. Die Aktivisten erklärten sich solidarisch mit der Waldorf-Initiative. Sie wollten ursprünglich bis Baubeginn auf dem Platz bleiben. In ihrem Blog erklärten sie dazu: „Auf der Fläche ist der Bau einer Kindertagesstätte geplant, der allerdings durch den selben bürokratischen Wahnsinn verzögert wird, gegen den auch wir kämpfen.“

Der erzwungene Umzug der Wagengruppe ist der zweite in kurzer Zeit, erst vergangene Woche mussten sie den Seitenstreifen in der Diedrichstraße räumen, da sie den Parkstreifen „ohne Sondernutzungserlaubnis“ nutzten, wie sie in ihrem Blog mitteilten.

Die Aktivisten hatten im vergangenen Jahr eine Möbel-Kraft-Ausgleichsfläche besetzt. Die Polizei räumte das Areal. Nach monatelangem Hin und Her siedelte die Wagengruppe sich im Winter in Kiel-Wellsee an der Edisonstraße an. Die Stadt habe den Aktivisten diesen Stellplatz laut Kieler Nachrichten auch weiter anbieten wollen. Die Aktivisten zogen allerdings in Richtung Innenstadt und dort von der Hörn aus zu diversen anderen Orten im Stadtgebiet.

Beide Seiten, Stadt und Aktivisten, beklagen die mangelnde Gesprächsbereitschaft der jeweils anderen Seite. Gegenüber der Kieler Nachrichten äußerte sich Stadtsprecherin Annette Wiese-Krukowska: „Nach einer Politik der Nadelstiche seitens der Wagengruppe, sieht sich die Stadt nicht mehr am Zug, auf sie zuzugehen.“ Gemeinsam getroffene Absprachen müssten eingehalten werden. Ob und wie Gespräche auf der Suche nach einem geeigneten Wagenstellplatz fortgesetzt werden können, sei völlig offen. 

Die Wagengruppe dagegen erklärte in einem Blogeintrag Ende Mai ihre häufigen Standortwechsel: „Mit den Aktionen der letzten Wochen haben wir durch vorübergehende Präsenz auf verschiedenen Flächen, die unsererseits vorher ausdrücklich kommuniziert wurde, auf Missstände und unsoziale Fehlplanungen der Stadt Kiel in Bezug auf die Schaffung bezahlbaren Wohnraums hingewiesen.“

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