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Fehlende Schulplätze : Müssen Kieler Schüler ins Umland pendeln?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf dem Lande drohen Schulschließungen - doch die Klassenräume in Kiel reichen nicht mehr aus.

Kiel | Die Stadt wächst, immer mehr Familien mit kleinen Kindern ziehen nach Kiel. Damit dürfte die Zeit der Schulschließungen vorbei sein. Es wird eher eng werden an den Schulen. Bildungsdezernentin Renate Treutel setzt deshalb auf das Umland, denn dort fehlen in den nächsten Jahren die Schüler.

Schneller als die Experten vermutet hatten, kehrte sich der Trend um: Die Abwanderung ist gestoppt, die Landeshauptstadt Kiel zählt immer mehr Menschen. Insbesondere junge Familien mit kleinen Kindern ziehen wieder verstärkt in die Stadt. Mit der Folge, dass der Bedarf an Kita-Plätzen steigt und die Kieler Schulen demnächst aus allen Nähten platzen werden.

Containerlösungen aber sind der Kieler Bildungsdezernentin Renate Treutel (SPD) ein Dorn im Auge. Sie denkt eher an eine regionale Lösung, daran, ins Umland auszuweichen. Denn dort sinkt die Bevölkerungszahl, schon bald werden den Schulen vor den Toren Kiels die Schüler fehlen. Folgerung für Bildungspolitikerin Renate Treutel: „Wir müssen bei sämtlichen Planungen das Kieler Umland mit einbinden.“

Während in der Vergangenheit immer wieder städtische Schulen wegen zu geringer Kinderzahlen geschlossen werden mussten, dürfte die künftige Tendenz ganz anders aussehen. Die Zahl der Kieler Grundschüler steigt den Prognosen zufolge binnen zehn Jahren von gegenwärtig 7500 auf 8800. „Eigentlich brauchen wir jede Schule“, erklärt die Stadträtin. Eine Garantie für jeden Standort mag sie zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht abgeben. Dafür sind auch die Entwicklungen in den einzelnen Stadtteilen zu unterschiedlich.

Was im Übrigen auch für das Umland gilt. Die Gemeinden am Rande von Kiel besitzen zwar eigene Grundschulen, aber meist kein Gymnasium. Die Pendlerbilanz spricht klare Worte: Auf den täglichen Schulbesuch nach Kiel begeben sich nahezu 400 Kinder und Jugendliche mehr, als in der Gegenrichtung gezählt werden. Das hat das Bonner Büro Biregio („Bildung und Region“) herausgefunden. Biregio wurde von der Stadt Kiel mit einem Gutachten beauftragt.

Renate Treutel geht es mit Blick auf den (noch zu erstellenden) „Schulentwicklungsplan“ um eine ausführliche Diskussion, um ein breites Verständnis um die Bildungsprobleme im Großraum Kiel. Nicht allein die Auslastung der Schulen ist nach ihren Worten zu berücksichtigen, auch die Anbindung mit öffentlichen Buslinien ist zu klären. Ebenso die Frage der Nachmittagsbetreuung des Nachwuchses. Nicht zuletzt stellen auch die Kinder von Flüchtlingsfamilien die Stadt vor neue Herausforderung. Allein in den vergangenen 18 Monaten sind 330 Mädchen und Jungen aus den verschiedensten Ländern in Kiel neu eingeschult worden.

Die Regionalen Berufsbildungszentren, die RZB’s, rücken ebenfalls in den Fokus. Sind dort bislang rund 12.000 Schüler vertreten – jeder dritte stammt aus dem Kieler Umland –, dürften es nach den Prognosen schon in wenigen Jahren nur noch 9000 sein.

Die Stadt will jetzt eine Steuerungsgruppe einrichten, um geeignete „Stellschrauben“ herauszufinden. „Wir müssen auf lange Sicht fahren“, erklärt Renate Treutel und fasst zusammen: „Ein regionaler Tisch ist unverzichtbar.“ Aus dem Umland, so sagt sie, hat sie bereits positive Signale vernommen.  

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erstellt am 13.Mär.2015 | 13:04 Uhr

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