zur Navigation springen

Kiel-Schilksee : Nach Tod einer Rentnerin erneut mehrjährige Haftstrafen für Brüder

vom

Bei einem Raub stirbt in Kiel eine 82-Jährige an einem Asthmaanfall. Über vier Jahre später werden die angeklagten Brüder erneut zu langjähriger Haft verurteilt - es war der dritte Prozess in dem Fall.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2015 | 19:07 Uhr

Kiel | In der dritten Auflage eines Prozesses um den Tod einer 82 Jahre alten Frau bei einer Raubserie in Kiel-Schilksee hat das Landgericht zwei Brüder erneut zu langen Haftstrafen verurteilt.

Die Männer müssen nach dem Urteil vom Donnerstag wegen schweren Raubs in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub und fahrlässiger Tötung hinter Gitter. Die Seniorin war bei dem Überfall im Februar 2011 qualvoll an einem Asthmaanfall in ihrer Wohnung gestorben. Einer der Brüder wurde jetzt zu zehn Jahren Haft verurteilt, der andere zu acht Jahren und sechs Monaten. Dies entspricht fast genau dem Strafmaß bei der letzten Verurteilung im vergangenen Jahr.

Der gefesselte Ehemann hatte die Räuber mehrfach vergebens angefleht, seine Frau das Atemgerät benutzen zu lassen und den Notarzt zu alarmieren. Die Männer wurden erst Monate später mit dem bis dahin größten Massen-Gentest in Schleswig-Holstein aufgespürt.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte die Urteile von 2013 und 2014 mit unterschiedlicher Begründung aufgehoben. Das erste Mal war demnach das Gericht fehlerhaft besetzt. Das zweite Mal war dem BGH die Frage nicht genügend geklärt, ob die Angeklagten die akute Lebensgefahr, in der die alte Dame schwebte, hätten erkennen können und leichtfertig beziehungsweise gleichgültig darüber hinweggingen.  Die ansonsten geständigen Brüder betonten auch im dritten Prozess, sie hätten bei dem Raubzug in der Wohnung des Ehepaares keine Anzeichen für die akute Atemnot der asthmakranken Frau gehabt. Sie bestritten auch, der alten Dame minutenlang die Nutzung ihres Inhalationsgerätes verweigert zu haben. Vielmehr habe er nach dem ersten Hinweis des Mannes sofort erlaubt, das Inhalationsgerät zu benutzen, hatte der ältere Angeklagte zu Prozessauftakt gesagt.

In diesem Verfahren hatte die Kammer im Hinblick auf den Tod der Frau zu prüfen, ob ein besonders hoher Grad von Fahrlässigkeit vorlag und sich die Möglichkeit des Todes aufgedrängt habe, erläuterte ein Gerichtssprecher. Dies sei nicht mit letzter Sicherheit festgestellt worden. Der Sachverständige habe nicht ausreichend sicher klären können, ob die Frau noch zu retten gewesen wäre, wenn sofort Hilfe gerufen worden und das Sauerstoffgerät zugelassen worden wäre. Der Richter sprach von einem Grenzfall, wie der Sprecher sagte.

Die Brüder hatten ausgesagt, das Geschehen habe sich innerhalb weniger Minuten abgespielt. Als die Frau reglos zu Boden rutschte, seien sie in Panik geflohen. Weder Sanitäter noch Notarzt konnten das Opfer wiederbeleben. Die Raubserie hatte ältere Menschen von August 2010 bis Februar 2011 monatelang in Angst und Schrecken versetzt. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert