Prozess in Kiel : Mutter mit Golfschläger erschlagen - 50-Jähriger vor Gericht

Im Wahn soll ein Mann seine Mutter getötet haben. Die Anklage geht davon aus, dass er schuldunfähig ist.

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10. Dezember 2014, 10:53 Uhr

Kiel | (Zusammenfassung 1600 - mit Aussagen des Bruders) Mutter mit Golfschläger getötet - Bruder warnte vergeblich von Karen Katzke, dpa =  Mit mindestens 20 wuchtigen Golfschläger-Hieben soll ein 50-Jähriger seine Mutter getötet haben. Nun muss er wahrscheinlich dauerhaft in die Psychiatrie. Sein Bruder hatte die Mutter vergeblich gewarnt. Kiel (dpa/lno) -

Mit Golfschlägern und offenbar im Wahn hat ein 50-jähriger Kieler seine Mutter erschlagen. Die 71-Jährige starb an über 20 wuchtigen Hieben. Seit Mittwoch muss sich ihr Sohn vor dem Kieler Landgericht in einem Sicherungsverfahren verantworten. Dabei geht es um die dauerhafte Unterbringung des Mannes in einer geschlossenen psychiatrischen Fachklinik. Die Anklage lautet auf Totschlag. Doch der psychisch kranke 50-Jährige tötete seine Mutter „im Zustand der Schuldunfähigkeit, ohne Mörder zu sein“, erläuterte der Staatsanwalt. Der Mann soll seit langem an paranoider Schizophrenie mit Wahnschüben leiden.

Nach Aussagen ihres zweiten Sohnes war die Mutter gewarnt. Er habe sie eindringlich gebeten: „Mutter, nimm Dich in Acht. Pass auf, der tut Dir vielleicht was an“, berichtete der 52-Jährige vor Gericht. Zuvor sei sein Bruder mehrfach zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen worden. Die stark religiöse Frau aber habe geglaubt, ihr Sohn sei durch Medikamente unter Kontrolle. „Sie fühlte sich schuldig, wollte ihm Liebe und Zuwendung geben.“ 

Während der Schübe, die erstmals im Teenageralter auftraten, habe sein Bruder sich mit starrem, furchterregenden Blick roboterhaft bewegt, schilderte der Zeuge. Er habe dann „CIA-Agenten in Blumenkästen gesehen“ und alle Menschen, auch die eigene Familie als Feinde betrachtet. Mehrfach musste die Polizei einschreiten, weil er Menschen belästigte.

Wie gefährlich der Mann war, erlebten auch zwei Polizeibeamte, die nach der Tat am frühen Morgen des 13. April die Tür zur Kieler Wohnung des Mannes eintraten. Auch auf sie schlug der kräftig gebaute 50-Jährige mit einem Golfschläger ein. Er nahm dabei in Kauf, „dass sie durch die Schläge sterben könnten“, sagte der Staatsanwalt. Die Beamten entgingen nur durch schnelle Ausweichreaktion Schlägen gegen den Kopf. Einer von ihnen war wochenlang dienstunfähig und leidet noch heute unter den Folgen. Er hatte die Tote in einer Blutlachen und mit zur Unkenntlichkeit zertrümmerten Schädel gefunden. Beide Beamte und der Bruder des Beschuldigten sind Nebenkläger in dem Verfahren. 

Die Mutter flüchtete vor den tödlichen Schlägen offenbar auf den Balkon. Nachbarn von angrenzenden Wohnungen hörten ihre Hilfeschreie und erlebten den grausigen Gewaltausbruch mit: Mindestens 20 Schläge will ein 29-Jähriger wahrgenommen haben, der die Tat von gegenüber mit ansah. Die Notrufe gingen bei der Polizei im Minutentakt ein. Dabei waren Polizeibeamte bereits rund sieben Stunden vor der Tat gegen Mitternacht in das Haus gerufen worden, weil Nachbarn Schreie hörten. Doch sie zogen wieder ab, weil wieder alles ruhig war und der Mann nicht öffnete.

Der 50-Jährige sitzt seit der Tat in der geschlossenen Fachklinik in Neustadt. Er wurde in Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt. Anders als sonst üblich, wurden ihm die Handschellen während der Verhandlung nicht abgenommen. Das Gericht hat für das Verfahren drei Tage anberaumt. Am 18. Dezember soll die Entscheidung verkündet werden.

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