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Nach Bürgerarbeit: Stadt schafft 25 Jobs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bundesprojekt läuft aus / Stadt Kiel, TuS Gaarden, Stadtmission und Jobcenter geben Langzeitarbeitslosen ab 1. Oktober eine Chance

Sie sollten zusätzlich und gemeinnützig sein, die Bürgerarbeitsplätze, die vor drei Jahren vom Bund ins Leben gerufen wurden und von vornherein bis Ende dieses Jahres befristet waren. Das Projekt sollte eine Chance für Langzeitarbeitslose mit „multiplen Vermittlungsschwierigkeiten“ sein, sie wieder fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen.

In Kiel gab es zu Spitzenzeiten rund 200 Bürgerarbeiter, zahlreiche davon waren in den Problemstadtteilen der Landeshauptstadt engagiert. 21 von ihnen haben laut Jobcenter Kiel den Absprung in eine sozialversicherungspflichtige Anstellung geschafft. 77 Verträge für Bürgerarbeitsplätze laufen noch und zahlreiche von ihnen werden vermisst werden, wenn am Vinetaplatz keiner mehr als Ansprechpartner für die Oma da ist, die sich nicht durch das Szeneklientel in die Sparkassenfiliale traut. Die „City Supporter Gaarden“ hatten sogar Unterschriften gesammelt – letztlich mehr als tausend für den Erhalt ihrer Stellen. Doch die Antwort von Stadt und Jobcenter sinngemäß: „Es ist im Einzelfall immer ein trauriges Schicksal, aber das Projekt war von vornherein nur auf drei Jahre angelegt und wir als Kommune können keine 200 Arbeitsplätze finanzieren.“

200 nicht – aber für 25 sieht es gut aus. Die Stadt ist derzeit in Verhandlungen mit der Stadtmission, dem Jobcenter und TuS Gaarden, dem Träger des Sport- und Bewegungsparks im Problemviertel. Karsten Böhmke, Jobcenterchef in Kiel bestätigt: „Arbeitsbeginn ist der 1. Oktober.“ Die Verträge der Bürgerarbeiter, die bisher im Sport- und Bewegungspark für gefühlte Sicherheit gesorgt haben und Ansprechpartner waren, sind schon ausgelaufen. Die 25 Stellen werden mit neuen Langzeitarbeitslosen besetzt. Aber alle Bürgerarbeiter kommen dafür nicht in Frage, wenngleich die Menschen vor Ort schon eingearbeitet wären. Der Grund: die Rechtsprechung. Böhmke erklärt: „Wer drei Jahre mit Bundesmitteln finanziert wurde, kann in keine Anschlussmaßnahme oder Stelle, die ebenfalls zu 75 Prozent finanziert wird.“ So sieht das Konzept aus: 25 Langzeitarbeitslose, die Kriterien dürften ähnlich wie die für die Bürgerarbeitsplätze sein, bekommen eine Chance, wenn der TuS sie in Zusammenarbeit mit den Partnern einstellt. Nimmt der TuS Langzeitarbeitslose des Jobcenters Kiel, werden diese mit 75 Prozent Arbeitgeberzuschüssen finanziert. Heißt: Stadt, TuS oder andere potentielle Arbeitgeber müssen nur noch ein Viertel finanzieren. Der Haken: Auch das Arbeitsverhältnis ist befristet – auf sechs Monate oder ein Jahr.

Ein Tropfen auf den heißen Stein? Böhmke formuliert es so: „Die Menschen sollen ja langfristig in den ersten Arbeitsmarkt kommen und nicht ständig in der Förderspirale kreisen.“ Auch andere hätten die Chance verdient. Denn wenn für XY die Förderung nach einem Jahr wegfällt, wird der Platz für den nächsten Langzeitarbeitslosen frei, der wieder befristet gefördert werden könnte.

Sozialdezernent Gerwin Stöcken freut sich über die Zusammenarbeit: „Das Angebot im Sport- und Bewegungspark ist zu einer echten Größe geworden, schwer verzichtbar. Das Besondere ist, dass wir so endlich einen Ansprechpartner vor Ort haben. Mitnichten sind diese Menschen Polizei- oder Ordnungshüter-Ersatz.“ Das betont Stöcken, weil eine Grundbedingung für die Bürgerarbeitsplätze war, dass sie keine andere Arbeit wegnehmen und verzichtbar sein sollen. Das scheint aus dem Stadtteil heraus nicht mehr der Fall. Stöcken: „Wir wollen nicht sagen, dass wir ohne die Schwächsten der Schwachen nicht funktionieren. Aber wir helfen jetzt gern mit, den Menschen eine Chance zu geben, sich zu entwickeln.“ Aus seiner Zeit beim Arbeitsamt weiß Stöcken, in welches Loch die Menschen nach einer solchen Beschäftigung fallen, wenn keine Anschlussmöglichkeit greifbar ist. „Das ist das ganz normale Problem der Arbeitsmarktmaßnahmen, dass immer ein Gefühl von Ungerechtigkeit ausgelöst wird,“sagt Stöcken. Bei 22 000 Arbeitslosen in Kiel bleibe es auch sozialpolitisch ungerecht, wenn nur 25 Plätze geschaffen werden, die auch noch zeitlich befristet sind. Aber immerhin, wie Böhmke findet: „Man muss das so sehen: Die Bürgerarbeitsplätze haben letztlich 25 richtige Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt geschaffen.“

Wie geht es mit den Bürgerarbeitern weiter, die auf der Strecke geblieben sind? Böhmke: „Wir bieten individuelle Coachings für jeden einzelnen an, um Stärken zu nutzen und gegebenenfalls durch Qualifizierungsmaßnahmen wie einem Führerschein die Chancen auszubauen. Das große Ziel ist der erste Arbeitsmarkt.“ 92 Kunden nutzen dies laut Jobcenter.

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erstellt am 09.Sep.2014 | 04:59 Uhr

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